Meinungsbildung im Netz Keine Angst vor der Filterblase

Sehen wir auf Facebook nur Inhalte, die unserer politischen Meinung entsprechen? Viele fürchten sich vor dieser «Filterblase». Alles halb so wild, sagt eine neue Datenrecherche.

Smartphone mit Schriftzug: Facebook.

Bildlegende: Der Einfluss der Filterblase auf die Wahlen in Deutschland ist geringer, als man meinen könnte. SRF

Worum geht’s?

Die Süddeutsche Zeitung hat eine Studie durchgeführt, um folgende Frage zu beantworten: Gibt es in Deutschland auf politischer Ebene auf Facebook Filterblasen?

Dazu wurden die Facebook-Daten von 5000 politisch interessierten Facebook-Nutzern ausgewertet. Mehr als eine Million öffentliche Likes wurden analysiert – auf die Frage hin: Wer aus welchem politischen Spektrum hat bei welcher Seite auf «Like» geklickt?

Warum ist’s interessant?

In Europa stehen zurzeit Wahlen an und: Wahlzeit ist Kampf-Zeit. In diesem Kampf um die Wählergunst sind die sozialen Medien sehr wichtig geworden. Das hat man deutlich in Amerika bei den Präsidentschaftswahlen gesehen.

Die Süddeutsche Zeitung kommt zum Schluss: «Dicht versiegelte Filterblasen, in denen Nutzer ausschliesslich mit zur eigenen Einstellung passenden Informationen konfrontiert werden, gibt es auf politischer Ebene im deutschen Facebook praktisch nicht.» Das Fazit: Die Angst vor Filterblasen sei übertrieben.

Denn die Nutzer unterschiedlicher politischer Lager liken teilweise die gleichen Seiten. Die Ausnahme bilden die Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD). Die AfD-Anhänger befänden sich zwar auch in keiner Filterblase, aber doch in einer Art Echokammer. Grund dafür sei das mangelnde Interesse für Inhalte, die Anhänger anderer Parteien auch mögen, fasst die Süddeutsche Zeitung zusammen.

Der Selbsttest

Unter dem Titel «Wie links oder rechts ist Ihre Facebook-Welt?» bietet die Süddeutsche einen Selbsttest an. Auswertet werden auch hier nur die gegebenen Likes.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Screenshot, 4.5.2017, 17:40 Uhr.

Filterblase

Der Begriff der Filterblase wurde von Eli Pariser geprägt in seinem Buch «The Filter Bubble». Darin warnt Pariser davor, dass Nutzer von Social Media (durch die Filter der Dienste) nur noch die Informationen sehen, die ihren Interessen entsprechen. Die Folge sei eine Isolation gegenüber Informationen, die nicht dem eigenen Standpunkt entsprechen.

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