Populäre Vornamen der Schweiz: Maria, Anna, Peter und Hans

Seit 1987 veröffentlicht das Bundesamt für Statistik jedes Jahr die Hitparade der für Neugeborene beliebtesten Vornamen. Diese Woche hat das Bundesamt für Statistik ein neues elektronisches Werkzeug aufgeschaltet: Vornamen seit 1902. Die Website brach vorübergehend zusammen.

Zwei Kinder werden getauft.

Bildlegende: Leo, Leon, Luca oder Elia? Die Auswahl an Vornamen scheint endlos. Keystone

Man muss aufpassen, wenn man nicht Klischees auf den Leim gehen will. Namen wie Max und Anna, von denen es heute allgemein heisst, bald alle Kinder würden so heissen, werden längst nicht so häufig vergeben wie in ihren Spitzenjahrzehnten. Auch altehrwürdige Namen wie Peter, Karl und Maria sind bei den Neugeborenen längst nicht so häufig, wie man das landläufig manchmal hört.

Sozial stigmatisierte Vornamen

Die «Kevin-Debatte» wird in der Schweiz längst nicht so lautstark geführt wie in Deutschland. Dort gilt Chantal als das weibliche Exemplar eines sozial stigmatisierten Namens überhaupt. In der Schweiz mit ihrer Tradition der Mehrsprachigkeit und auch als Einwanderungsland scheint die Toleranz grösser zu sein.

Kevins gab es seit 1902 in der Schweiz insgesamt 11291, mit einer klaren Spitze im Jahrzehnt 1991-2000 (5481 mal). Die Welle flaut ab: Im Jahr 2011 waren es bloss noch 129 neue Kevins. Chantals gab es 9343, die Höchstwerte erreichte dieser Vorname im Jahrzehnt 1951-60 (2175 mal). Man sollte also nicht alles wörtlich nehmen und weiterverbreiten, was man irgendwo liest. Die Schweizer Situation unterscheidet sich klar von der deutschen.

Einfluss des Showbusiness

Vorname «Raphael»: Häufung in den 80er und 90er Jahren.

Bildlegende: Verteilung des Vornamens «Raphael» von 1902 bis 2011. Bundesamt für Statistik

«Kevin» lässt sich natürlich erklären durch den Schauspieler Kevin Costner («Der mit dem Wolf tanzt», 1990) und die Filmfigur Kevin (z.B. «Kevin allein zuhaus»-Filme, 1990). In der Schweiz finden sich in den Jahren 1902-2011 aber auch 662 Männer mit dem Vornamen «Elvis», die Spitze liegt dabei in den Jahren 1981-90 (260 Mal). Vor 1950 war dieser Name selbstredend nicht präsent.

Das Glamour-Paar Angelina Jolie und Brad Pitt hat auch auf die Namensgebung in der Schweiz abgefärbt: 2871 Angelinas gab es, der Höchstwert war in der Dekade 2001-2010 erreicht (970 Mal). Vorher waren es pro Jahrzehnt im Durchschnitt ungefähr 200 Angelinas, was sicher gestützt vom Tessin und von italienischsprachigen Einwanderern gestützt wird. Brads gibt es zwar nur 25, aber 14 davon sind in den Jahren 2001-10 zur Welt gekommen. «Dylan» gibt es 2697 Mal, zur Hauptsache in den Jahren 1991-2000, hat also mit dem Musiker Bob Dylan direkt wohl wenig zu tun, sonst hätte dieser Name früher an Bedeutung gewonnen. Von 1971-80 wurden nämlich nur 21 Knaben so benannt.

Verschwindende Namen?

Vorname «Anna»: Häufig seit den 20er Jahren.

Bildlegende: Verteilung des Vornamens «Anna» von 1902 bis 2011. Bundesamt für Statistik

Aufgrund der Funktionalität der Website des Bundesamts für Statistik muss man für diese Frage stichprobenartig vorgehen: Der Vorname Heinz, über die ganzen 110 Jahre immerhin Nummer 32 der Häufigkeit (20747 Mal), brachte es im vergangenen Jahrzehnt gerade mal noch auf 8 Nennungen. Zu Spitzenzeiten gab es 6000 Heinze pro Dekade. Josef gibt es in den Jahrgängen 2001-10 noch 81 Mal, die Spitze lag in den Jahren 1941-50 (6585 Mal). Aus historischen Gründen kommt «Adolf» seit 1991 gar nicht mehr vor, obwohl sich der Name erstaunlicherweise noch bis in die 50er Jahre einigermassen hielt. «Benito» brach ab 1941 ein, er kam noch 18 Mal vor im Jahrzehnt 2001-2010.

Eine interessante Seite, mit der man viel Zeit verbringen kann – bis man nur mal seine Familienmitglieder durch hat. Die Website des Bundesamts für Statistik ist wegen der vielen Anfragen in den letzten Tagen auch zusammengebrochen. Mittlerweile läuft sie wieder – wenn auch recht langsam.