11 Mal der Bodensee Ein gigantischer Eisberg treibt durch die Antarktis

In der Antarktis ist ein riesiger Eisberg abgebrochen. Das ist spektakulär – aber kein klares Zeichen dafür, dass das Eis jetzt schneller schmilzt.

Detailaufnahme des Risses im Larsen-C-Schelfeis.

Bildlegende: Der Riss im Larsen C-Schelfeis in Nahaufnahme. John Sonntag

Die Forscher hatten schon eine Weile damit gerechnet. Nun ist es passiert. Ein riesiger Eisberg hat sich von der Antarktis gelöst. Er treibt jetzt im Meer – mit etwa 5900 Quadratkilometern hat er rund 11 Mal die Fläche des Bodensees und wiegt fast eine Billion Tonnen. Das teilten Wissenschaftler der britischen Universität von Swansea mit.

«Das Larsen-C-Schelfeis war noch nie so klein», so der Glaziologe Adrian Luckman von der Universität Swansea: «Das ist eine grosser Veränderung. Landkarten werden angepasst werden müssen.»

Der Riss im Schnee

Bildlegende: So sah der Riss im Larsen-C-Schelfeis im November 2016 aus. John Sonntag/Nasa

Die letzte Verbindung ist abgerissen

Die Forscher beobachteten die Entwicklung des Risses im Schelfeis Larsen C schon seit mehreren Jahren. Seit September 2014 mit Daten des europäischen Sentinel-1-Satelliten, der alle sechs bis zwölf Tage eine Aufnahme macht.

«Der Riss ist über die Jahre immer wieder ein grosses Stück gewachsen», sagt Forscher Niklas Neckel vom Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung. «In den letzten sechs Tagen hat er dann einen Sprung gemacht» – und die letzte Verbindung zwischen Schelfeis und Bruchstück riss ab.

Kein Anstieg des Meeresspiegels

Entstanden ist einer der grössten Eisberge, die je aufgezeichnet wurden, 175 Kilometer lang und bis zu 50 Kilometer breit. Die Forscher vermuten, dass es zwei bis drei Jahre dauern wird, bis er geschmolzen ist. Der Meeresspiegel wird deshalb jedoch nicht ansteigen, da Eis genau so viel Wasser verdrängt, wie es nach dem Schmelzen selbst ergibt.

Was einigen Forscher aber Sorgen bereitet, ist die Zukunft des Larsen-C-Schelfeises. Schelfeise sind dicke Eisplatten, die auf dem Meer schwimmen. Sie werden von Gletschern oder Eisströmen gespeist. In der Antarktis sind sie typisch für das Landschaftsbild.

Das Schelfeisfeld könnte ganz zerfallen

Immer wieder brechen Stücke von diesen Eisfeldern ab – sie kalben. Dann fliesst neues Eis nach, irgendwann kalben sie wieder. Ein ganz natürlicher Zyklus, der zum Leben eines Schelfeises dazugehört.

Manche Forscher befürchten jedoch, dass das Schelfeisfeld Larsen C in Gefahr ist, weil die Eiskante nun weiter abbrechen könnte.

Karte

Bildlegende: Eine Karte von Larsen C. Darüber gelegt ein Wärmebild, das zeigt, dass sich der Eisberg getrennt hat. MIDAS Project

Immerhin ist Larsen C heute um rund zehn Prozent geschrumpft. Die gesamte Eisplatte stehe unter enormer Spannung, schreibt das britische Forschungsprojekt zur Beobachtung der Antarktis, Midas.

Bricht an einer Schlüsselstelle ein Stück ab, können sich auch in anderen Teilen Risse ausbreiten. So könnte das Schelfeisfeld ganz zerfallen.

Noch ist nichts entschieden

Gletscher im Inland würden dann viel schneller ins Meer abfliessen als vorher. Und das würde den Meeresspiegel tatsächlich erhöhen. Doch Niklas Neckel relativiert. «Es könnte instabiler werden. Es könnte aber auch sein, dass wieder Eis nachkommt und das Eisschelf nachwächst».

Die Forscher können nur abwarten. Klar ist aber, dass sie eine Region beobachten, in der die Temperatur über die letzten Jahrhunderte stark angestiegen ist und derzeit mehr Eis schmilzt, als neues hinzu kommt.

Die Entstehung des riesigen Risses

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Nachrichten, 12.07.17, 17:00 Uhr

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