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Erster Sternenpark der Schweiz: Tourismusaktion oder Massnahme gegen die Lichtverschmutzung?
Aus Kultur-Aktualität vom 12.08.2019.
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Erster Schweizer Dark Sky Park «Aus Umweltsicht ist es sinnvoll, dunkle Zonen zu machen»

Es ist der erste Sternenpark der Schweiz: Ende August wird der Naturpark Gantrisch offiziell als «Dark Sky Park» zertifiziert. Zum einen eine PR-Aktion, aber auch eine Massnahme gegen die Lichtverschmutzung. Denn Umweltschützer klagen: Es gibt zu viel Licht. Alexander Reichenbach vom Bundesamt für Umwelt über störendes Licht und die positive Auswirkung der Dunkelheit.

Alexander Reichenbach

Alexander Reichenbach

Bundesamt für Umwelt

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Alexander Reichenbach ist Leiter der Sektion Nichtionisierende Strahlung (NIS) beim Bundesamt für Umwelt. Die Sektion beschäftigt sich mit dem Thema Elektrosmog und Licht.

Ist Lichtverschmutzung ein Trendthema oder wirklich ein Problem?

Satellitenaufnahmen zeigen, dass sich in der Schweiz das in den Nachthimmel gerichtete Licht in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt hat. Dies führt zu einer grossräumigen Aufhellung der Nachtlandschaft und kann nachtaktive Tiere beeinträchtigen.

Man kann etwa feststellen, dass sich das Licht bei Nebel oder Dunst an den Wassertröpfchen reflektiert. Über Städten und Agglomerationen kann das zu sogenannten Lichtglocken führen. Das kann nachtaktive Zugvögel von ihrem Kurs abbringen.

Auch lokale Lichtquellen können Tiere beeinträchtigen. Man kennt die Anlockwirkung von Strassenlampen für die Insekten. Zunehmend fühlen sich auch Menschen von übermässigen Lichtemissionen in der Nacht beeinträchtigt.

Was bedeutet Lichtverschmutzung? Ab wann ist Licht zu viel Licht?

Als Lichtverschmutzung bezeichnen wir Licht, das räumlich, zeitlich oder in der Intensität über den Beleuchtungszweck hinausgeht. Oder das aufgrund seiner spektralen Zusammensetzung negative Auswirkungen haben kann. Das kann im Extremfall auch ein beleuchtetes Schaufenster sein.

In Luzern etwa hat man gesehen, dass solche Schaufenster auch Passanten blenden können und dann das nächtliche Bild der Stadt beeinträchtigt wird.

Ein Mann steht neben einem Zelt und schaut auf den klaren Sternenhimmel.
Legende: Ein Park, der die Nacht verteidigt: klarer Sternenhimmel im kanadischen Grasslands-Nationalpark. imago images / UIG

Es gibt sogenannte Lichtschutzgebiete, «Dark Sky Parks». Dieses Konzept kommt aus den USA. Auch für die Schweiz ist so ein Park geplant für das Gantrischgebiet. Ist das sinnvoll oder eine Massnahme des Standortmarketing?

Ob das eine Massnahme für das Standortmarketing sein kann, wird sich zeigen. Aus Umweltsicht ist es sinnvoll, solche dunklen Zonen zu machen. Das ist gut für die nachtaktiven Tiere. Es lässt Sternenbeobachtungen zu. Menschen, die sich belästigt fühlen durch das Licht, können sich dort besser erholen.

Wo Licht eingesetzt wird, ist darauf zu achten, dass es verträglich für die Umwelt ist.

Kann denn so ein «Dark Sky Park» wirklich die Lichtverschmutzung zahlreicher Städte und Dörfer ringsum ausgleichen?

Der «Dark Sky Park» hat vor allem regional eine positive Auswirkung auf Tiere, auf den Menschen und auf die Nachtlandschaft. Er kann aber übermässiges Licht, das an einem anderen Ort abgestrahlt wird, nicht kompensieren.

Was muss sonst noch passieren, um Lichtverschmutzung entgegenzuwirken?

Überall, wo Licht eingesetzt wird, ist darauf zu achten, dass dies möglichst verträglich für den Menschen und die Umwelt erfolgt. Das Umweltschutzgesetz in der Schweiz verlangt auch, dass unnötige Emissionen im Sinne der Vorsorge möglichst vermieden werden.

Neue Beleuchtungstechniken wie LED oder bedarfsgerechte Steuerungen bieten hier eine gute Möglichkeit, Licht möglichst präzise und mit der richtigen Intensität einzusetzen

LED-Licht ist nicht schädigend für die Umwelt?

Es kommt auf die Zusammensetzung, die Farbtemperatur des LED-Lichtes an. Sogenannte kaltweisse LED haben einen grossen Blau-Anteil in ihrem Spektrum. Das hat eine grosse Anlockwirkung auf Insekten und wird auch von Menschen als störend wahrgenommen. Wenn man hingegen warmweisse LED einsetzt, ist die Anlockwirkung bedeutend kleiner für Insekten.

Das Gespräch führte Alice Henkes.

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Legende:Getty Images / Bildmontage

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