Tierschutz Für Fische endet die Reise ins Aquarium meist tödlich

In der Schweiz werden Millionen von Zierfischen gehalten. Auf dem Weg in hiesige Aquarien sterben unzählige Tiere. Die Meeresbiologin Monica Biondo erklärt das Drama hinter dem Handel mit Meereszierfischen.

Das wichtigste in Kürze:

  • Aquarien mit Meereszierfischen sind beliebt. Auf dem Transport in die Schweiz stirbt ein grosser Teil der Tiere.
  • Die Wildfänge führen dazu, dass zum Beispiel der Banggai-Kardinalfisch stark bedroht ist.
  • Meereszierfische lassen sich schwer züchten. Und selbst Arten, die sich züchten liessen, werden meist wild gefangen, weil die Zucht teurer ist.

SRF: Der Schweizer Tierschutz STS schätzt die Anzahl Zierfische in Schweizer Aquarien auf einige Millionen. Sie seien die häufigsten Haustiere, schreibt der STS. Hunderttausende werden jährlich aus fernen Ozeanen importiert. Sie sagen, hinter dem Handel mit marinen Zierfischen stecke ein Drama. Warum?

Monica Biondo: Studien der Uno-Welternährungsorganisation FAO und des Umweltprogrammes UNEP der Vereinigten Nationen schätzen, dass je nach Art bis zu achtzig Prozent der marinen Zierfische auf dem Weg vom Fang über den Transport bis in unsere Aquarien sterben.

Da es weltweit kaum Kontrollen oder Schutzbestimmungen für diese Fische gibt, werden tote Tiere ersetzt und keiner merkt es. Es braucht dringend eine Überwachung, ein Monitoringsystem.

Warum sterben so viele Meereszierfische unterwegs?

Das Drama beginnt beim Fang. Viele werden trotz Verboten mit Gift gefangen. Verletzte oder «unschöne» werden einfach «aussortiert». Transportiert werden die Fische in Plastiksäcken, gefüllt mit Wasser und Sauerstoff.

Es folgen lange Wege auf Booten, in Autos und Flugzeugen. Das ist sehr stressig, es herrschen tropische Temperaturen, ein Nirwana für Bakterien. Die Fische sind in diesen Plastiksäcken sehr eng zusammengepfercht. Oft dauert es Wochen, bis sie bei uns ankommen.

Qualvolle Reisen und hohe Todesraten könnte man vermeiden, indem man marine Zierfische züchtet, so wie es bei den meisten Süsswasser-Zierfischen der Fall ist.

Meereszierfische lassen sich kaum züchten. Von den über 2000 Arten, die weltweit in Aquarien leben, kann man nur ungefähr 25 kommerziell züchten. Fast alle marinen Zierfische, die man bei uns sieht, sind also Wildfänge.

Zudem ist es viel schwieriger, ein Meerwasseraquarium zu betreiben als ein Süsswasserbecken. Die Haltung ist komplexer. Deshalb sterben vor allem bei Anfängern viele Tiere auch daheim im Aquarium.

Züchten kann man den beliebten Banggai-Kardinalfisch und auch «Nemo», den weiss gestreiften, orangefarbenen Anemonenfisch. Trotzdem werden auch sie zum grossen Teil wild gefangen. Weshalb?

Wildfänge sind viel billiger als eine aufwändige Zucht. Für einen Banggai-Kardinalfisch bekommt der Fischer vor Ort nur wenige Rappen. Bei uns wird er etwa tausendmal teurer verkauft und kostet bis zu 65 Franken. Das grosse Geschäft machen die Händler.

Welche konkreten Folgen haben diese Wildfänge für diesen Fisch?

Er kommt weltweit nur in einem Gebiet im indonesischen Zentralsulawesi vor. Im Vergleich zur Zeit um 1992 ist der Bestand um 90 Prozent geschrumpft. Wegen der grossen Nachfrage ist er heute nahe am Aussterben.

Wildfänge zerstören auch Korallenriffe, der Fang beschädigt Korallenstöcke. Viele Zierfische fängt man mit Zyanid. Man betäubt sie damit. Das Gift schädigt Korallen, aber auch andere Fische und auch oft auch die Fischer selbst.

Wie lässt sich all dies am Beispiel des Banggai-Kardinalfisches verhindern?

Nur indem man ihn schützt. Eigentlich sollte der Handel durch die CITES-Mitgliedstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens verboten werden. Bis heute gelang es nicht einmal, den Handel zu beschränken. Aber die Fondation kämpft dafür.

Das Gespräch führte Peter Jaeggi.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Passage, 5.5.2017, 20.00 Uhr

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Peter Jaeggi

Die Schweizerin Monica Biondo ist Meeresbiologin und setzt sich für den Schutz des Banggai-Kardinalfisches ein.

Beiträge zum Tierschutz

Eine Frau trägt eine Jacke mit einer Pelzkapuze

Keystone

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