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Ein Netz über der Erde.
Legende: Das WWW ist kein sicherer Ort. Das wollen ETH Forscher ändern. Getty Images
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Sicherheitslücken im Internet Schluss mit Manipulation: ETH-Forscher machen das Netz sicherer

Die Software-Architektur des Internets ist veraltet. Das macht es unsicher und manipulierbar. ETH-Forscher haben jedoch eine vielsprechende Lösung entwickelt: das System SCION.

Neben vielen Segnungen hat das digitale Zeitalter auch einige Plagen über die Menschheit gebracht. Die Cyber-Attacken gehören zu den schlimmsten. Nicht nur Kriminelle, auch Grossunternehmen, Regierungen und Geheimdienste betreiben systematisch Daten-Spionage und -Sabotage, wie es ihnen beliebt und dient.

SCION

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Mehr Informationen zum System der ETH finden Sie hier, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Keine Kontrolle übers Netz

Im herkömmlichen Internet haben Sender und Empfänger keine Kontrolle über die Transportpfade. Das nutzen Angreifer aus. Mit Cyber-Attacken können sie Daten abzweigen, ausspionieren oder gleich ganz löschen. Sie können reihenweise Server blockieren oder über sogenannte «kill switches» das Netz innerhalb geografischer Räume völlig abschalten.

Die Schäden bei Firmen, Privaten, Behörden und Einrichtungen des öffentlichen Dienstes sind immens. Seit Jahren wird weltweit geforscht für mehr Sicherheit im Internet, bislang allerdings mit mässigem Erfolg.

Video
ETH-Forscher machen das Internet sicherer
Aus Kultur Extras vom 16.01.2018.
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SCION soll das Netz sichern

Der Informatikwissenschaftler Adrian Perrig und sein Team forschen an der ETH Zürich seit sieben Jahren im Bereich der Netzwerksicherheit. Das Resultat heisst SCION, Link öffnet in einem neuen Fenster, ein System aus neuen Netzwerk-Routern und einem neuen Adressierungsprotokoll. Es verlangt keine grossen Neuinvestitionen, denn es kann in das bestehende Internet integriert werden.

Informationen im Internet werden von Router zu Router geleitet. Trifft ein Datenpaket ein, liest der Router nach einem uniformierten Protokoll die Adresse aus und weist dem Paket dann die kürzeste Strecke zu seinem Ziel zu.

Ein System gegen die Manipulation

In der heutigen Internet-Architektur können diese Prozesse sehr leicht manipuliert werden. Grosse Akteure wie Netzwerk- und Telekomfirmen, Regierungsbehörden und andere einflussreiche Serverbetreiber können Daten nach Belieben umleiten, denn sie besitzen die Schlüssel dazu, die zentralen Steurungscodes. Erkennbar sind solche Manipulationen jeweils erst im Nachhinein.

Genau dort setzt SCION an: Das System wird an zentralen Knotenpunkten eingesetzt und unterteilt das Netz sukzessive in geschützte Untergruppen, «isolation domains» genannt. Bei relativ kleinem Aufwand verspricht Adrian Perrig grosse Wirkung.

Adrian Perrig.
Legende: Macht das Netz ein ganzes Stück sicherer: Adrian Perrig und sein System SCION. SRF

«Das heutige Internet ist sehr hierarchisch aufgesetzt, viele Sicherheitsprotokolle werden von wenigen Schlüsseln kontrolliert. Wer dort Zugriff hat, übt Kontrolle über das ganze Netz aus. In SCION ist alles viel dezentraler. Da gibt es weltweit keine Instanz mehr, die das Netz regieren könnte.» So wird die Macht der grossen Player ausgehebelt.

SCION verpasst den Datenpaketen bei ihrem Transport über das Netz eine Art Schutzverpackung mit neuer Adressierung, die sicherstellt, dass die Informationen von ihrem Weg nicht mehr abgezweigt und entführt werden können. Zudem verhindert SCION, dass die Datenpakete für Serverattacken missbraucht werden können. Die Daten würden so deutlich sicherer, während die Netzkommunikation transparenter und erst noch flüssiger werde, betont Perrig.

SRF am World Web Forum

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Wie verändert die Digitalisierung die Rolle der Staaten? Werden sie gar überflüssig? «End of Nation» – das ist das Thema des 6. «World Web Forum».

SRF überträgt den Event live in einem «ECO»-Spezial am Donnerstag, 18. Januar 2018, von 08.40 Uhr bis 15.35 Uhr – im Webstream und auf SRF Info. Alles rund um den Event: www.srf.ch/worldwebforum.

Weltweites Interesse

SCION ist weit mehr als Theorie. Es bewährt sich bereits praktisch bei mehreren grossen Schweizer Firmen, die auf ein reibungslos funktionierendes Internet angewiesen sind.

Mittlerweile klopfen Interessenten aus aller Welt bei Adrian Perrig an, Regierungsstellen, Banken, Telecom-Giganten, Internetkonzerne. Adrian Perrig ist verhalten optimistisch: «Die Konkurrenz im Bereich Netzwerksicherheit ist sehr gross. Aber SCION ist mit Abstand das beste Produkt. Das hat uns ein führender Tech-Gigant aus den USA bestätigt.»

Schon in wenigen Jahren könnte das Internet zu einer sicheren Sache werden. Es wäre allerhöchste Zeit dafür, schliesslich soll der digitale Fortschritt über das Netz vorankommen – und nicht darin hängen bleiben.

Sendung: SRF 1, Kulturplatz, 17.1.2018, 22.25 Uhr.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Klein  (HansKlein)
    Also: grosse Firmen und Staat missbrauchen das Netz – und diese interessieren sich jetzt für die Lösung, die das verhindern soll? Kommt das nur mir seltsam vor? Prinzipiell klingt das Verfahren einleuchtend, aber mit guter Verschlüsselung erreicht man dasselbe heute doch bereits? Wenn gut verschlüsselte Datenpakete "umgeleitet" oder kopiert werden, nützt das ohne Schlüssel noch nicht viel. Deshalb interessieren sich Abhörer für die Kontakte selbst, die sie mit SCION auch verfolgen können, oder?
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  • Kommentar von Morena K.  (Morena)
    ETH Forschung - und die Schweiz ist stolz. Das Team von Adrian Perrig und Scion kann man sich unter www.netsec.ethz.ch anschauen. Junge Frauen und Männer, offensichtlich international. "Die Jungen wollen nur noch studieren" wurde andernorts in diesem Forum kürzlich geklagt. Yep. Danke!
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    1. Antwort von Connie Mueller  (Connie Elizabeth)
      Es studieren eigentlich viel zu wenige so im Vergleich zum Ausland. Wegen dem wird jeder der zb. eine Matura hat oder vergleichbares zugelassen. In den USA selbst bei schlechten Unis nur circa 20 bis 40%.Daher konnte es auch nicht verstehen wieso viele klagte dass die jungen nur studieren möchte wenn dies ja offensichtlich nicht zutrifft.
  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    'Grosse Akteure wie Netzwerk- und Telekomfirmen, Regierungsbehörden und andere einflussreiche Serverbetreiber können Daten nach Belieben umleiten, denn sie besitzen die Schlüssel dazu, die zentralen Steurungscodes.' Das Gute an solchen Nachrichten ist, dass dann Schwarz auf Weiß steht, worum häufig darum herum geschwiegen wird ....
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