«Häi, isch das chalt wordä»

Das Temperaturempfinden ist eine sehr individuelle Sache. Auch die Jonglage mit meteorologischen Werten hilft nicht über die eigene Erfahrung und Interpretation hinweg.

Aktuell zeigt das Thermometer knapp mehr als 10 Grad. Ohne Jacke einen Kaffee holen oder zum Bankomat, für mich als Frau aber undenkbar. «Häi, isch das chalt wordä». Mit der Bise fühlen sich die gemessenen zweistelligen Werte deutlich einstellig an.

«Gefühlte» Temperatur

Ideen und Ansätze, wie man aus gemessenen oder prognostizierten Temperaturen, die «gefühlte» Temperatur ermitteln kann, gibt es einige. So spielen nicht nur der Wind, sondern auch Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und das menschliche Empfinden eine Rolle. Um die Komplexität zu minimieren, sind jedoch nur zwei Berechnungen gebräuchlich, der «wind chill» im Winter und «heat index» im Sommer. Während der «wind chill» Temperatur und Wind kombiniert, berechnet sich der «heat index» aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Menschen, keine Flaschen

Die ursprüngliche «wind chill» Formel stammt von einer Forschungsreise in die Antarktis um 1940. Die Forscher Paul Siple und Charles Passel experimentieren mit gefüllten Wasserflaschen und einer Stoppuhr: Wie lange dauert es, bis das Wasser in der Flasche gefriert? Die Resultate aus diesem Experiment lieferte die erste «wind chill» Formel. Mangels Parallelen zwischen Menschen und Wasserflaschen, entwickelten amerikanische und kanadische Forscher eine neue Formel. Nun fliessen unter anderem die thermischen Bedingungen des Menschen in die Formel ein. Die verbesserte «wind chill» Formel ist nun zwar auf den «Standardmenschen» zugeschnitten, das individuelle Wärmeempfinden eines jeden Einzelnen, vermag aber auch die neue Formel nicht abzudecken.