Wo bleibt der Föhn?

Im Herbst sorgt der Föhn in den Alpentälern immer wieder für sonniges und warmes Wetter. Doch in diesem Jahr machte er sich bis jetzt ziemlich rar.

Balendiagramm mit den Anzahl Föhnstunden. Hohe Balken im April und Mai, ein sekundäres Maximum im Herbst.

Bildlegende: Mittlere monatliche Anzahl Föhnstunden in Altdorf/UR. Daten: Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie

Aufgelockerter Föhnbewölkung, durch die Sonne rötlich verfärbt.

Bildlegende: Föhnstimmung im Herbst. Andreas Krähenbühl

Der Südföhn (im folgenden Föhn genannt) bläst über das Jahr verteilt unregelmässig. In den Frühlingsmonaten April und Mai fegt er im langjährigen Mittel mit Abstand am häufigsten durch die Alpentäler. Während den Sommermonaten ist er ein seltener Gast, im Herbst gibt es ein sekundäres Föhn-Maximum. Somit kann man in den Herbstmonaten durchaus mit einigen sonnigen und warmen Föhntagen rechnen. Im Rheintal ist der Föhn im September und Oktober deshalb als Traubenkocher bekannt und geschätzt.

Kaum Föhn im Herbst 2015

Der diesjährige Herbst ist bis jetzt relativ arm an Föhntagen, diese lassen sich an einer Hand abzählen. Einzig Mitte September und anfangs Oktober blies an einigen Tagen der Föhn.

Hoch im Norden anstatt im Süden

Europakarte: Im Norden gelb und orange für positive Abweichtung, im Süden grün und blau für negative Abweichung.

Bildlegende: Luftdruckabweichung vom Mittel der Jahre 1981 bis 2010. www.noaa.gov

Der Grund für die wenigen Föhntage liegt in der aussergewöhnlichen Luftdruckverteilung über Europa während den letzten Wochen. Damit der Föhn auf Touren kommt, braucht es ein Tiefdruckgebiet im Bereich der Britischen Inseln und ein Hoch über Südosteuropa. In diesem Herbst war es genau umgekehrt: Der Luftdruck über Nordeuropa war deutlich höher als im Mittel der Jahre 1981 bis 2010. Dafür gab es im Mittelmeerraum mehr Tiefdruckgebiete als üblich. Somit war bei uns kühle Bisenluft anstatt milde Föhnluft angesagt.