Zum Inhalt springen

Header

Audio
Pestizid-Initiative: Wie würden sich die Preise entwickeln?
Aus Rendez-vous vom 02.06.2021.
abspielen. Laufzeit 05:12 Minuten.
Inhalt

Eidgenössische Abstimmungen Wie wirkt sich ein Pestizidverbot auf die Lebensmittelpreise aus?

In einem «Bioland Schweiz» würden die Lebensmittel teurer. Um wie viel, können weder Gegner noch Initianten voraussagen.

Ziel des Pestizidverbots sei, dass alle Menschen in der Schweiz Zugang zu gesunden und ökologisch produzierten Lebensmitteln hätten und auf synthetische Pestizide in allen Lebensbereichen verzichtet werde, sagt Dominik Waser vom Initiativkomitee.

Der Totalverzicht würde dazu führen, dass in der Schweiz nur noch Bio-Lebensmittel produziert und importiert würden. Die Folgen würden viele zu spüren bekommen, warnt Bauern-Präsident Markus Ritter: «Es würde nicht nur die Landwirtschaft sehr stark betreffen, sondern wegen des Importverbots solcher pflanzlicher Lebensmittel auch Verarbeitung und Handel und damit die Konsumentenschaft.»

Umstritten: Folgen für Selbstversorgung

Ein Gutachten der Universität St. Gallen im Auftrag von Bauernverband und Lebensmittelindustrie kommt zum Schluss, dass bei einem Pestizidverbot in der Schweiz ein Drittel weniger Lebensmittel produziert würden. «Der Selbstversorgungsgrad würde von heute 60 auf 45 Prozent sinken», erklärt Studienautor Charles Gottlieb und verweist auf entsprechende Zahlen der Bundesanstalt Agroscope.

Wie stark, hänge vom Produkt ab. Am grössten werde der Rückgang bei Zuckerrüben, Obst und Kartoffeln sein, deutlich kleiner bei Milch und Getreide.

Der Selbstversorgungsgrad würde von heute 60 auf 45 Prozent sinken.
Autor: Charles GottliebÖkonom, Universität St. Gallen HSG

Waser vom Initiativkomitee hält die Zahlen für übertrieben: Der Produktionsrückgang betrage durchschnittlich zirka 20 Prozent. Zudem müsse einkalkuliert werden, was bei Pestiziden und Dünger – auch zugunsten der Umwelt – eingespart werde.

Der Produktionsrückgang beträgt durchschnittlich zirka 20 Prozent.
Autor: Dominik WaserKomitee, Initiative für eine für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

Waser bezieht sich dabei auf eine Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl).

Umstritten: Folgen für Lebensmittelpreise

Eine weitere umstrittene Frage ist, welche Folgen die Umstellung auf die Lebensmittelpreise hätte. Für Bauern-Präsident Ritter steht fest, dass in einem Bioland Schweiz die Preise stark steigen würden: «Die Konsumenten würden in der Schweiz, aber auch bei den Importen, rund 30 bis 40 Prozent höhere Lebensmittelpreise bezahlen.»

Die Konsumenten müssten in der Schweiz, aber auch bei den Importen, rund 30 bis 40 Prozent höhere Lebensmittelpreise bezahlen.
Autor: Markus RitterPräsident, Schweizerischer Bauernverband SBV

Die Auftragsstudie von HSG-Ökonom Gottlieb stützt diese Aussage allerdings nicht. Er rechnet nur damit, dass die Produktionspreise bei Bio-Produktion mit Sicherheit steigen würden, da Biolandwirte einen höheren Aufwand hätten als konventionelle Bauern. Er betont aber gleichzeitig: «Aussagen zu Konsumentenpreisen sind schwierig, da sie vom Preissetzungsverhalten der Lebensmittelketten abhängen.» Und das sei nicht transparent.

Man gehe sehr stark von Preissteigerungen aus, heisst es bei der IG Detailhandel, welche die Interessen von Coop, Migros und Denner vertritt und die Initiative ablehnt. Das Ausmass hänge allerdings stark davon ab, wie und wo die Lebensmittel künftig beschafft würden.

Rechtlich umstritten: Importverbot

Juristin Elisabeth Bürgi, Expertin für nachhaltigen Handel an der Universität Bern, äussert rechtliche Zweifel: «Das Importverbot ist eine sehr einschneidende Massnahme und auf den ersten Blick nicht vereinbar mit WTO- oder EU-Recht.»

Allerdings hat das Parlament die Möglichkeit, die Initiative später in der Verfassung völkerrechtskonform umzusetzen, wie Bürgi betont. Und könnte zum Beispiel statt eines Importverbots für alle mit synthetischen Pestiziden produzierten Lebensmittel nur ein Einfuhrverbot für die mit besonders gefährlichen Pestiziden produzierten Orangen oder Kartoffeln erlassen. Denn ein differenziertes Verbot könne mit dem Schutz der Umwelt begründet werden.

Initiative für ein Verbot synthetischer Pestizide

Box aufklappenBox zuklappen

Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung oder Landschaftspflege: Synthetische Pestizide werden heute in der Schweiz in vielen Bereichen eingesetzt. Sie sollen Schädlinge fernhalten, vorzeitiges Keimen von Gemüse verhindern oder Unkraut eliminieren. Die Pestizid-Initiative, über die am 13. Juni abgestimmt wird, findet das stossend. Sie will daher synthetische Pestizide in der Schweiz verbieten. Ausserdem soll es künftig nicht mehr erlaubt sein, Lebensmittel aus dem Ausland einzuführen, sofern sie Pestizide enthalten oder mit Pestiziden hergestellt wurden.

Rendez-vous, 02.06.2021, 12:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

91 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Mike Stoll  (Miky)
    Der Gifteinsatz der Bauern bringt auch massive zusätzliche Kosten für die Trinkwasserversorger mit sich. Zum Beispiel all die verseuchten Quellen zu ersetzen...
    Riesensummen, die von der Bevölkerung bezahlt werden müssen. Auch aus finanzieller Sicht macht nur 2x JA Sinn!
  • Kommentar von Werner Aeschlimann  (wernz)
    Da bin ich mit Ihnen einig Frau Schmid, ich denke das Gros der Bevölkerung ist sehr unkritisch, damit also auch die Bauern. Dann, ab wann ist man ein Fachmann/Frau? Wenn man die Rezeptur der syntehtischen Spritzmittel kennt? Schauen Sie, die meisten Bauern spritzen ganau das was der Aussendienstmitarbeiter ihm empfiehlt. Fachleute im landwirtschaftlichen Bereich wären die, welche natürlichen Prozesse kennen. Biobauern evtl.? Aber ich spüre, auch da ist Biobäuerin genz leicht abgewichen.
  • Kommentar von Mandy Baudi  (Mandchen)
    Falls die Initiativen angenommen werden sollten: Wer übernimmt die Verantwortung mit den negativen Auswirkungen betreffend sinkenden Selbstversorgungsgrad, steigenden Preisen, tiefere Lebensmittelsicherheit (keine Desinfektionsmittel = unhygienisches arbeiten)? Hr. Waser persönlich? Und wenn das Importverbot nicht gemäss Initiative umgesetzt werden kann, sind die Schweizer Produkte klar im Nachteil und wir haben am eigenen Ast gesägt... Wir sind dann einfach zu teuer!
    1. Antwort von Mandy Baudi  (Mandchen)
      Nachtrag (zu wenig Zeichen zu Verfügung): Ich kaufe auch Bio und achte auf Regionalität aber ich kann auch mit schiefen Karotten und unperfekten Kartoffeln leben. Vielleicht sollte man erstmal bei sich selbst aufräumen und halt auch mal nicht perfekte Lebensmittel akzeptieren bevor man aggressive Initiativen annimmt. Ich sehe die meisten „Ja-Stimmer“schon alle ins Ausland pilgern denn an der eigenen Geldbörse hören die meisten Vorsätze wieder auf!
    2. Antwort von Peter Meier  (pmeier)
      Selbstversorgungsgrad, steigenden Preisen, tiefere Lebensmittelsicherheit werden sowieso später kommen, besonders wenn die Initiativen NICHT angenommen werden. Wenn das Wasser nicht mehr trinkbar ist, und der Boden komplett verseucht ist, dann wird es teuer, sehr teuer.