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Lukas Golder: «Inhaltlich ist das Anliegen mehrheitlich durchgefallen»
Aus News-Clip vom 14.09.2021.
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Zweite SRG-Umfrage Unterstützung für «99-Prozent-Initiative» bricht weg

  • Die Initiative Kapitalbesteuerung, auch «99-Prozent-Initiative» genannt, verliert in der zweiten SRG-Umfrage deutlich an Unterstützung.
  • 57 Prozent der Befragten lehnen die Initiative zurzeit ab, nur noch 37 Prozent sind dafür.
  • Die Vorlage hat aufgrund der aktuellen Entwicklung nur noch wenig Chancen auf eine Annahme.

Eine Volksinitiative bei Volk und Ständen durchzubringen, ist eine schwierige Aufgabe. Mit dem Ja zum Verhüllungsverbot endete im März eine siebenjährige Durststrecke. Und auch bei der Initiative zur Kapitalbesteuerung verläuft der Trend nach bekanntem Muster: Anfängliche Sympathien schlagen zusehends in Skepsis um.

Herrschte noch vor einem Monat eine Patt-Situation, fallen die Mehrheitsverhältnisse nun klar zuungunsten der Initiative aus. Mit Blick auf den 26. September räumt Lukas Golder vom Institut gfs.bern, das die Umfrage im Auftrag der SRG SSR durchgeführt hat, der Vorlage kaum noch Chancen ein. Obwohl Sympathien für die Vorlage da seien, sei sie inhaltlich mehrheitlich durchgefallen.

Klar war von Beginn weg: Die Juso-Initiative muss bis tief in die Mitte der Gesellschaft überzeugen, um Chancen zu haben. Die Unterstützung aus dem links-grünen Lager wird nicht reichen. Doch schon bei der GLP erodiert der Zuspruch und mündet im bürgerlichen Lager in einem deutlichen Nein.

Golder spricht von einer ideologischen Abstimmung. Wodurch auch der Absender «Juso» zum Hindernis wird. «Vor allem aber ist es typisch, dass sich die Kritik im Mittelstand formiert», so Golder. Hier ist die Befürchtung verbreitet, dass man am Ende selbst die Zeche zahlen muss und nicht nur «die Reichen» zur Kasse gebeten werden.

Dass die Befürworter den vielbeschworenen «Kampf um den Mittelstand» verlieren dürften, belegen die nackten Zahlen: Verzeichnete die Initiative zunächst auch bei mittleren Einkommen hohe Sympathiewerte, unterstützen sie nun nur noch die tiefsten Einkommen.

Punkteten die Befürworter lange mit dem Argument, die Initiative würde den Wohlstand gerechter verteilen, treten nun andere Themen in den Vordergrund. Golder sagt es so: «Es gibt eine Verschiebung weg von der Gerechtigkeitsidee hin zu Problemen wirtschaftlicher Natur.»

Wunsch und Wirklichkeit

Konkret grassiert die Angst, dass eine Annahme der Initiative den Mittelstand und insbesondere die KMU treffen könnte. «Die KMU sind Teil der Schweizer Identität und machen viele Arbeitsplätze aus. Wenn man das Gefühl hat, diese werden angegriffen, neigt man sehr stark dazu, auf die Argumente der Gegnerschaft zu hören», so Golder.

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Golder: «KMU-Idee ist Teil der Schweizer Identität»
Aus News-Clip vom 14.09.2021.
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Die etwas abstrakte «Gerechtigkeitsfrage» tritt also hinter Bedenken zurück, eine Annahme der Initiative würde sich gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Krisensituation negativ auswirken.

Einen Achtungserfolg holen sich die Jungsozialisten bei der jüngeren Generation. Die 18- bis 39-Jährigen wollen die Initiative am 26. September derzeit knapp annehmen (49 Prozent Ja, 45 Prozent Nein). Die mittlere (37 Prozent Ja, 58 Prozent Nein) und ältere Generation (29 Ja, 68 Prozent Nein) lässt sich für die Gerechtigkeitsfrage offensichtlich weniger erweichen.

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Golder: «Jüngere sind gegenüber der Idee offener»
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Golder erklärt den Zuspruch der Jungen auch mit ihrer finanziellen Situation. «Sie sind vielleicht auch noch nicht so von den Steuern betroffen und argumentieren weniger aus Sicht des Mittelstandes.» Doch auch bei ihnen würde die Zustimmung bröckeln. «Gerade auch wegen der Pandemie und der wirtschaftlichen Befürchtungen», schliesst der Politologe.   

Datenerhebung und Stichprobengrösse

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Die Umfrage ist im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 1. und 9. September 2021 durchgeführt worden. Insgesamt wurden die Antworten von 13’261 Stimmberechtigten für die Auswertung berücksichtigt.

Telefonisch befragt wurden 1206 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Die Interviews wurden per Festnetz und Handy durchgeführt.

Diese Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler beträgt ± 2.8 Prozentpunkte. Bei 1206 Befragten und einem Ergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47.2 und 52.8 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Online-Befragung

Zusätzlich wurden mehrere Tausend Personen online befragt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 12’055 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden. Die Online-Befragung wurde über die Webportale der SRG-Medien realisiert als sogenanntes Opt-in (Mitmachbefragung).

Diese Online-Stichprobenzusammenstellung erfolgte nicht zufällig und die resultierende Stichprobe ist nicht repräsentativ. Es haben beispielsweise weniger ältere Personen als jüngere an der Online-Umfrage teilgenommen und mehr Männer als Frauen.

Deshalb hat das Institut gfs.bern die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wurde mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt und so die Repräsentativität optimiert.

Die Aufteilung der Befragten insgesamt auf die Sprachregionen ist wie folgt: 9’635 Personen in der Deutschschweiz, 3’067 in der Romandie und 559 in der italienischsprachigen Schweiz.

Wie wird gefragt?

Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen werden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern hat zwei Umfragen zur Abstimmung vom 26. September 2021 durchgeführt. Die Autoren der Studie betonen, die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis, sondern eine Momentaufnahme zur Zeit der Befragung. Allerdings sind bei mindestens zwei Befragungen Aussagen über Trends möglich.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Website des Institutes gfs.bern.

Audio
«Ehe für alle» verliert leicht – Initiative Kapitalsteuerung vor Ablehnung
01:34 min, aus HeuteMorgen vom 15.09.2021.
abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.

Heute Morgen, 15.09.2021, 06 Uhr

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Schwyzer  (Michael Schwyzer)
    @SRF Sie haben wieder einmal versagt. Die Leute haben keine Ahnung, was genau das Thema ist, die ökonomische Bildung fehlt ja sogar bei den Bürger°innen mit Matura und Ihren Journalist°innen und dann kommt immer diese falsche Ausgewogenheit: Statt Expert°innen Themen und Standpunkte erklären zu lassen, gibt das SRF einfach beiden Seiten eine Plattform, ihre Behauptungen hinauszuposaunen. Ein guter ÖRR würde je mind. eine Expert°in mit entgegengesetzer Meinung auf Pro- und Kontra-Seite loslassen.
  • Kommentar von Dominik Baud  (Dominik Baud)
    Die 99% Abstimmung ist nur ein weiterer Schritt zum Ausbau des Sozialstaates. Es geht nicht mehr nur um Armut, die Initiative schliesst auch jene ein, die subventionierte Leistungen gar nicht nötig hätten. Wenn bürgerliche Wöhler und Parteien weiterhin in der noblen Gönnermentalität verharren und noch mehr Bürger vom Staat abhängig resp. profitieren, dann werden die linken Initiativen eine stabile Mehrheit bekommen. Es ist an den bürgerlichen Parteien, endlich eine Strategie zu entwickeln.
  • Kommentar von Klaus Albrecht  (notabene)
    Jedes mal das Selbe: wenn der Wirtschaft etwas nicht passt wird augenblicklich mit Arbeitsplatz und Existenzverlust gedroht .. jedes mal! Und jedes mal knickt das Stimmvolk ein! Wenn ein Konzern mit Riesenumsatz und mini Steuerlast (mit Briefkasten oder Minibüro) abwandert gehen weiss Gott entweder keine, oder nur eine handvoll Arbeitsplätze in der Schweiz verloren. Das schleckt keine Geiss weg! Das Thema ist und bleibt hier: Gerechtigkeit.