Ab in die Ferien ins Krisenland

Griechenland ist für Schweizerinnen und Schweizern ein beliebtes Reiseziel. In den letzten fünf Jahren ist die Anzahl Buchungen fast konstant geblieben, trotz politischer Wirren und Sorgen um ein Ausscheiden aus der Europäischen Union.

GR Schweizer Reisende nach Griechenland Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor

An Fristen und Drohungen im Poker um Griechenlands Zukunft ist sich die Allgemeinheit inzwischen gewöhnt. Man könnte auch sagen: Viele langweilt das stete Hin und Her sogar. So scheint auch der 30. Juni 2015 kein Datum zu sein, dass Schweizer Griechenland-Reisende speziell beachten. Obwohl Ende Juni Griechenland bankrott gehen könnte.

Buchungen steigen auch dieses Jahr

Als Folge könnten Bargeldbezüge schwierig werden. In Hotels könnte gestreikt, gebuchte Arrangements nicht mehr in ihrem ganzen Umfang geleistet werden, weil auch den Hoteliers das Geld fehlen würde.

Trotzdem buchen Schweizerinnen und Schweizer munter Griechenland-Reisen. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt die Zunahme sogar über zehn Prozent, heisst es beim Schweizer Reiseverband. Schon in den Jahren zuvor hat das schuldengeplagte Land stets tausende hiesige Touristen anlocken können (siehe Grafik oben).

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In Griechenland läuft der Tourismus

1:56 min, aus Tagesschau vom 20.6.2015

«Griechenland ist seit jeher eine Top-Destination der Schweizerinnen und Schweizer», sagt Walter Kunz. Die vielen Inseln böten etwas für jedermann; für Partygänger wie auch für Familien, so der Geschäftsführer des Reiseverbandes. Doch wer haftet, wenn der «Grexit» Tatsache wird?

Probleme sind Reisenden bekannt

«Wer nach Griechenland reist, sollte sich gewisser Risiken bewusst sein», sagt der Ombudsman der Schweizer Reisebranche, Franco V. Muff. Er vermittelt bei Rechtsstreitigkeiten zwischen den Kunden und den Reisebüros. Die Griechenland-Krise sei ja schon lange am schwelen. «Reisende, die dorthin reisen, können deshalb nicht geltend machen, dass sie von den Problemen im Land nichts wussten.»

«  Wer nach Griechenland reist, sollte sich gewisser Risiken bewusst sein. »

Franco V. Muff
Ombudsman der Schweizer Reisebranche

Muff rät den Reisenden, sie sollten sich bei Problemen und entstandenen Kosten mit ihrem Reisebüro in Verbindung setzen und sich nach ihrer Rückkehr beim Veranstalter melden. «Meine Erfahrung ist, dass sich diese oft kulant zeigen, auch wenn sie das nicht müssten.»

Griechenland «stabil»

Keine speziellen Warnhinweise hat bisher das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf seiner Webseite bei den Reisehinweisen zu Griechenland publiziert. Das EDA rät einzig, sich von Demonstrationen fernzuhalten.

«  Das Land ist stabil. »

Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)

Auch die Reiseveranstalter schätzen die Lage derzeit als problemlos ein, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur SDA zeigt. Hotelplan Suisse empfiehlt den Reisenden nach Griechenland einzig, genügend Bargeld mitzunehmen.