Afghanistan: Angriff auf neutrales IKRK

Ein Kommando von Selbstmordattentätern und Bewaffneten ist am Mittwoch ins Büro des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz IKRK im Osten Afganistans eingedrungen. Ein Wächter wurde getötet, ein IKRK-Mitarbeiter verletzt. Damit geht eine friedliche Ära für die Hilfsorganisation zu Ende.

Soldaten umzingeln nach dem Angriff das IKRK in Jalalabad.

Bildlegende: Soldaten umzingeln nach dem Angriff das IKRK in Jalalabad. Keystone

Schockiert und überrascht seien sie über den Angriff von gestern in Jalalabad, sagt Abdul Hassib Rahimi vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz IKRK in Kabul. «So etwas ist uns in den fast 30 Jahren, in denen wir in Afghanistan arbeiten noch nie passiert».

Neutrales IKRK

Das IKRK arbeitet als eine der ganz wenigen Organisationen seit 1987 ununterbrochen in Afghanistan. Die Mitarbeiter bewegen sich ohne bewaffneten Begleitschutz und relativ frei im Land. Das ist nur möglich, weil das IKRK strikt neutral ist und keinen Unterschied macht, welcher Partei ein Kriegsverletzer angehört.

Ein Taliban hat genauso das Anrecht im orthopädischen Zentrum der Organisation in Kabul eine Prothese zu holen, wie ein Zivilist, der auf eine Mine aus der Zeit der Sowjetbesatzung getreten ist.

Das wissen auch die Kriegsparteien und das war bislang der beste Schutz der Organisation vor Terrorangriffen. Nun wurde die Organisation selbst zur Zielscheibe eines Selbstmordkommandos. Das ist höchst beunruhigend.


IKRK-Anschlag in Afghanistan

1:46 min, aus HeuteMorgen vom 30.05.2013

Wer ist noch sicher?

Noch hat sich zwar niemand zum Anschlag bekannt, aber die Frage stellt sich: Wenn eine Organisation, die bislang von allen Kriegsparteien geschätzt wurde, angegriffen wird, wer ist dann noch sicher?

Beim Angriff wurde ein Wachmann getötet und ein IKRK-Mitarbeiter leicht verletzt. Das sei zwar schockierend, aber an der Strategie, der Organisation ändere das nichts, sagt Abdul Hassib Rahimi in Kabul: «Wir haben uns verpflichtet jenen zu helfen, die vom Konflikt betroffen sind. Das werden wir auch in Zukunft tun.» Einer Zukunft, die in Afghanistan mit viel Unsicherheit verbunden ist.

(basn;horm)