Ai Weiwei will Kunst und Politik nicht trennen

Anlässlich der Ausstellung von chinesischen Gegenwartskünstlern im Zentrum Paul Klee in Bern hat sich der chinesische Künstler Ai Weiwei zu seinen Werken und seiner politischen Aktivität geäussert. Im Interview mit der «Tagesschau» geht er mit seiner Heimat ins Gericht.

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Ai Weiwei im Interview mit der «Tagesschau» (englisch)

9:53 min, vom 28.4.2016

Der chinesische Polit-Aktivist Ai Weiwei ist einer der Künstler, der an der Kunstausstellung «Chinese Whispers» beteiligt ist. In einer Gemeinschaftsausstellung des Kunstmuseums Bern und des Zentrums Paul Klee in Bern sind Werke aus dem modernen China zu sehen.

Ai Weiwei sagte der «Tagesschau», warum seine Arbeit für China wichtig ist: «Es ist wichtig, dass meine Arbeit von Chinesen gesehen werden kann.» Seine Werke würden in Honkong gezeigt und das sei so nah zu China wie nur möglich. «Es ist sehr positiv, dass in Hongkong ein Museum für zeitgenössische Kunst entsteht. In China selbst gibt es das nicht.» Auch das Wissen über zeitgenössische Kunst sei in China sehr beschränkt.

Ai Weiwei glaubt an die Offenheit der Gesellschaft

In der Kunst gehe es um Ausdruck und Kommunikation, auch wenn es manchmal sehr schwierig sei, sagte Ai Weiwei. Es sei mehr Kommunikation nötig, wenn man in einem politsch angespannten Umfeld agiere. Als ehemalige britische Kolonie sei Hongkong ein wenig demokratischer als China. Und hier werde die Kommunikation mit den Ausstellungsbesuchern besser sein.

Ai Weiwei im Porträt an einem Pult.

Bildlegende: Zu Besuch in Bern: Der chinesische Künstler Ai Weiwei äussert sich zur politischen Lage in seinem Heimatland. Keystone / Archiv

«Ich glaube immer an die Offenheit, welche das Fundament für Fairness und Gerechtigkeit ist», erklärte der Polit-Aktivist weiter. Das sei vor allem für eine Gesellschaft wie in China wichtig, in der manches geschehe, weil die Gesellschaft nicht transparent sei.

Lebensversicherung Internet

Das Internet ermögliche ihm, jedes Thema offen zu diskutieren und es ins Scheinwerferlicht zu stellen. Zudem sieht er das Internet als eine Art Lebensversicherung: «Wenn mir etwas geschehen würde, dann wüsste es die Öffentlichkeit dank dem Internet.» China sei leider immer noch kein sicherer Ort für Menschen wie ihn, die offen über sozialpolitische Themen diskutieren wollten.

Kunst und Politik kann nicht getrennt werden

Die Flüchtlingskrise bewegt den chinesischen Künstler: «Es ist eine humanitäre Krise, welche zurzeit geschieht und viele betrifft. Involviert sind auch verschiedene Politiker und Staaten. Wir müssen hinschauen.» Das Thema beschäftige ihn sehr und daher sei er nach Idomeni gereist, damit er die sozio-politischen Zusammenhänge im Nahen Osten aber auch in Europa verstehe.

Seine Kunst könne nicht von seiner politischen Aktivität getrennt werden, meinte Ai Weiwei. «Politische Entscheide sind immer ein Teil eines moralischen Urteils und Teil unserer Philosophie. Und das kann man nie von der Kunst trennen.»

«  Die Gefahr ist immer da. »

Ai Weiwei
Chinesischer Künstler und Polit-Aktivist

Ai Weiwei sieht sich als Künstler in China. Er habe dort immer noch ein Studio und zahlreiche Projekte am Laufen. Das Land sei immer noch eine seiner Wirkungsstätten. Zurzeit möchte er aber eine unmittelbare Gefährdung von sich selbst verhindern und bleibe daher seinem Heimatland fern. «Viele meiner Kollegen sind im Gefängnis. Die Gefahr ist immer da.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Ai Weiwei in Bern

    Aus Tagesschau vom 27.4.2016

    Der bekannte chinesische Gegenwartskünstler und Politaktivist Ai Weiwei hat im Berner «Zentrum Paul Klee» sein eigenes Kunstwerk betrachtet. Im Interview erklärt er sich und seine Provokationen.