Anschlag auf UNO trifft Somalia in kritischer Phase

Rückschlag für das nach Frieden dürstende Somalia: Ein Angriff der Al-Schabaab-Milizen auf ein UNO-Gebäude in der Hauptstadt Mogadischu hat 18 Tote gefordert. Erneut droht Bürgerkrieg, wenn die zentralistische Regierung so weitermacht, wie Somalia-Experte Marc Engelhardt gegenüber SRF erklärt.

UNO-Hauptquartier in Mogadischu nach Anschlag der Al-Schabaab-Milizen.

Bildlegende: Mogadischu:Soldaten der Afrikanischen Union (AU) umstellen den UNO-Komplex nach einem Anschlag der Al-Schabaab-Milizen. Keystone

Die Al-Schabaab-Milizen in Somalia haben sich nach Monaten der Ruhe mit einem Anschlag zurückgemeldet. Ziel war das Büro des UNO-Entwicklungsprogramms (UNDP) in der Hauptstadt Mogadischu. Die Milizen bekannten sich über Twitter zur Tat.

Beim schwersten Anschlag seit Jahren wurden auf dem Gelände in der Nähe des Flughafens 18 Menschen getötet. Laut Regierung handelt es sich um je vier ausländische und somalische UNO-Sicherheitsleute, drei somalische Zivilisten und sieben Angreifer. Letztere waren nach dem Selbstmordanschlag in Militäruniformen ins Gebäude eingedrungen. Dort lieferten sie sich mit UNDP-Sicherheitsleuten eine Schiesserei. Regierungstruppen und Soldaten der Afrikanischen Union brachten den Komplex schliesslich wieder unter ihre Kontrolle.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und der UNO-Sicherheitsrat verurteilten den Angriff scharf. Sie wollen Somalia weiter in Richtung Frieden und Stabilität unterstützen.

Hoffnungen erschüttert

Der Anschlag treffe Somalia hart, sei das Land doch nach 20 Jahren Bürgerkrieg in einer Art Aufbauphase, erklärt der freie Journalist und langjährige Afrika-Korrespondent Marc Engelhardt gegenüber SRF. Dies zeige sich an neuen Geschäften und Hotels in Mogadischu. Aber auch an den zahlreichen Exilanten, die in letzter Zeit zurückgekehrt seien, um an einer Zukunft für Somalia zu arbeiten.

Die Al-Schabaab-Milizen hätten mit dem Anschlag nun erneut die Grenzen aufgezeigt und klar gemacht, dass sie jederzeit für Unfrieden sorgen können. Damit seien auch die Hoffnungen von internationaler Seite in den letzten Monaten erschüttert worden.

Drohungen während Monaten

Überraschend sei der Anschlag in der schwer zu kontrollierenden Hauptstadt allerdings nicht gekommen. Die Milizen hätten wiederholt entsprechende Gerüchte gestreut. Mit den Vereinten Nationen und den afrikanischen Friedenstruppen seien nun jene Elemente getroffen worden, die in letzter Zeit für Ruhe gesorgt hätten und die derzeitige Übergangsregierung unterstützten.

Steht Somalia erneut vor einem Bürgerkrieg?

Diese Regierung versuche seit einem Jahr, die Macht zu konzentrieren und einen Zentralstaat aufzubauen. Ein solch ausschliesslicher Machtanspruch werde von den Warlords ausserhalb von Mogadischu nicht toleriert. Dies hätten die Bürgerkriege in den letzten 20 Jahren immer wieder gezeigt. Nun sei es wieder soweit. Es drohe erneut eine Eskalation, wenn sich die Regierung nicht stark öffne und von ihrem Kurs abrücke.

Engelhardt erinnert, dass die Al-Schabaab nie besiegt worden sei, sondern sich nur zurückgezogen habe. Sie habe nur auf die Gelegenheit gewartet und mit der wachsenden Unzufriedenheit über die Regierung im Volk spekuliert.