Anschlag in Bangkok: Tatverdächtiger wieder auf freiem Fuss

Der Bangkok-Bomber hatte möglicherweise eine Komplizin: Die Polizei fahndet nach einer jungen Frau. Derweil hat sich einer der Tatverdächtigen gestellt. Er wurde wieder freigelassen.

Ein thailändischer Polizist spricht mit einem Touristen

Bildlegende: Die Polizei fahndet nach einer jungen Frau, die möglicherweise eine Komplizin des Bombenlegers ist. Reuters

Nach dem Bombenanschlag in Bangkok hat sich einer der Verdächtigen der Polizei gestellt. Der Thailänder habe glaubhaft versichert, Fremdenführer zu sein, sagte ein Polizeisprecher. Er wurde freigelassen.

Ein zweiter Verdächtiger sei ebenfalls aus der Fahndung genommen worden. Es handle sich um einen chinesischen Touristen, der schon abgereist ist. Die Männer waren kurz vor der Detonation am Montag am Tatort ganz in der Nähe des Hauptverdächtigen gesehen worden und hatten sich nach erstem Augenschein auffällig benommen.

Wohl keine Verbindungen zu internationalem Terror

Früher am Tag hatte die Polizei den Kreis der Verdächtigen ausgeweitet. «Wir fahnden auch nach einer jungen Frau», sagte ein Polizeisprecher. Sie könnte demnach mit dem Hauptverdächtigen, der einen Rucksack am Tatort deponiert hatte, unter einer Decke stecken. Die Ermittler gehen inzwischen von mindestens zehn Tätern aus, sehen aber keine Verbindungen zu internationalen Terrorgruppen, wie der Polizeichef nach Konsultationen mit verbündeten Geheimdiensten mitteilte.

Die junge Frau in kurzem schwarzen Kleid ist auf demselben Video einer Überwachungskamera zu sehen, das schon andere Verdächtige ins Visier der Polizei gerückt hatte. So wie zwei Männer scheint auch sie den Hauptverdächtigen, der seinen Rucksack an einer Sitzbank abstellt, vor Blicken abschirmen zu wollen.


«Der Täter hat offenbar nicht allein gehandelt»

4:47 min, aus SRF 4 News aktuell vom 20.08.2015

Allerdings ist die Polizei zumindest bei einem der beiden Verdächtigen zum Schluss gekommen, dass er mit der Tat nichts zu tun hat. Vom Mann mit dem Rucksack hingegen fehlt trotz Fahndungsfotos jede Spur.

Er sei womöglich schon ausser Landes, sagte der Polizeisprecher. Ob die Fotos überprüft wurden, die an den Flughäfen von allen Abreisenden gemacht werden, wusste er nicht zu sagen. Das auf Grundlage der Videoaufnahmen am Computer hergestellte Fahndungsfoto des Mannes bildet dessen Gesichtszüge allerdings auch so grob ab, dass gleich mehrere Thailänder darauf Ähnlichkeiten mit Bekannten sahen.

Polizei befragt Moped-Taxifahrer

Der Mann mit dem Rucksack war mit einem dreirädrigen Mopedgefährt zum Tatort gefahren, wie ein neues Video zeigt. Ob dessen bei der Polizei vorstellig gewordener Fahrer wertvolle Hinweise geben konnte, blieb zunächst offen. Ein anderer Mopedtaxi-Fahrer, der den Mann vom Tatort fortgefahren hatte, sagte Reportern, der Verdächtige habe in einer fremden Sprache Handy-Gespräche geführt.

Wer hinter dem Bombenanschlag stecken könnte, liegt weiterhin im Dunkeln. Einem Gerücht trat die Polizei aber entgegen: «Wir kommen zu dem Schluss, dass der Anschlag nicht auf Chinesen zielte», sagte eine Polizeisprecherin, die die Ansage eigens auf Englisch vor Kameras verlas. Diese Theorie kursierte, weil Thailand im Juli mehr als 100 illegal eingereiste, in ihrem Heimatland China verfolgte muslimische Uiguren zurück in die Volksrepublik abgeschoben hatte.

Bombe explodierte im Wasser

Auch im Fall einer zweiten Bombe gingen die Ermittlungen weiter, versicherte der Polizeisprecher. Am Dienstag soll ein Unbekannter an einem bei Touristen populären Bootsanleger eine Rohrbombe eingesetzt haben, die aber ins Wasser fiel und dort detonierte, ohne dass jemand zu Schaden kam. Bombenexperten machten dort Tests mit kleinen Sprengsätzen, um etwa Erkenntnisse über den Wurfwinkel des Geschosses zu gewinnen.