Assad sendet Lebenszeichen aus der Todeszone

Die Lage der Flüchtlinge in Syriens verschärft sich zusehends. Internationale Organisationen kommen mit der Hilfe für Millionen Betroffene kaum nach. Machthaber Assad hat derweil in einem Interview die türkische Führung scharf attackiert.

Ein Wandbild von Assad mit Einschlusslöchern

Bildlegende: Unter Beschuss und doch am Leben: Nach Gerüchten um seinen Tod hat sich Syriens Präsident Assad jetzt in einem TV-Int... Reuters

Internationale Flüchtlingsorganisationen schlagen Alarm: Die Zahl der Notleidenden in Syrien wächst dramatisch an und liegt inzwischen bei rund vier Millionen, wie eine Sprecherin des Flüchtlingskommissariat UNHCR am Freitag in Beirut sagte. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) warnte vor einer Katastrophe.

Flüchtlingszelte mit der Aufschrift UNHCR

Bildlegende: Die UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der UNO, spricht mittlerweile von vier Millionen syrischen Flüchtlingen (hier ein... Reuters

Assad attackiert Türkei

Syriens Präsident Baschar al-Assad gab derweil türkischen Medien ein seltenes Interview - wenige Tage nachdem Oppositionelle über seinen Tod spekuliert hatten. Der syrische Machthaber griff darin den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan mit scharfen Worten an.

Erdogan gebe vor, Lösungen im Syrienkonflikt vorzuschlagen, und unterstütze gleichzeitig bewaffnete Gruppen, sagte Assad in dem Interview des türkischen Fernsehsenders Ulusal.

«Idioten und unreife Führer»

Die Folge einer Machtübernahme durch «Terroristen» wäre ein «Domino-Effekt», der die gesamte Region «für viele Jahre, sogar Jahrzehnte» destabilisieren würde, sagte Assad weiter. «Das Feuer wird auf die Türkei übergreifen, leider sieht er (Erdogan) nicht die Realität hier», so Syriens Machthaber.

Er warf dem türkischen Regierungschef vor, zusammen mit Israel daran zu arbeiten, «Syrien zu zerstören», aber das «syrische Volk hat sich widersetzt». «Wir können Idioten, unreifen Führern nicht erlauben, die Beziehungen zu zerstören» zwischen Türken und Arabern.

Putin kritisiert Waffenlieferungen - nicht die eigenen

Russlands Präsident Wladimir Putin forderte einen Stopp aller Waffenlieferungen an die syrische Opposition. In einem am Freitag veröffentlichten Interview der ARD verwies er auf einen Zeitungsbericht, nach dem die Oppositionstruppen im syrischen Bürgerkrieg in letzter Zeit mit 3500 Tonnen Munition und Rüstungsgütern versorgt worden sind. «Das muss gestoppt werden», sagte er kurz vor seinem Deutschland-Besuch. «Es gibt doch völkerrechtliche Normen, nach deren Massgabe Waffenlieferungen an die Gruppierungen, die die Situation in dem einen oder dem anderem Land auf bewaffnetem Wege destabilisieren wollen, unzulässig sind.»

Russlands Präsident Putin

Bildlegende: Russlands Präsident Putin verteidigt eigene Waffenlieferungen nach Syrien - und verlangt ein Verbot für die Lieferung... Reuters

Die russischen Waffenlieferungen an das Regime von Assad verteidigte Putin dagegen: «Es gibt keine Verbote für Waffenlieferungen an die amtierenden legitimen Regierungen.» Russland zählt zu den wichtigsten Waffenlieferanten des Assad-Regimes.

Vielerorts in Lebensgefahr

Nach UNHCR-Angaben sind in den Nachbarländern Syriens und in Ägypten inzwischen mehr als 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge registriert. Damit wäre inzwischen mindestens ein Viertel von gut 20 Millionen Syrern, die zuletzt im Land lebten, auf der Flucht.

In Syrien befinden sie sich vielerorts in Lebensgefahr - denn die Kämpfe dauerten vor allem im Grossraum Damaskus auch am Freitag mit unverminderter Heftigkeit an. Bis zum Mittag kamen nach Angaben von Aktivisten mindestens 21 Menschen ums Leben, am Vortag waren es mehr als 150.

Helfern fehlt es an Hilfe

Den Helfern fehlt es indes weiter an finanziellen Mitteln. Von den benötigten Geldern in Höhe von rund 800'000 Euro sei erst ein knappes Drittel eingegangen, resümierte die UNHCR noch Mitte März.

Dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz zufolge können viele notleidende Syrer inzwischen nur noch durch internationale Hilfslieferungen überleben. «Das Ausbleiben solch humanitärer Unterstützung könnte für einige Hunderttausend Menschen quer durch Syrien katastrophale Folgen haben», warnte der für Nothilfeoperationen in dem Land zuständige IKRK-Vertreter Jeroen Carrin.

Italienische Reporter entführt

Vier italienische Journalisten sind im Norden Syriens entführt worden. Das italienische Aussenministerium in Rom setzte einen Krisenstab ein, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Freitag berichtete. Die Sicherheit der Entführten habe «höchste Priorität», zitierte Ansa das Ministerium.

Nach Informationen der Webseite der Zeitung «La Repubblica» handelt es sich bei den verschleppten Journalisten um eine Reporterin des Fernsehsenders RAI sowie um drei freie Journalisten.