Atom-Deal: Kerry wirbt für Atomabkommen mit Iran

Der US-Aussenminister hat sich in Doha bemüht, die Bedenken über das nukleare Abkommen mit Teheran zu zerstreuen. Sein Erfolg erscheint indes zwiespältig: Zwar hat Kerry die arabischen Partner so weit gebracht, dass sie das Abkommen begrüssen. Doch die USA hat dafür einen hohen Preis bezahlt.

Die Golfstaaten befürchten, der Iran könnte nach dem Atom-Deal weiteren Einfluss in der arabischen Welt gewinnen. Bei seinem Besuch in Doha konnte US-Aussenminister Kerry die Verbündeten beruhigen – ein wenig zumindest.

USA will Zusammenarbeit mit arabischen Verbündeten verstärken

Die arabischen Golfstaaten haben nach anfänglicher Skepsis das Atomabkommen mit dem Iran begrüsst, aber eine vollständige Umsetzung verlangt. Zugleich äusserten die Mitglieder des Golf-Kooperationsrates (GCC) die Sorge, dass der Iran seinen Einfluss in der Region weiter ausbauen könnte. Zum Golf-Kooperationsrat gehören Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

US-Aussenminister Kerry.

Bildlegende: Das Abkommen trägt zur Sicherheit in der Region bei, sagt US-Aussenminister Kerry. Keystone

US-Aussenminister John Kerry versprach den arabischen Verbündeten in Katars Hauptstadt die militärische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit auszubauen, um einer Destabilisierung der Region vorzubeugen.

Zusammenarbeit der Geheimdienste

Dabei geht es nach den Worten von Kerry beispielsweise um ein gemeinsames Training von Sondereinheiten oder den Austausch von Geheimdienstinformationen. Auch den Kampf gegen Extremisten wolle man weiter gemeinsam führen.

Die Minister seien sich einig, dass das Atomabkommen, sobald es vollständig umgesetzt sei, auf lange Sicht zur Sicherheit in der Region beitragen werde, sagte Kerry. «Unser Ziel ist es, dieses Abkommen vollständig umzusetzen und darauf zu hoffen, dass sich das Verhalten des Irans bessert.»

USA zahlt einen hohen Preis

Der Preis, den die USA für die Billigung des Atomabkommens durch die Golfstaaten zahlen, ist laut SRF-Korrespondent Fredy Gsteiger hoch. Die USA sehen sich gezwungen, «noch engere Bande mit den feudalistischen und zunehmend aus der Zeit gefallenen Golfherrschern einzugehen.»

Für die amerikanische Aussenpolitik stelle dies ein Risiko dar, das sich erst dann vollumfänglich zeige, «wenn deren Regime dereinst zu wackeln beginnen».

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Besonders alarmierend ist die Zunahme der Hinrichtungen in Iran: 2014 wurde ein Zwölfjahresrekord erreicht, 2015 steigt die Zahl weiter. Allein im ersten Halbjahr wurde die Todesstrafe an 694 Menschen vollstreckt.  Bild: Proteste von Exil-Iranern.

    Ein Dorn im Auge der iranischen Machthaber

    Aus Echo der Zeit vom 3.8.2015

    Seit Iran das Atomabkommen unterzeichnet hat, ist die Kritik am Regime in Teheran zwar leiser geworden. Achmed Shaheed, Uno-Sonderberichterstatter für Iran, weist hartnäckig darauf hin, dass die Menschenrechtsverletzungen im Land weiterhin an der Tagesordnung sind.

    Die Machthaber in Teheran wollen ihn deshalb mit einer raffinierten Kampagne zum Verstummen bringen.

    Fredy Gsteiger