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Ankara schiesst nach Ausschluss bei Kampfjet-Programm zurück
Aus SRF 4 News aktuell vom 18.07.2019.
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Ausschluss aus F-35-Programm «Was die F-35 angeht, ist wohl nichts mehr zu retten»

Weil die Türkei trotz scharfer Kritik seitens der USA ein russisches Raketenabwehrsystem gekauft hat, wurde sie nun aus dem gemeinsamen Kampfjet-Programm F-35 ausgeschlossen. Warum hat der türkische Präsident alle Warnungen in den Wind geschlagen? Weil Russland der bessere Handelspartner sei, schildert Thomas Seibert.

Thomas Seibert

Thomas Seibert

Freier Journalist

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Thomas Seibert ist seit 22 Jahren Korrespondent für den deutschen «Tagesspiegel» in Istanbul und berichtet auch für andere Medien, unter anderem für Radio SRF. Vor kurzem musste er Istanbul verlassen, weil ihm die Türkei keine Arbeitserlaubnis mehr ausstellen wollte. Etwas später erhielt er wieder eine Akkreditierung.

SRF News: Was gibt es für Reaktionen aus Ankara?

Thomas Seibert: Von Regierungsseite gibt es bisher keine offiziellen weiteren Reaktionen. In den sozialen Medien wird der Fall heftig diskutiert. Für gehörigen Ärger sorgt die Tatsache, dass ein Teil der Flugzeuge, die eigentlich an die Türkei gehen sollten, nun ausgerechnet an den regionalen Rivalen Griechenland geliefert werden sollen.

Was bedeutet es für die Türkei, dass sie nun nicht mehr bei diesem Kampfjet-Programm dabei ist?

Zum einen dürften die Spannungen zwischen den USA und der Türkei in Syrien weiter eskalieren. Die Türkei droht damit, in den Teil Syriens einzumarschieren, in dem US-Soldaten stationiert sind. Andererseits will die Türkei ungefähr eine Milliarde Dollar von den USA zurückfordern – das Geld, das sie in das Projekt des F-35 investiert hat. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat schon verkündet, wenn sich die USA weigern sollten, das Geld zurückzuzahlen, komme das Strassenraub gleich.

Die Türkei hielt trotz Kritik der USA am Kauf des russischen Raketenabwehrsystems fest. Musste sie nicht damit rechnen, dass das Folgen hat?

Viele Politiker und Experten haben die Regierung in Ankara davor gewarnt. Ein Grund, weshalb Erdogan diese Warnungen in den Wind geschlagen hat, war seine Überzeugung, dass er sich auf ein Versprechen von US-Präsident Donald Trump verlassen könne. Laut Erdogan hat Trump ihm zugesagt, es werde wegen dieses Kaufs keine Sanktionen gegen die Türkei geben.

Die Türkei muss nun auch mit Wirtschafssanktionen der USA rechnen.

Die amerikanische Regierung hat allerdings immer wieder erklärt: Egal, was Trump in bilateralen Gesprächen zugesagt hat, es bleibe dabei, dass die Türkei aus dem F-35-Programm hinausgeworfen werden würde. Nun muss die Türkei auch mit Wirtschaftssanktionen der USA rechnen.

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Am Freitag ist die erste S-400-Lieferung in der Türkei angekommen
Aus Tagesschau vom 12.07.2019.
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Warum beharrt die Türkei so fest auf diesem Raketenabwehrsystem aus Russland?

Mit Nachbarn wie Syrien, Iran oder Irak ist der Bedarf der Türkei an einem solchen System unbestritten. Die türkische Position lautet, man habe sich auch um das amerikanische System «Patriot» bemüht, aber das sei zu teuer gewesen.

Ausserdem lehnten die USA einen Technologie-Transfer an die Türkei ab. Die Russen haben damit kein Problem; sie liefern auch die Technologie mit, was der Türkei erlaubt, die eigene Rüstungsindustrie weiter aufzubauen. Das Nachfolgemodell S-500 soll nun sogar von Russland und der Türkei gemeinsam entwickelt werden.

Wie geht es nun weiter?

Es wird eine hitzige Auseinandersetzung geben. Dahinter steckt die breitere Diskussion im Westen darüber, ob sich die Türkei weiter von ihren traditionellen Partnern in Europa und Amerika ab- und Russland zuwendet. Dieser Trend wird weitergehen. Eine Möglichkeit ist etwa, dass die Türkei in Russland moderne Kampfjets kaufen wird. Das wird den Riss zwischen der Türkei und dem Rest der Nato weiter vertiefen.

Wir gehen turbulenten Zeiten entgegen, was das türkisch-amerikanische Verhältnis angeht.

Was die F-35 angeht, ist wohl nichts mehr zu retten. Beide Seiten werden jetzt versuchen, auf anderen Gebieten möglichst eng zusammenzuarbeiten. Die grundverschiedenen Interessen von der Türkei und der USA etwa in Syrien werden das sehr schwierig machen. Wir gehen turbulenten Zeiten entgegen, was das türkisch-amerikanische Verhältnis angeht.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Bernhard Meyer  (Bernhard Meyer)
    Ich finde es gut, dass endlich einmal ein Politiker den USA die Stirne bietet. Die Europäer hätten das schon lange tun sollen, statt einfach überhöhte Bussen zu Akzeptieren und Embargos blindlings zu befolgen.
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  • Kommentar von Alexander Ognjenovic  (Alex)
    Ich hoffe Russland und China werden es schaffen die Türkei dazu zu zwingen Länder wie Griechenland, Serbien, Armenien, Syrien, Irak, Zypern usw.... in Ruhe zu lassen! Mir ist bewusst dass der Umgang mit der Türkei nicht einfach ist da es immer welche von der Sorte gibt die mit Gewalt das grosstürkische Imperium wieder herstellen wollen! Es wäre nur fair von russischer Seite wenn Russland Länder wie Griechenland, Serbien, Armenien usw.... genauso aufrüsten würde zur Selbstverteidigung!
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  • Kommentar von Peter Frey  (pfrey)
    @WG.
    verstehe zwar den Groll gegenüber NATO, EU etc. Aber bevor man in das Bashing gegen die Institutionen einstimmt, empfehle ich sehr das Buch der ehem Aussenministerin Madeleine Allbrght. Faschismus. Titel ist fraglich. Der interessantere Teil ist die Geschichte im Balkan etc. von jemandem, der bei Verhandlungen dabei war. Dann erkennt man, dass die Alternative von NATO, EU etc. zerschlagen viel schlechter ist, als die häufig nicht sehr erfolgreichen Institutionen wo mögl. zu verbessern
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    1. Antwort von S. Petrovic  (S.Petrovic)
      Alternative von NATO ist FRIEDEN! Nicht Profit durch Waffen sondern Frieden.
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