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Terror in Spanien Autos statt Bomben

London, Berlin, Nizza und nun Barcelona: Seit zwei Jahren häufen sich Amokfahrten markant. Warum?

Legende: Audio «Amokfahrten sind für Terroristen attraktiv geworden» abspielen. Laufzeit 09:16 Minuten.
09:16 min, aus SRF 4 News aktuell vom 18.08.2017.

13 Menschen sterben, viele weitere sind schwer verletzt. Erneut sind Terroristen mit Autos in Menschenmengen gerast. Diesmal in Barcelona. Das Phänomen Fahrzeugterrorismus ist nicht neu. Aber die Fälle haben in den letzten zwei Jahren markant zugenommen.

Warum diese Häufung von Auto-Anschlägen?

Amokfahrten seien Teil der Strategie der Terrormiliz IS, wie Terrorismusexperte und Sicherheitsberater Malte Roschinski sagt.

Porträtaufnahme von Roschinski
Legende: Malte Roschinski hat Konfliktforschung studiert und berät heute vor allem NGO in Sicherheitsfragen. ZVG

Durch Massnahmen der Sicherheitsbehörden sei es schwerer geworden, etwa an Sprengstoff und Schusswaffen zu kommen. «Die Beschaffung solcher Tatmittel erregt immer Aufmerksamkeit. Das macht eine terroristische Planung verwundbar.»

Deshalb habe der IS seine Anhänger auch dazu aufgerufen, für Anschläge einfachere Mittel, wie Fahrzeuge, Messer oder Hiebwaffen einzusetzen. «Das verspricht auch eine grosse mediale Aufmerksamkeit – und ohne Verbreitung dieser Schreckensbilder funktioniert Terrorismus nicht», betont Roschinski.

Zerstörung des Sicherheitsgefühls

Ziel der Terroristen sind nicht nur möglichst viele Tote. Es geht dem IS auch darum, das Sicherheitsgefühl der Menschen zu zerstören. Wenn alltägliche Dinge wie Autos als Tatwaffen eingesetzt werden, verbreitet das Angst und Schrecken. «Das bedeutet, dass es für eine Reihe von Tätergruppen attraktiv geworden ist, dieses taktische Mittel zu verwenden», so Sicherheitsexperte Roschinski.

Psychischer Widerstand statt Wegsperren

Durchfahrtssperren aufzustellen, sei zwar wichtig, um das Sicherheitsgefühl der Menschen wieder herzustellen, sagt Roschinski. «Allerdings besteht bei solchen Dingen auch immer die Gefahr, dass sich Terroristen andere taktische Mittel suchen. Terrorismus ist sehr anpassungsfähig.»

Für ebenso wichtig hält es der Terrorexperte aber Ansätze, die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit zu stärken und sich zu fragen: Wie gehen wir mit Angst um? Wie vermeiden wir als Gesellschaften, dass Terroristen uns die Lebensweise diktieren? «Das sind Ansätze, die langfristige psychologische und wirtschaftliche Schäden minimieren oder zumindest im Rahmen halten.»

Die Anschläge mit Autos im letzten Jahr

Nizza, Juli 2016

Forensiker untersuchen den weissen LKW des Täters. Die Windschutzscheibe zeigt mehrere Einschusslöcher.
Legende: Getty Images

Tausende finden sich an der Promenade des Anglais ein, um das Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag zu bestaunen. Dann steuert ein tunesischer Terrorist einen Lastwagen in die Menschenmenge. 86 Menschen sterben, über 400 werden verletzt. Der IS bekennt sich zur Tat.

Berlin, Dezember 2016

Unter einem grossen, schwarzen LKW hinter Polizeiabsperrungen schauen umgerissene Weihnachtsbäume hervor.
Legende: Getty Images

In fünf Tagen ist Heiligabend. Am Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche herrscht geschäftiges Treiben. Ein tunesischer Terrorist rast mit einem Lastwagen durch den Markt und tötet zwölf Menschen, über 40 weitere werden verletzt. Der IS bekennt sich zur Tat.

London, März 2017

Zwei weiss gekleidete Forensiker gehen über die abgesperrte Brücke. Hinter ihnen das gelbe Warnplakat.
Legende: Getty Images

Ein zum Islam konvertierter 52-jähriger Mann fährt mit seinem Auto Fussgänger auf der Westminster-Brücke an. Danach rast er auf das Gelände des britischen Parlaments und ersticht einen unbewaffnete Polizisten. Insgesamt sterben fünf Menschen. Der Täter selbst wird von der Polizei erschossen. Der IS erklärt, es sei seine Tat gewesen.

Stockholm, April 2017

Aus dem ins Gebäude gerasten Lastwagen steigt Rauch.
Legende: Reuters

Ein mutmasslicher IS-Anhänger kapert einen Lastwagen und rast damit in einer belebten Einkaufsstrasse erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus. Fünf Menschen werden getötet, 15 verletzt. Die Polizei nimmt einen Usbeken unter Terrorverdacht fest.

London, Juni

Menschen fliehen durch das Borough-Viertel, als die Attentäter mit Messern um sich stechen.
Legende: Keystone

Drei Attentäter rasen mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge auf der London Bridge und fahren weiter ins Ausgeviertel rund um den Borough Market, wo sie mit Messern auf Menschen einstechen. Sie töten sieben Menschen und verletzten Dutzende, bevor die Polizei sie erschiesst.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Schlussendlich dürfte sich das System Duterte als einziges, wirklich wirksames Gegen- mittel durchsetzen.Brutalität der Art,gezielt Unschuldige zu massakrieren,kann nicht mit Liebe und Verständnis,noch schlimmer,mit Anpassung beantwortet werden.
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  • Kommentar von L. Leuenberger (L.L.)
    Wir sind keine freie Gesellschaft mehr. Seit 2001 haben wir eine möchte gerne starke EU,die seit dem Lissaboner-Vertrag fast alle Macht nach Brüssel gezogen hat. Im Gegensatz haben wir seitdem immer schwächer werdende europäische Staaten, deren Regierungen vielfach verzweifelt versuhen, die Entscheide Brüssels ihren Bürgern zu erklären.Die Freiheit,die wir beim erkunden Europas hatten, können sich unsere Nachkommen nur erträumen.Die Migrationspolitik der EU bringt Europa in Gefahr. Korrigieren.
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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Terrorismus ohne Waffen kann weder durch die Armee noch die Polizei gestoppt und verhindert werden! Es ist eine primitive aber äusserst effiziente Strategie von Terrorismus gegen eine freie Gesellschaft, welche ihre Freiheit vielleicht schon als zu selbstverständlich betrachtet und vergessen hat, dass es Milliarden von Verlierer auf dieser Erde gibt, welche das Gefühl haben, Nichts zu verlieren zu haben. Ich sympatisiere keinenfalls mit Terroristen, bin mir aber dessen Komplexizität bewusst.
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    1. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      freie Gesellschaft? ich würde eher sagen wertefreie Gesellschaft, und dort liegt wohl das grosse Problem, dass wir so verletzlich sind. Ansonsten teile ihre Ansicht Herr Balli
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