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International «Bagdad erwartet im Ramadan ISIS-Angriffe»

Im Irak startet die Armee eine Grossoffensive gegen Isis. Wer die Oberhand hat, ist unklar. Der freischaffende Nahost-Korrespondent Alfred Hackensberger erklärt die aktuelle Situation im Irak.

Schiiten in Bagdad beim Gebet.
Legende: Hackensberger: «Mit einer politischen Lösung könnte die Situation im Irak entschärft werden.» Keystone

Echo der Zeit: Was weiss man in der irakischen Hauptstadt über die Kämpfe in Tikrit?

Alfred Hackensberger: Vonseiten der Armee ist man zuversichtlich und spricht von heroischen Taten. Man will die Reputation der Armee aufbessern, nachdem Soldaten in Mosul zu tausenden davongelaufen sind. Aber tatsächlich gehen die Kämpfe in Tikrit noch weiter. Wahrscheinlich wird erst in den Aussenbezirken gekämpft. Aber sicherlich sind einige Teile der Stadt noch immer in der Hand von Isis.

Sie selber sind seit ein paar Tagen in Bagdad. Was ist eigentlich dort vom Konflikt zu spüren?

Es hat sehr viele Militärangehörige in der Stadt. Und es gibt viele Checkpoints. Ansonsten ist es ein vollkommen normales Bild in Bagdad. Heute hat der Ramadan für die Sunniten begonnen. Morgen startet der Fastenmonat für die Schiiten. Alle erwarten hier in Bagdad, dass die radikalen Islamisten im Ramadan Attacken machen werden. Man rüstet sich auf in den schiitischen Bezirken gegen Isis und die anderen Rebellen. In Sadr City ist man einsatzbereit und wartet nur noch auf den Befehl des Führers. In den sunnitischen Vierteln ist es ein wenig anders: Dort würden sich die meisten Menschen freuen, von den Isis und den Rebellen befreit zu werden. Die Sunniten beschweren sich, dass die schiitischen Milizen Leute ins Auto zerren und – wenn sie Glück haben – zwei Tage später vollkommen malträtiert wieder auf die Strasse werfen.

Am Dienstag soll sich in Bagdad das neu gewählte Parlament treffen und eine neue Regierung bestimmen. Könnte das die Situation entschärfen?

Mit einer politischen Lösung könnte die Situation sicherlich entschärft werden. Man spricht ja mittlerweile davon, dass der Irak dreigeteilt wird. In drei autonome Zonen: In einen sunnitischen Teil, einen schiitischen und einen kurdischen Teil. Das wäre eine Möglichkeit für eine Stabilisierung, wenn man den Sunniten einen autonomen Teil zusprechen würde.

Der irakische Premier Nuri al-Maliki klammert sich mit Händen und Füssen an seine Macht. Wird er einer solchen Lösung zustimmen?

Ich glaube, er wird alles versuchen, um das zu verhindern. Um wiedergewählt zu werden, braucht er aber die Unterstützung des sunnitischen Blockes. Diese hatten ihn vorher noch unterstützt, sich aber mittlerweile abgewendet. Die Frage ist: Zu welchem Preis kann er die Sunniten wieder für sich gewinnen? Es ist alles offen. Jeden Tag kann sich alles ändern.

Würde eine Dreiteilung die Dschihadisten befriedigen und sie davon abhalten, weiter zu kämpfen?

Bei der Dreiteilung geht es nicht in erster Linie um die Dschihadisten, sondern um die sunnitischen Stämme, die sich gegen die Zentralregierung erhoben haben und eine Allianz mit Isis eingegangen sind. Da geht es darum: Wie bekommt man diese Stämme zurück? Sobald sich diese Stämme wieder auf die Seite der Regierung geschlagen haben, sind die Islamisten isoliert und werden von den Stämmen selbst bekämpft werden. Und dann wären sie mehr oder weniger chancenlos.

Das Gespräch führte Roman Fillinger

Zur Person

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Alfred Hackensberger ist freischaffender Journalist. Berichtet für verschiedene Medien aus der arabischen Welt. Autor mehrerer Bücher.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Diese radikalistische Bande muss strikte im Auge gehalten werden. Denn jetzt erobern sie die ohnehin schon islamischen Länder. Und wenn sie die Leute für ihre Zwecke gewonnen hat, werden grosse Heerscharen von allen Seiten die abendländischen christlichen Länder und Kontinente wie Amerika und Europa auf grausamste Weise erobern. Die Politik ist gefordert!!!!!
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    1. Antwort von Matthias Tschopp, Zug
      Lol gehts noch extremer und realitätsfremder? Zu viel Fantasy-Filme reingezogen? Kein Wunder dass du dich hierzu zu Wort meldest, du stehst auch mit deinem ganzen Herzblut hinter der Ecopop-Initiative. Dieses Thema hier hat wohl deinen unersättlichen Fremdenhass-Wahn auf ein neues Level torpediert.
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  • Kommentar von hansjörg keller, rombach
    Jetzt bitte mal halblang. Kein normaler Mensch, Muslim, etc. unterstützt die Terrorsekte Isis ausser etwa irakische Sunniten, die von Maliki massiv benachteiligt wurden. Und das gescheite Gerede über den Islam sollten gewisse Kommentator/innen doch besser der Religionswissenschaft überlassen, ansonsten müssten wir hier auch gleich über das Alte Testament herziehen, in dem aus heutiger Sicht übelste Dinge, auch bezüglich Gewalt, zu finden sind. Und über die Kreuzzüge, die Inquisition...
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    1. Antwort von W.Ineichen, Luzern
      Diese Ereignisse liegen 1000 und mehr Jahre zurück. Die Gräueltaten der Islamisten geschehen jedoch heute im 21. Jh.
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Keller - was wollen Sie? Leuten ohne Religionswissenschaftsdiplom verbieten, sich über den Islam zu äussern? Ich habe diesen kulturrelativierenden Mist, den Leute wie Sie auftischen ("ansonsten müssten wir hier auch gleich über das Alte Testament herziehen...") ziemlich satt. Wo bitte führen sich Christen und Juden wie im AT auf und ermorden Mitmenschen unter "Gott ist gross!"-Gejohle? Warum vergessen Sie, dass der 1. Jihad gegen Europa 400 Jahre vor dem 1. Kreuzzug nach Jerusalem stattfand?
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  • Kommentar von W.Ineichen, Luzern
    Einfach nur schrecklich, was der Islam (ismus) in den letzten Jahren der Welt zu bieten hat.
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Was momentan passiert, ist nichts anderes als das aktuellste Kapitel von bald 1400 Jahren jihadistischem Imperialismus. Der Islam hat sich noch nie anders verhalten, auch wenn es immer wieder Perioden gab, wo er sich etwas beruhigt hat. Unsere Vorfahren in Europa haben 1000 Jahre gegen die islamische Unterwerfung gekämpft - erst mit dem technologischen und militärischen Fortschritt im Westen, haben wir uns ca. 200 Jahre etwas Ruhe verschafft. Jetzt ist wieder der Teufel los - und zwar weltweit!
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    2. Antwort von W.Ineichen, Luzern
      Herr Christen: -- Und warum distanzieren sich die sogenannten gemässigten Muslime in der Schweiz und der selbst ernannte Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) nicht in den Medien von diesem mörderischen Auftritt ihrer Glaubensbrüder, wie die Welt ihn gegenwärtig erleben muss? Dies ist eine rein rhetorische Frage.
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