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International Bankenöffnung: Hoffen und Bangen in Athen und Brüssel

An diesem Montag öffnen Banken in Griechenland wieder ihre Schalter. Doch auch die Europäische Zentralbank erwartet einen Milliardenbetrag aus Athen. Und die EU-Kommission macht Druck auf die Regierung Tsipras, die in dieser Woche weitere Reformschritte gehen muss.

Menschen vor einer Bank
Legende: 420 Euro pro Woche, statt 60 Euro pro Tag - nach langer Durststrecke ein Geldsegen für viele Griechen. Keystone

Am Tag der Bankenöffnung in Griechenland erhöht die EU-Kommission nochmals den Druck auf die Regierung in Athen.

Brüssel warnt Griechenland vor einer Verzögerung bei den vereinbarten Reformen. «Der Euro-Gipfel hat einen klaren Fahrplan vorgegeben, was von Athen erwartet wird», sagte Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis der deutschen «Bild»-Zeitung.

EU-Kommissar droht

Für Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket müssten die nächsten Reformgesetze «sehr schnell» beschlossen werden. Nur wenn wieder Stabilität und Vertrauen einkehrten, «kann Griechenland wieder wachsen, und Arbeitsplätze und Zuversicht gerade auch für die Schwächsten in der Gesellschaft schaffen».

Dombrovskis drohte zugleich, dass die EU «im schlimmsten Falle» die Auszahlung von Mitteln aus ihrem Haushalt zurückhalten werde, wenn Griechenland die Vereinbarungen breche.

Merkel stellt Schuldenerleichterungen in Aussicht

Moderatere Töne kommen hingegen aus Berlin. Dort hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Griechenland Schuldenerleichterungen in Aussicht gestellt. Über längere Kreditlauf-Zeiten und geringere Zinsen könne zu einem späteren Zeitpunkt gesprochen werden, sagte Merkel in einem Interview mit der ARD.

Einen klassischen Schuldenschnitt lehnte sie jedoch erneut ab. Dieser wäre nur ausserhalb der EU möglich.

Weitere Reformbeschlüsse in Athen

Nach ersten Beschlüssen – etwa einer Erhöhung der Mehrwertsteuer – stehen in dieser Woche im Athener Parlament weitere Abstimmungen über das Reformpaket an, dem die Regierung im Gegenzug für Finanzhilfen zugestimmt hatte. Die EU-Kommission erwartet ein Abkommen über ein neues Hilfspaket bis Mitte August.

Bis dahin bekommt Griechenland eine Brückenfinanzierung von sieben Milliarden Euro über einen Finanztopf der EU, um eine Staatspleite abzuwenden. Damit soll das Land am Montag eine Überweisung an die Europäische Zentralbank (EZB) in Höhe von 4,2 Milliarden Euro sowie an den Internationalen Währungsfonds (IWF) von mehr als zwei Milliarden Euro bestreiten.

EZB rechnet heute mit Milliarden aus Athen

Griechenland muss heute Montag 3,5 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank (EZB) bezahlen. Athen muss das Geld für auslaufende Staatsanleihen im Besitz der EZB aufbringen.

Während die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras beim Internationalen Währungsfonds (IWF) bereits mit gut zwei Milliarden Euro im Zahlungsrückstand ist, rechnet EZB-Präsident Mario Draghi fest mit einer fristgerechten Überweisung aus Athen. «Was die Rückzahlung am 20. Juli betrifft, deuten alle meine Informationen darauf hin, dass wir ausbezahlt werden», sagte Draghi. Er begründete seine Zuversicht unter anderem mit der Einigung der Eurogruppe auf eine Brückenfinanzierung von zunächst sieben Milliarden Euro. Am Freitag stimmten dem auch nationale Parlamente zu, darunter der Deutsche Bundestag.

US-Investor Buffett kauft Insel

Unterdessen hat Star-Anleger Warren Buffett gemeinsam mit dem Immobilienunternehmer Alessandro Proto die Insel Agios Thomas gekauft, berichtet das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Gemäss der Nachrichtenagentur ANA soll der Preis bei etwa 15 Mio. Euro gelegen haben. Ein Sprecher von Proto habe den Kauf bereits bestätigt.

Agios Thomas liegt im Saronischen Golf und sei in 45 Minuten mit dem Wassertaxi von Athen aus zu erreichen. Von der Stadt Korinth aus brauche man nur 20 Minuten mit dem Boot.

Infolge der Krise im Land seien auch die Preise für griechische Inseln drastisch gesunken, berichtet das Blatt. Hinzu kommt, dass der Kaufprozess und gesetzliche Voraussetzungen vereinfacht wurden. Das lockt Interessenten an.

420 Euro pro Woche

Kunden könnten in einer Woche neu 420 Euro auf einmal abheben, anstelle von 60 Euro pro Tag. Die griechische Aktienbörse bleibt jedoch am Montag zu.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Escher, Leuk - Stadt
    " ..Einen klassischen Schuldenschnitt lehnte sie ( Merkel ) jedoch erneut ab. Dieser wäre nur ausserhalb der EU möglich.. " - aha, ist da nicht eine < versteckte > " RAUS - aus - der - EU - Aufforderung " zu spüren ? !!
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    1. Antwort von Sascha Stalder, Oberdiessbach
      Nein, es bedeutet meiner Meinung nach nur, dass ein Schulden Schnitt innerhalb der Währungsunion nicht möglich ist. Stichwort "bail out" Klausel.
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  • Kommentar von S. Meier, Adliswil
    "Ein besonders pfiffiger US-Grossinvestor sicherte sich unterdessen erste Pfründe im siechen Griechenland." Das ist wohl kaum pfiffig, sonder die reine Gier. Warren Buffet hat schlicht und einfach nur sehr viel Geld, was aber absolut nichts mit Pfiffigkeit zu tun hat. Dank Merkels und Schäubles Politik kann er jetzt zugreifen.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Die EU-Kommission hat im Auftrag von Jean-Claude Juncker ein Geheimpapier entwickelt, das sich mit den Folgen eines Grexit beschäftigt. Die Kommission rechnet demnach mit schweren sozialen Verwerfungen im Fall eines Austritt Griechenlands aus dem Euro. Zu den Verwerfungen (Aufstände) sollte man sich einmal die Ausführungen von Prof. Schachtschneider anhören. Er sagt: "Durch die Grundrechte-Charta der Europäischen Union ist das Töten von Menschen bei Aufständen erlaubt."
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    1. Antwort von Sascha Stalder, Oberdiessbach
      Natürlich hat sich die EU mit dem Grexit beschäftigt, das ist ja wohl ihre Pflicht auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Was möchten Sie uns damit sagen ausser das Sie die EU nicht gut finden?
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