Behinderte Kinder: arm, diskriminiert, isoliert

Kinder, die in Entwicklungs- und Schwellenländern unter Behinderungen leiden, werden oft isoliert. Dazu kommen Armut und teils gefährliche Vorurteile.

Beinamputierte Person auf einer Bank.

Bildlegende: Neben der eigentlichen Behinderung leiden viele Kinder zusätzlich unter Diskriminierung. Keystone

Behinderte Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern leben dem Kinderhilfswerk Unicef zufolge oft isoliert, in grosser Armut und werden diskriminiert. Sie und ihre Familien zählen «weltweit zu den am stärksten benachteiligten und gefährdeten Menschen». Zu diesem Ergebnis kommt der Jahresbericht «Zur Situation der Kinder in der Welt 2013».

Zwei behinderte Kinder in Rollstühlen.

Bildlegende: Rollstühle sind in Entwicklungsländern Mangelware. Keystone

Zu wenige Rollstühle

Die Kinder würden als minderwertig angesehen und auch aus Aberglaube verfolgt. Unwissenheit und Stigmatisierung müssten überwunden, die Rechte und Fähigkeiten dieser Kinder in den Fokus gerückt werden, forderte Unicef.
Nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks sind Ursachen für schwere körperliche und geistige Behinderung Hunger und Mangelernährung, die weltweit 165 Millionen Kinder beeinträchtigen. Zwischen 250'000 und 500'000 Minderjährige drohten jedes Jahr zu erblinden, weil sie an Vitamin-A-Mangel litten. Auch Blutarmut führe häufig zu Behinderungen. Impfungen könnten Behinderungen wie Kinderlähmung verhindern, stünden aber oft nicht zur Verfügung.
 
In Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien werden laut UNO-Kinderhilfswerk viele Minderjährige schwer verletzt. Allein durch Minen oder Blindgänger werden 1000 Kinder jährlich verstümmelt oder getötet. Auf Hilfe warten die meisten Überlebenden vergeblich. Nur 5 bis 15 Prozent der Behinderten in den ärmsten Ländern hätten Hilfsmittel wie Rollstühle.

Fataler Aberglaube

Behinderte Kinder haben ein drei- bis viermal höheres Risiko, Opfer von Gewalt zu werden. Vernachlässigung und Missbrauch treffen sie besonders häufig. Auch ihre «Behandlung» falle in Entwicklungsländern nicht selten gewalttätig aus. Es gebe Elektroschocks, Zwangssterilisierungen und Zwangsabtreibungen. Meist würden die behinderten Kinder in Heimen untergebracht. Sie gingen seltener zur Schule.

Wie viele Kinder mit Behinderungen es weltweit genau gibt, ist nach Unicef-Angaben auch deshalb unklar, weil sich viele Regierungen nicht um das Thema kümmerten. Verlässliche Informationen gebe es nur in wenigen Ländern. Die Diskriminierung könne schon damit beginnen, dass behinderte Kinder keine Ausweispapiere erhalten.

Auch Vorurteile und Unwissenheit müssten abgebaut werden, verlangte Unicef. So werde Behinderten mitunter der Zugang zu sauberem Wasser oder Latrinen verweigert, weil das Umfeld glaube, sie würden diese vergiften.