Beide Kriegsparteien in Mali stehen im Visier von Amnesty

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat der malischen Armee und den Islamisten Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. In mehreren Städten Malis hätten Soldaten unrechtmässig Hinrichtungen begangen.

Soldaten auf einem Pick-Up.

Bildlegende: In Mali werden offenbar von beiden Seiten Menschenrechtsverletzungen verübt. Reuters

In den anhaltenden Kämpfen in Mali begehen laut einem Bericht von Amnesty International beide Konfliktparteien schwere Menschenrechtsverletzungen. Der malischen Armee wirft Amnesty unter anderem die Tötung von Zivilpersonen vor.

Als Beispiel führte Amnesty einen Luftangriff in Konna an, bei dem mindestens fünf Zivilpersonen, darunter drei Kinder, getötet wurden. Der Angriff sei Teil einer gemeinsamen französisch-malischen Militäroperation gewesen, hiess es in dem Bericht der Menschenrechtsorganisation.

Unabhängige Untersuchung eines Luftangriffs

Eine Amnesty-Delegation war während 10 Tagen in dem westafrikanischen Land, um die Menschenrechtssituation nach den ersten drei Wochen der französischen Militärintervention zu untersuchen.

Der Luftangriff, der sich am ersten Tag des französischen Eingreifens ereignet habe, solle von unabhängiger Seite untersucht werden, forderte Amnesty von Frankreich. Auch müssten Berichte über aussergerichtliche Erschiessungen durch die malische Armee überprüft werden.

UNO-Beobachter gefordert

Die bewaffneten islamistischen Gruppierungen ihrerseits müssten die Rekrutierung und den Einsatz von Kindersoldaten stoppen. Alle Kindersoldaten sollten freigelassen werden, verlangte Amnesty weiter.

Es brauche dringend Menschenrechtsbeobachter der UNO, welche besonders der Frage der Kindersoldaten sowie der sexuellen Gewalt in dem Konflikt nachgehen sollten, hiess es in dem AI-Bericht.

Hollande in Mali

Derweil kündigte der französische Präsident François Hollande einen Besuch Malis an. Das Präsidialamt in Paris teilte mit, Hollande werde von Aussenminister Laurent Fabius, Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian und Entwicklungsminister Pascal Canfin begleitet.

Nach Angaben aus Regierungskreisen wird Hollande in der Hauptstadt Bamako Übergangspräsident Dioncounda Traore zu einem Gespräch treffen und mit französischen Soldaten zusammenkommen. Auch ein Besuch in Timbuktu im Norden des Landes sei geplant. Aus der antiken Stadt haben französische und malische Soldaten erst vor wenigen Tagen die islamistischen Kämpfer vertrieben.

Frankreich unterstützt Überlegungen, eine UNO-Friedenstruppe nach Mali zu entsenden. Le Drian hatte in einem Interview gesagt, Frankreich würde dabei seinen Part übernehmen.

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Frankreich will bald raus aus Mali

1:40 min, aus Tagesschau vom 30.1.2013

Vorerst keine NATO-Einsatz

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sieht derzeit keine Aufgabe für das Militärbündnis im Mali-Konflikt. Der UNO-Sicherheitsrat habe ein Mandat für eine Unterstützungsmission durch afrikanische Länder gegeben. Daher sehe er es nicht als Aufgabe für die NATO an, in den Konflikt im westafrikanischen Land einzugreifen, sagte Rasmussen.