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International Belastendes Video aufgetaucht – Erdogan sperrt Youtube

Ein neues Video auf Youtube belastet die türkische Regierung. Es belegt angeblich, dass die Türkei nach einem Kriegsgrund in Syrien sucht. Premier Erdogan lässt deshalb die Videoplattform sperren.

Wie ein Vorhang verhüllt die türkische Flagge die Videoplattform Youtube.
Legende: Die Türkei schränkt das Internet und seine Nutzer immer stärker ein. Reuters

Zwischen der Enthüllung des neusten Videos, das die türkische Regierung in ein schiefes Licht rückt, und der Sperre von Youtube in der Türkei liegen nur Stunden. Der Zusammenhang ist klar: Ministerpräsident Recep Erdogan nennt es eine Schande, was seine anonymen Gegner nun angeblich veröffentlicht haben.

Militäreinsatz in Syrien

Es soll sich um ein Gespräch zwischen Aussenminister Ahmet Davutoglu, dem Geheimdienstchef Hakan Fidan und hohen Militärs handeln. Das Gespräch ist – sofern es echt ist – höchst brisant: Die Türkei habe die Lage an der türkisch-syrischen Grenze nicht mehr unter Kontrolle, wird darin erklärt. Danach diskutieren die Männer darüber, wie die Türkei einen Krieg gegen Syrien beginnen könnte. Zum Beispiel mit inszenierten Anschlägen auf schützenswerte Grabstätten in Syrien. Oder türkische Agenten könnten von Syrien aus Raketen auf türkisches Territorium schiessen.

Das Gespräch kann eine Fälschung sein. Wenn es aber keine ist, belegt es das Scheitern der türkischen Politik gegenüber Syrien. Dies unmittelbar vor den Gemeindewahlen am Sonntag, die Premier Erdogan zur Vertrauensabstimmung über sich und seine Politik erklärt hat.

Enthüllungen jagen sich

Seit Mitte Dezember werden in der Türkei im Internet fast täglich angebliche Korruptionsfälle enthüllt. Unter Verdacht stehen Minister, Vertraute des Premiers, seine Familie und er selber. Erdogan reagiert darauf mit immer mehr Repression, Drohungen und Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit. Die Blockade von Youtube ist nur eine von vielen Massnahmen.

Erdogan wittert hinter dem Korruptionsskandal eine Verschwörung seines ehemaligen Bündnispartners Fethullah Gülen. Der islamische Prediger und seine Bewegung haben sich vom Premier abgewandt und sind zu seinen Gegnern geworden.

(aebn;amka)

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    So, ich habe gerade auf meinem PC folgende Websiten gesperrt: Google, Youtube, Facebook, Twitter und nsa.gov. Die Türken waren mir noch nie sympathisch, haben aber in den letzten 100 Jahren weniger unheil angerichtet als die USA, da ist dieser Schritt absolut angemessen. Würden das alle tun, die Amis würden die NSA schon morgen selbst in die Luft jagen.
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    1. Antwort von Peter Meier, Zürich
      Sie sperren eine Seite auf Ihrem Privatcomputer? Da muss ich jetzt aber schmunzeln, bzw. meinen Kommentar weiter unten ergänzen, dass die Probleme vielleicht auch mit mangelndem "technischem" Geschick im Umgang mit Computern bedingt ist. Der Nutzen dieser Sperrung ist exakt derselbe wie wenn Sie die bezeichneten Seiten schlicht nicht mehr aufsuchen würden. Frei nach Haller: (smile)
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    2. Antwort von Albert Planta, Chur
      Ja, ja, die beste Zensur ist immer noch die Eigenzensur. Es gibt bekanntlich Leute, die den Ast sägen auf dem sie gerade sitzen.smile
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Vor lauter Krim, Russland und EU gerät ein viel wichtigerer Brennpunkt aus dem Fokus, nämlich der Islam mit seinen extremen Formen und vor allem Syrien, wo mit grosser Brutalität ein Bürgerkrieg im Gang ist.
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    1. Antwort von Thomas Koblet, Rickenbach
      Russland hätte schon lange ein Zeichen setzen können, im Syrien Konflikt. Anstatt dauernd ein Veto einzulegen bei UN Resolutionen, mal Aktiv zu einer Lösung beitragen!! Aber solange die Eigeninteressen überwiegen spielt das Elend in solchen Konflikten keine Rolle. Natürlich ist auch der Westen in dieser Beziehung nicht sauber aber immerhin ist der Wille sichtbar etwas zu unternehmen.
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  • Kommentar von Max Hug, Luzern
    Ich möchte mal in Erinnerung rufen, dass diese Türkei EU-beitrittswillig ist. Die Gedanken sind frei.
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