UNO-Menschenrechtsrat Bericht dokumentiert Kriegsverbrechen in Aleppo

Der Bericht des UNO-Menschenrechtsrats zu Aleppo zeigt auf: Sämtliche Parteien haben Kriegsverbrechen begangen.

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Den höchsten Preis bezahlten Zivilisten

1:42 min, aus Tagesschau vom 1.3.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Schlacht um die syrische Stadt Aleppo haben sämtliche involvierten Parteien Kriegsverbrechen begangen.
  • Die syrischen Streitkräfte hätten dabei auch Chlorgas eingesetzt, berichtet die UNO.
  • Menschen, die aus den umkämpften Gebieten flüchten wollten, seien zurückgehalten und als menschliche Schutzschilde missbraucht worden.
  • Syrien sei auch für den Luftangriff auf einen Hilfskonvoi verantwortlich, bei dem 14 Menschen getötet wurden.

Die nordsyrische Metropole Aleppo war lange Zeit heftig umkämpft. Kurz vor Weihnachten nahm die syrische Armee ganz Ost-Aleppo ein. Rebellen und Zivilisten wurden nach einem Abkommen aus der Stadt gebracht.

Chlorgas und Streumunition eingesetzt

Nach UNO-Erkenntnissen hat Syrien im Kampf um Aleppo Chlorgas eingesetzt und weitere Kriegsverbrechen begangen. Syrien und sein Verbündeter Russland hätten im vergangenen Jahr zudem gezielt Kliniken und andere zivile Einrichtungen aus der Luft bombardiert, um Gegner zur Aufgabe zu zwingen.

Wegen der Bombardierungen hätten sämtliche Krankenhäuser in Ost-Aleppo ihre Arbeit einstellen müssen. Auch Märkte, Bäckereien, Schulen und ein Wasserwerk seien getroffen worden. Syrische und russische Kräfte hätten dabei auch international geächtete Streumunition eingesetzt.

Angriff auf Hilfskonvoi

Der UNO-Bericht macht Syrien auch für den Luftangriff auf einen Hilfskonvoi verantwortlich. Damals starben 14 Helfer, 17 Lastwagen wurden zerstört. Der Bericht sieht eindeutige Hinweise dafür, dass der Luftangriff akribisch geplant wurde, um weitere humanitäre Hilfe zu erschweren.

Menschliche Schutzschilde

Bewaffneten Gegnern der Regierung wirft der Bericht vor, willkürlich von Zivilisten bewohnte Gebiete beschossen, Menschen an der Flucht aus Ost-Aleppo gehindert und als menschliche Schutzschilde missbraucht zu haben.

Auch das Abkommen über die Evakuierung der Stadt sei ein Kriegsverbrechen gewesen, da die Menschen mit Zwang vertrieben worden seien. «Auf beiden Seiten der Stadt bezahlten Zivilisten den höchsten Preis für die Brutalität», schreibt der UNO-Menschenrechtsrat. Es habe einen immensen Verlust an menschlichen Leben gegeben.