Berlusconis «Bunga Bunga» bleibt ohne Folgen

Das oberste Gericht in Rom hat den früheren Regierungschef Italiens vom Sex mit Minderjährigen und Amtsmissbrauch freigesprochen. Es ist das Urteil der letzten Instanz.

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Freispruch für Berlusconi

1:06 min, aus Tagesschau am Mittag vom 11.3.2015

Berlusconi hebt den Kopf und schaut erleichtert auf die untere Seite.

Bildlegende: Freispruch statt sieben Jahre Haft: Gegen das Urteil für Berlusconi kann kein Einspruch mehr erhoben werden. Reuters/Archiv

Der «Ruby»-Prozess ist einer von vielen Prozessen, die Berlusconi am Hals hatte. Es war aber einer der beschämendsten und einer mit den härtesten strafrechtlichen Konsequenzen.

Denn Amtsmissbrauch und Sex mit minderjährigen Prostituierten sind keine Bagatellen. In erster Instanz war der heute 78-Jährige zu sieben Jahren Haft und lebenslangem Ausschluss von öffentlichen Ämtern verurteilt worden.

In zweiter Instanz erfolgte der Freispruch. Laut Gericht kannte Berlusconi das Alter der minderjährigen Marokkanerin Ruby nicht, die er für «Bunga-Bunga»-Partys in seine Villa in Mailand eingeladen hatte. Für den Amtsmissbrauch – angeblich hatte Berlusconi mit Anrufen bei der Polizei die Freilassung von Ruby bewirkt – fehlten zweitinstanzlich die Beweise.

Die dritte und letzte Instanz hat den Freispruch nun bestätigt. Die Begründung der Richter liegt noch nicht vor, diese wird erst in einigen Wochen veröffentlicht.

Bezahlte er seine Entlastungszeuginnen?

Die Mailänder Staatsanwaltschaft hatte Hausdurchsuchungen bei 20 Frauen durchgeführt, die Berlusconis Partys besucht und später im Prozess zu seinen Gunsten ausgesagt hatten. Die Ermittler stiessen dabei auf beträchtliche Summen Bargeld. Es entstand der Verdacht, dass sie für ihre entlastenden Aussagen bezahlt worden waren. Diese Ermittlungen gehen weiter.

In der Öffentlichkeit sei «Rubygate» mittlerweile ziemlich ausgereizt, berichtet die in Rom lebende Journalistin Kirstin Hausen gegenüber SRF und erinnert an die absurd-komischen Züge des ersten Verfahrens, die noch für viel Unterhaltung gesorgt hatten. Selbst der Abschluss des Sozialdienstes, der Berlusconi in einem Fall wegen Steuerbetrugs auferlegt worden war, habe kürzlich kaum mehr interessiert.

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Einschätzung des Italien-Korrespondenten

0:26 min, aus Tagesschau am Mittag vom 11.3.2015

Auch auf der politischen Bühne und im Fernsehen sind andere Gesichter wichtiger geworden, etwa der neue Premier Renzi und sein Gegenspieler von der Lega Nord, Salvini.

Eines ist sicher, wie Hausen sagt: Die Verfahren rauben Berlusconi vor allem Zeit und Nerven. Diese aber bräuchte er, um in seiner Forza Italia aufzuräumen. Denn er hat den Laden nicht mehr im Griff, und die Partei ist nur noch ein Schatten früherer Tage.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Entscheid im Fall Berlusconi

    Aus Tagesschau vom 10.3.2015

    Noch heute soll der Entscheid am obersten Gerichtshof von Italien fallen, über Schuld und Unschuld von Silvio Berlusconi im Fall „Ruby“. Die politische Karriere des 78-jährigen scheint vorbei zu sein - in Zukunft will er wieder mehr als Geschäftsmann agieren.