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In der Schweiz sollen Computerprogramme für eine bessere Durchmischung in den Klassenzimmern sorgen
Aus 10vor10 vom 18.11.2019.
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Bessere Durchmischung Keine «Ghetto-Klassen»– dank einem Computerprogramm?

Ein Algorithmus könnte in Zukunft entscheiden, wo ein Kind zur Schule geht. Das Ziel des Computerprogramms: Eine bessere Durchmischung der Schulklassen. Die Reaktionen sind gemischt.

Über die Frage, wo ein Kind eingeschult wird, entscheiden heute viele Kriterien: So muss etwa der Anteil von Mädchen und Knaben ausgeglichen sein, und der Schulweg darf eine gewisse Länge nicht überschreiten. Ferner sollten alle Klassen ungefähr gleich gross sein. Wenn es nach Oliver Dlabac, Projektleiter beim Zentrum für Demokratie Aarau, geht, soll neu ein weiteres Kriterium hinzukommen: die soziale Herkunft.

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«Die Einzugsgebiete sollen keine homogenen Wohngebiete einschliessen»
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In seiner Studie schlägt Dlabac vor, dass ein Computerprogramm die Einzugsgebiete der Schulen an den Rändern neu festlegt. Es sei wie bei einem Brettspiel, so der Studienautor: «Hier wird ein Strassenblock der einen Schule zugeteilt, dort eine Parzelle einer anderen.» Das Ziel der Rochaden: eine bessere soziale Durchmischung der Schulklassen.

Dass man davon heute weit entfernt ist, zeigt ein Blick auf die Schulhäuser der Stadt Zürich: Der Anteil von Kindern aus fremdsprachigen Familien liegt an gewissen Schulen bei 75 Prozent. Demgegenüber weisen privilegierte Quartiere höchstens 20 Prozent auf. Mit erheblichen Auswirkungen auf den Schulerfolg, sagt Dlabac: «Ob ein Kind die Anforderungen fürs Gymnasium erfüllt, hängt heute unter anderem davon ab, wo es in die Schule geht.»

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«Man muss jedoch sehen, dass die Durchmischung per Algorithmus beschränkt möglich ist»
Aus News-Clip vom 18.11.2019.
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Eine bessere Durchmischung dank neu definierter Einzugsgebiete – für Markus Truniger durchaus ein gangbarer Weg. Der Fachexperte für Schule und Migration fügt aber an, dass dies nur eine Massnahme unter vielen sein könne: «Ich bezweifle, ob dieser Algorithmus wirklich die erhoffte Wirkung zeigt. Wenn man die Durchmischung nämlich in grösserem Stil durchführen möchte, müsste man längere Schulwege in Kauf nehmen. Und dagegen würden sich sicherlich viele Eltern wehren.»

Entscheidend sei vielmehr, dass Schulen mit grossen Herausforderungen besser unterstützt würden. Es brauche mehr Förderprogramme für Lernende, mehr Ressourcen und mehr Lehrpersonen.

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«Das ist nicht zielführend – wir brauchen das nicht»
Aus News-Clip vom 18.11.2019.
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Noch deutlichere Worte findet Claude Saladin. Er leitet die Schule Leutschenbach. Diese weist einen Anteil von gut 40 Prozent fremdsprachiger Kinder auf – und trotzdem lehnt Saladin eine nach sozialer Herkunft ausgerichtete Schulzuteilung ab: «Einen solchen Algorithmus brauchen wir nicht. Klar, wir begrüssen selbstverständlich gut durchmischte Klassen. Dies muss aber organisch entstehen und darf auf keinen Fall staatlich gelenkt sein.

Die Schule sei ein wichtiger Identitätsfaktor für die Kinder. «Man geht dort zur Schule, wo man wohnt.» Er befürchtet, dass beim vorgeschlagenen Algorithmus Sozialquoten-Kinder entstehen könnten. Kinder also, welche lediglich Zahlen und Daten zuliebe in neue Klassen versetzt werden.

Bisher nur für Zürich anwendbar

Dass sich diese Zahlen ändern müssen, darüber sind sich alle einig: Jedes Kind sollte in der öffentlichen Schule dieselben Chancen bekommen. «Die Erfahrung zeigt, dass die Voraussetzung hierfür ist eine möglichst gute soziale Durchmischung ist», sagt Oliver Dlabac. Bislang ist sein Algorithmus lediglich für die Stadt Zürich anwendbar. Eine Version für andere Städte ist in Planung. Ob er jemals zum Einsatz kommen wird, ist angesichts der gemischten Reaktionen aber fraglich.

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36 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler  (bruggegumper)
    Wer sichs leisten kann,wird seine Kinder in eine Privatschule
    schicken.Das hat zur Folge,dass noch weniger Kinder ohne
    Migrationshintergrund eine öffentliche Schule besuchen,was die
    Ghettoisierung weiter fördert.Das Problem muss durch gezielte
    Migration gelöst werden,nicht mit Schulpolitik.
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  • Kommentar von Ernst Krauss  (Botschvs)
    Durchmischung ruft in der Freizeit sofortige Entmischung hervor.
    Die PISA-Studie untersucht den Leistungsstand der Schüler und die soziale Herkunft. Dazu teilt die OECD die Gesellschaft in 7 EPG-Klassen ein. Wenn Kinder einer Schulklasse durchmischt werden, entmischen diese sich nach Schulende. Die Kinder aus den oberen Klassen nehmen ihre Sportausrüstung und gehen zum Tennis, Golf, Reiten, während die aus den untersten Klassen mit Joints, 6-Pack und Handy zum Kiffen in den Bahnhof gehen.
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  • Kommentar von m. mitulla  (m.mitulla)
    Nicht genug, dass deutschsprachige Kinder einen Hauptteil der Integrationsarbeit leisten sollen und dadurch selber ihr eigener Lernerfolg geschmälert werden könnte, sondern sie sollen auch noch einen weiteren Schulweg in Kauf nehmen müssen. Das halte ich für wenig integrativ, sondern trägt zu einer Spaltung bei. Privatschulen werden sich freuen.
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