Blatter-Nachfolger wird frühestens Ende Jahr bestimmt

Die Fifa steht vor spannenden Monaten: Frühestens im Dezember wird ein neuer Präsident des Fussball-Weltverbands gewählt.

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Sepp Blatter tritt ab

5:57 min, aus Tagesschau vom 2.6.2015

Paukenschlag am Fifa-Hauptsitz auf dem Zürichberg: Um 18.47 Uhr gibt Fifa-Joseph Blatter in einem Statement seinen Rücktritt von seinem Amt bekannt, dies nur wenige Tage nach seiner umstrittenen Wiederwahl.

Nur Momente nach der sensationellen Rücktrittsankündigung veröffentlichten die englischen Buchmacher schon die ersten Quoten für die möglichen Nachfolger. Ganz oben auf dieser Liste der Kandidaten für den neuen Fifa-Präsidenten: Michel Platini, Chef der Europäischen Fussball-Union Uefa.

Vor der vierten Wiederwahl Blatters hatte sich der Franzose geziert, gegen den früheren Freund und heutigen Widersacher anzutreten – seine mittelfristigen Ambitionen verhehlte er aber schon vor zehn Monaten nicht: «Es ist noch nicht an der Zeit etwas anderes zu tun.»

Prinz Ali und van Praag als Kandidaten

Doch eine weltweite Unterstützung für den Blatter-kritischen Platini erscheint zumindest zum derzeitigen Zeitpunkt eher fraglich. Aber auch wenn der kürzlich als Uefa-Boss wiedergewählte frühere Weltstar sich erst in vier Jahren zu einem Anlauf entschliessen sollte, stünden wohl ausreichend Bewerber um das höchste Amt im Weltfussball bereit. Die gegen Blatter unterlegenen Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien und der Niederländer Michael van Praag erklärten schon am Dienstagabend, dass sie sich eine erneute Kandidatur zumindest offenhalten.

Vor dem Champions-League-Finale am Samstag in Berlin stand schon vor der überraschenden Ankündigung Blatters ein Treffen der Mitgliedsverbände der Uefa auf der Agenda, bei dem die nächsten Schritte besprochen werden sollen. «Da werde ich mich mit anderen austauschen», kündigte van Praag an. «Dann werde ich mir meine weiteren Pläne überlegen.»

Wahlkongress im Dezember?

Es wird eine spannende Zeit bis frühestens im Dezember erstmals seit 1998 wieder ein anderer Mann als der 79 Jahre alte Blatter an der Spitze der Fifa stehen wird. Zwischen dem letzten Monat diesen Jahres und März 2016 soll ein ausserordentlicher Wahlkongress stattfinden, erklärte Domenico Scala, Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission sowie Chef des Wahlkomitees.

Eigentlich war Jeffrey Webb als Fifa-Vize und Präsident des Verbands von Mittel- und Nordamerika für die Rolle des von Blatter auserkorenen Kronprinzen gehandelt worden. Doch dass der Mann von den Kaimaninseln nicht mehr zur Verfügung steht, ist eines der Kernprobleme des scheidenden Fifa-Chefs: Webb war wie sechs andere Funktionäre vergangene Woche in Zürich auf Antrag der US-Behörden im Korruptionsskandal verhaftet worden.

Auch der Name des höchst einflussreichen Sportfunktionärs und neuen Fifa-Exekutivmitglieds Ahmad al Fahad al Sabah wurde auf den Zürcher Fluren als potenzieller zukünftiger Fifa-Top-Mann geraunt.

«Wir brauchen einen Strukturwandel»

Bis zur Wahl will Blatter ungeachtet des grössten Skandals der Fifa-Geschichte das Amt weiter führen, mit der Unterstützung von Scala sollen noch einige Reformen umgesetzt werden: «Wir brauen einen tief verwurzelten Strukturwandel», sagte der Schweizer bei seiner Statement vor relativ wenigen Journalisten in der Fifa-Zentrale.

Dabei soll nach seiner Vorstellung die Grösse des Exekutivkomitees reduziert werden, dessen Mitglieder sollen demnach zukünftig von den 209 Mitgliedsstaaten gewählt werden. Zudem müssten die Exko-Mitglieder von der Fifa und nicht den Konföderationen auf Integrität geprüft werden. Zudem soll die Amtszeit nicht nur für die Vertreter in der Exekutive, sondern auch für den Präsidenten beschränkt werden. Dieses Vorhaben hatte zuletzt beim Kongress 2014 noch nicht einmal eine einfache Mehrheit geschafft.

Prinz Ali ist bereit

Prinz Ali ist bereit

Der jordanische Prinz Ali bin al-Hussein steht nach dem Rücktritt von Fifa-Präsident Joseph Blatter für Neuwahlen bereit. Dies teilte ein leitender jordanischer Fussball-Offizieller der französischen Nachrichtenagentur AFP mit. Zudem werde der Prinz «den Vorsitz sofort zu übernehmen, wenn sie ihn fragen würden».