Bombenterror im Irak fordert über 90 Tote

Bei einer Anschlagserie in Bagdad sind mehr als 90 Menschen getötet worden. Allein bei einem Autobombenanschlag im schiitischen Stadtteil Sadr City starben mehr als 60 Menschen. Zu den Taten bekannte sich die Terror-Miliz Islamischer Staat (IS).

Die Autobombe in Sadr City im Norden Bagdads explodierte nach Angaben der Behörden am Vormittag in der Nähe eines Marktes. Mindestens 64 Menschen starben, mehr als 80 wurden verletzt.

Umliegende Geschäfte gerieten in Brand, überall lagen Trümmer verstreut. Auf der Strasse stand das ausgebrannte Auto des Attentäters. Aus Furcht vor weiteren Anschlägen sperrten Sicherheitskräfte zahlreiche Strassen.

Am Nachmittag explodierte dann eine weitere Autobombe im schiitischen Stadtteil Kadhimija im Nordwesten der Hauptstadt. Mindestens 14 Menschen wurden getötet, darunter nach Angaben aus Spitälern auch mehrere Sicherheitskräfte.

Die dritte Autobombe explodierte im Viertel Dschamea im Westen Bagdads, wo neben vielen Schiiten auch Sunniten leben. Dort wurden nach Angaben von Rettungskräften mindestens acht Menschen getötet und 21 weitere verletzt.

Islamischer Staat bekennt sich zu Taten

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erklärte, einer ihrer Kämpfer namens Abu Sulaiman al-Ansari habe den Selbstmordanschlag in Sadr City verübt. Auch die beiden anderen Bomben seien von Mitgliedern des IS gezündet worden.

Das Ziel der Anschläge seien Kämpfer von schiitischen Milizen gewesen. Diese sind mit den irakischen Regierungstruppen verbündet. Die Botschaft des IS konnte bislang nicht abschliessend überprüft werden.

Der IS hatte 2014 weite Teile des Iraks überrannt. Die irakischen Streitkräfte hatten zuletzt mehrere Gebiete zurückerobert. Die Dschihadisten kontrollieren aber noch immer weite Regionen im Westen des Landes. Auch gelingt es ihnen immer wieder, Attentate in Gebieten zu verüben, die von der Regierung kontrolliert werden.

Kritik an der Regierung

Dutzende wütende Einwohner Bagdads versammelten sich am Anschlagsort in Sadr City und gaben der zerstrittenen und blockierten Regierung die Schuld an den Anschlägen des IS.

Angesichts von Massenprotesten und immer lauteren Reformforderungen versucht Ministerpräsident Haider al-Abadi seit Wochen, seine Regierung durch ein neues Kabinett aus Fachleuten zu ersetzen, die nicht nach konfessionellen oder parteipolitischen Kriterien ausgewählt werden.

Dem widersetzen sich aber diverse Oppositionsparteien. Tausende Anhänger des radikalen schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr organisierten wiederholt Kundgebungen vor und im Parlament in Bagdad.