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International Bootsdrama vor Lampedusa: Über 300 Tote vermutet

Die Rettungskräfte suchen vor der Mittelmeerinsel Lampedusa noch immer nach den vermissten Flüchtlingen. Die Hoffnung schwindet: Die Behörden rechnen mit hunderten Toten. Politiker und Hilfsorganisationen fordern neue Gesetze.

Die italienische Küstenwache birgt Leichen aus dem Wasser.
Legende: 133 Leichen wurden bereits geborgen. Keystone

Der Aufschrei in der Welt ist gross: Italiens Regierungschef Enrico Letta spricht von einer «Katastrophe», Papst Franziskus gar von einer «Schande».

Karte von Lampedusa
Legende: Lampedusa liegt cirka. 200 km von Sizilien entfernt. Nach Tunesien sind es nur 130 Kilometer. SRF

151 Flüchtlinge wurden gerettet

Vor der Küste der Insel Lampedusa sind gestern mindestens 111 Migranten ums Leben gekommen. Knapp tausend Meter vor der Küste war der Motor des Schiffes mit 500 Menschen an Bord ausgefallen.

In ihrer Not hatten die Einwanderer Decken angezündet, um auf sich aufmerksam zu machen. Dabei merkten sie nicht, dass sich Benzin auf dem Deck befand. Das Boot geriet in Flammen, in Panik geratene Migranten sprangen ins Wasser. Dabei kippte das ganze Boot um und sank später.

Die Behörden rechnen insgesamt mit mindestens 300 Toten. 151 Menschen konnten gerettet werden. Die Bootsinsassen kamen überwiegend aus Eritrea und Somalia. Taucher berichten, dass sich im Schiffswrack noch immer 100 Leichen befänden. Das Wrack befindet sich in einer Tiefe von rund 40 Metern.

«Diese Toten hätten vermieden werden können»

Jetzt fordern Politiker und Hilfsorganisationen neue Gesetze von der EU. Die Rede ist von finanziellen Reizen in den Herkunftsländern oder von humanitären Korridoren, um den Flüchtlingen eine sichere Einreise zu ermöglichen.

Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano fordert Taten. Normen, die eine Aufnahmepolitik verhinderten, sollten geändert werden, sagte er in einem Radio-Interview.

Die Gesetze müssten Italien würdig sein und den Grundprinzipien von Menschlichkeit und Solidarität entsprechen, sagte Napolitano.

Der UNO-Sonderberichterstatter für die Rechte von Migranten, François Crépeau, kritisiert: «Diese Toten hätten vermieden werden können.» Die illegale Einwanderung könne nicht «ausschliesslich mit repressiven Massnahmen» bekämpft werden. Dieses Vorgehen verstärke nur die Macht der Schleuser.

Italien hat einen Tag der Staatstrauer ausgerufen. Vielerorts gibt es Schweigeminuten. Auf Lampedusa bleiben die Geschäfte geschlossen.

20 Kommentare

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  • Kommentar von S.Frehner, Matzingen
    Die menschenverachtenden Kommentare hier blenden unsere Mitverantwortung an den Zuständen in Afrika völlig aus: Es fliesst ein mehrfacher Geldbetrag jährlich aus Afrika z.B. in die Schweiz wie umgekehrt. Ausbeutung von Afrikas Rohstoffen zu Schleuderpreisen unter menschenunwürdigen Bedingungen (z.B.Glencore, IT-Industrie, Blutdiamanten...), Zinsknechtschaft/Verschuldung... Waffenlieferungen/Kriegsprofit/Unterstützung und Zusammenarbeit mit Diktatoren...Nahrungsmittelspekulation etc. usf.
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    1. Antwort von W. Helfer, Zürich
      Genau dort S. Frehner liegt ja das Problem. Aber das blendet man ja gerne aus. Man will ja nicht auf den eigenen Wohlstand verzichten. Würde mich wunder nehmen, wieviele der so Empörten schon selber z.B. Schulmaterial gekauft haben und es den Kindern auf eigene Kosten PERSÖNLICH gebracht haben. Oder wieviele auf eigene Kosten nach Afrika reisen um z.B. Noma kranken Kindern zu helfen, weil sich kaum jemand dafür interessiert. Die Empörten haben vermutlich auch noch keine CH-Asylbewerber betreut.
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  • Kommentar von peter beutler, leissigen/ beatenberg
    M. Haener. Ja, ich schäme mich auch. Aber ganz allein sind wir nicht. Die Bürgermeisterin von Lampedusa sieht man in Tränen. Die Menschen auf dieser Insel sieht man in Tränen. Sie können es nicht fassen, dass man Kinder, Frauen und Männer einfach verrecken lässt. Sie sehen die toten Menschen. Einige Kommentatoren hier sehen sie nicht. Sie sitzen bei Bier und Chips auf ihren fetten Hintern vor dem Bildschirm. Sie wissen nicht was Hunger ist, kennen Mitleid, Nächstenliebe, Hilfe nicht. Schande!
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Es sind immer die gleichen rechtsnationalen Kreise die meinen, sie seien die einzigen hochwohlgeborenen Leute auf diesem Planeten.
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    2. Antwort von D.Hub, Winterthur
      Sie haben Recht! Wir sehen deren Kummer nicht, weil es uns "zu gut" geht! Aber haben Sie ein Rezept, wie wir solche Katastrophen in Zukunft verhindern könnten? Die Frage ist doch viel mehr, warum wollen den soviele Menschen aus ihrem Herkunftsland weg? Wäre es nicht sinnvoller die dortige Politik mittels Zwang zu ändern versuchen? Schliesslich wollen diese Menschen ja auch von unsere Demokratie profitieren, also warum nicht in die Demokratie zu ihnen bringen?
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    3. Antwort von M. Haener, Büsserach
      @peter beutler: Sie kennen sicherlich die drei Affen.., manchmal muss ich meine Sprachlosigkeit überwinden, im Angesicht der Ereignisse. Doch bei manchen Kommentatoren wünsch ich mir förmlich, dass sie sich nebst Augen und Ohren auch den Mund zu halten. lg ins bo...B-)
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    4. Antwort von W. Helfer, Zürich
      M. Haener. Empören Sie sich nur od. packen Sie auch persönlich mit Taten an?
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    5. Antwort von Dimitri Wonnoque, Nischni Nowgorod, Russland
      Es fehlt leider eine unversagende Methode, die Demokratie in ein Land zu bringen. Die gewalttätigen entpuppen sich zu oft als nutzlos.
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  • Kommentar von Edith Schuler, Schweiz
    Katastrophe, Schande, Märchen, eine Frage der Definition oder Folge einer nicht erkannten Überbevölkerungs-Problematik? Überbevölkerung als Auswirkung, Ursache, Symptom ist… …die Unfähigkeit auf individuelles Leid angemessen zu reagieren. Das wirkt – nachhaltig! …die Unfähigkeit Konflikte zu verhindern! Hier und jetzt Lösungen zu kreieren! Grenzenlos machtvoll mächtig zu sein! Weitere Definitionen zum Begriff "Überbevölkerung" finden sich bei Interesse im Netz.
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