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International Brand auf Adria-Fähre ist unter Kontrolle

Das Fährunglück in der Adria hat mindestens einen Menschen das Leben gekostet. Sechs Schweizer Passagiere konnten sich auf einem Rettungsschiff in Sicherheit bringen. Inzwischen ist das Feuer auf der «Norman Atlantic» aber offenbar unter Kontrolle.

Legende: Video Schwierige Bergung bei rauer See abspielen. Laufzeit 0:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.12.2014.

Bei einem Brand auf einer Fähre im Mittelmeer ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Der Mann sei vermutlich beim Sprung von Bord umgekommen, teilte die italienische Küstenwache mit. Hunderte Menschen sassen auf der brennenden Fähre fest. Sturmböen und hoher Wellengang behinderten die Rettung der 478 Menschen an Bord.

Noch über 300 Menschen an Bord

Die Lage auf der in Brand geratenen Autofähre «Norman Atlantic» im Mittelmeer ist nach Auskunft der Chartergesellschaft Anek am Abend jedoch unter Kontrolle gebracht worden. Nunmehr gebe es «nur noch Rauch», sagte ein Anek-Sprecher der griechischen Nachrichtenagentur ANA.

Als Zeitpunkt, zu dem der Brand unter Kontrolle gebracht wurde, nannte der Sprecher 19.30 Uhr (MEZ). Die noch an Bord befindlichen Menschen sollte mit Strickleitern in Sicherheit gebracht werden, kündigte der Sprecher an. Das Stabilisieren der Autofähre sei noch nicht gelungen. Vielmehr sei eine Vertäuung an einem Schlepper wieder zerrissen. Nach den jüngsten Angaben der italienischen Küstenwache waren am Abend noch 317 Menschen an Bord.

Karte mit dem Ort der Fähre.
Legende: Bei Brandausbruch befand sich die Fähre etwa 44 Seemeilen nordwestlich von Korfu. SRF

Unter den Passagieren der griechischen Fähre befanden sich zehn Schweizer Staatsangehörige. Bis zum späteren Nachmittag konnten sich nach Angaben des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) sechs von ihnen auf einem Rettungsschiff in Sicherheit bringen. Das EDA bleibe in Kontakt mit den griechischen und italienischen Behörden.

Schlechte Bedingungen für die Helfer

Insgesamt befanden 422 Passagiere und 56 Crewmitglieder auf dem Schiff. Dieses war auf dem Weg von Patras in Griechenland nach Ancona in Italien. Nachdem es nach einem Zwischenstopp die Insel Korfu passiert hatte, funkte die Besatzung am Morgen gegen 3 Uhr «S.O.S», da auf einem der Autodecks ein Feuer ausgebrochen war.

Die Retter kamen bei stürmischem Wind und Wellen kaum voran und konnten zunächst nicht an Bord. Bis zum Nachmittag konnten nach Angaben der griechischen Küstenwache mehr als 130 Menschen gerettet werden, darunter eine Schwangere und mehrere Kinder.

Rettung aus der Luft

Am Nachmittag begann dann die Rettungsaktion aus der Luft. Helikopter holten Passagiere paarweise von der «Norman Atlantic», wie die Behörden mitteilten. Die Menschen wurden demnach auf ein in der Nähe kreuzendes Schiff geflogen. Die Teams arbeiteten unter Hochdruck, um noch vor Einbruch der Dunkelheit möglichst viele Menschen in Sicherheit zu bringen.

Nach Angaben des italienischen Marinesprechers Riccardo Rizotto waren vier Helikopter im Einsatz. Das manövrierunfähige Schiff treibe in Richtung der albanischen Küste. «Die Wetterbedingungen sind so schlecht, dass wir aussergewöhnlich viele Rettungskräfte brauchen», sagte er.

Dramatische Szenen an Bord

Der Grund für den Brandausbruch ist noch unklar. Ungenaue Angaben gab es darüber, ob der Brand unter Kontrolle sei oder nicht.

Das Feuer breitete sich schnell über das Schiff aus, Augenzeugen schilderten griechischen Medien die Hitze und die Verzweiflung an Bord. «Der Boden brannte, als wir zum Rettungsboot gingen», sagte eine Frau, die gerettet wurde, dem Radiosender Skai. Ein anderer Reisender berichtete nach seiner Rettung: «Unsere Schuhsohlen begannen zu schmelzen.»

Im Verlauf der schwierigen Rettungsaktion sind auch Fragen zum Zustand der Fähre aufgetaucht. Schwere Vorwürfe erhebt im Radiosender Skai der Spediteur Panagiotis Panagiotopoulos, der zwei seiner Fahrer auf der Fähre hat. Er habe sich am Vorabend mit der Reederei gestritten, weil die Fähre nicht geeignet sei. «Das ist verantwortungslos!»

Legende: Video Sicherheitsmängel auf der «Norman Atlantic» abspielen. Laufzeit 2:01 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.12.2014.

Und unter anderem berichtet die griechische Zeitung «Efimerida ton Syntakton» in ihrer Online-Ausgabe, dass bei einer Inspektion am 19. Dezember zahlreiche Mängel an dem Schiff festgestellt worden seien.

Unter anderem wurden die Dichtungen, die Rettungsmittel und die Notbeleuchtung bemängelt. Vor allem habe das Schiff aber keinen klaren Rettungsplan gehabt. Die Mängel hätten binnen 15 Tagen behoben werden sollen.

Gemäss SRF-Korrespondent Philipp Zahn waren die LKW im Ladedeck nicht richtig gesichert. Beim schweren Seegang könnte so bei einer Kollision das Feuer ausgebrochen sein.

Defekt an einer Brandschutztür

Die «Norman Atlantic» ist nach Auskunft des Eigners erst am 19. Dezember einer Inspektion unterzogen worden. Gemäss dieser war das Schiff voll funktionstüchtig. Allerdings war eine «leichte Fehlfunktion» an einer Brandschutztür aufgefallen, die sofort behoben worden sei. Genau bei dieser Tür hat sich jetzt aber der Brand entwickelt.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Tja, da hatten die 90 Passagiere auf dem Dampfschiff Uri, welches gestern im Motorenraum Feuer fing, noch Glück, dass der Kapitän und die Mannschaft sofort reagierten. Doch die Dimensionen auf dem Fährschiff sind viel grösser und eine Rettungsaktion schwieriger. Hoffen wir, dass die restlichen Passagiere noch alle gerettet werden können. ich kann sehr gut mitfühlen, mussten wir vor 45 Jahren selber Passagiere eines brennenden Meerschiffes auf unser Schiff retten..
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  • Kommentar von Christa Wüstnet, Reinach
    Hier geht es um Menschen die sich in grösster Not befinden. Und in den meisten Kommentaren darum, dass ein falsches Bild dem Beitrag beigefügt ist. Ob das Schiff jetzt Griechenland oder Italien gehört u.s.w. Einfach unfassbar und unbegreiflich diese Argumente in den Vordergrund zu stellen.
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  • Kommentar von Sandra Sutter, Erlenbach
    SRF zählt bei einem Unglück immer die Schweizer. Das ist unterste Schublade.
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    1. Antwort von anneli aebersold, riggisberg
      Liebe Frau Sandra Sutter, ich pflichte Ihnen bei, aber die Deutschen zählen auch nur ihre Landsleute............
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    2. Antwort von Christa wüstner, Reinach
      Aber das ist keine Entschuldigung. Überlegen wir uns bei einem Autounfall auch erst, welche Nationalität hat der Verunfallte, welche Automarke fährt er. Aber ähnliche Einstellungen mussten wir ja schon bei den Berichten über die Ebolaerkrankten über uns ergehen lassen. Ich kann solche Einstellungen nicht verstehen.
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    3. Antwort von K.Sigrist, Triengen
      Frau Sutter, ich möchte sie daran erinnern dass sie auf der Seite des Schweizer Fernsehens sind. Auf einer deutschen Seite wird vermutlich die Anzahl deutscher Betroffene angegeben. Dies gehört zum Journalismus. Wenn in den Leserbeiträgen tatsächlich Mitgefühl bestehen soll, wäre die Nationenzuteilung der Fähre nebensächlich. Den verbleibenden Menschen wünsche ich viel Vertrauen.
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