Bürgerkrieg im Jemen eskaliert weiter

Seit Monaten versinkt das Land im politischen Chaos. Nach den Anschlägen vom Freitag in Sanaa rücken nun Rebellen auf das südlich gelegene Aden vor. Unterdessen fordert der gewählte Präsident Hadi die Vereinten Nationen auf, die Aggression in seinem Land zu stoppen.

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Über 120 Tote bei Anschlägen auf Moscheen im Jemen

0:50 min, aus Tagesschau vom 20.3.2015

Die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen vergrössern ihr Einflussgebiet auf dem Weg in den Süden des Landes. In der Nacht zum Sonntag seien die Aufständischen in die Stadt Tais eingerückt, sagte ein Verwaltungsbeamter der Stadt. Vor Ort hätten sie den Flughafen, eine Militärbasis sowie mehrere Staatsgebäude unter ihre Kontrolle gebracht.

Die Huthis beherrschen seit Monaten grosse Teile des Nordjemens sowie die Hauptstadt Sanaa. Sie hielten Jemens Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi sowie Regierungsmitglieder über Wochen in Sanaa fest.

Ende Februar floh Hadi in die südlich gelegene Hafenstadt Aden und erklärte sie am Samstag zur neuen offiziellen Hauptstadt. Das nun von den Huthis angegriffene Tais liegt knapp 200 Kilometer südlich von Sanaa und rund 130 Kilometer vor Aden.

Aden ist die zweitgrösste Stadt des Jemens und war einst Hauptstadt des sozialistisch geführten Südjemens, der 1990 in den von Sanaa aus regierten Nordjemen integriert wurde. In einem folgenden Bürgerkrieg hatte der Süden vergeblich um seine erneute Unabhängigkeit gekämpft.

USA ziehen Truppen komplett ab

Am Freitag hatten Extremisten in Sanaa Anschläge mit mehr als 130 Toten in zwei schiitischen Moscheen verübt. Unter den Opfern waren vor allem Anhänger der Huthi. Experten sehen den Anschlag als Versuch, aus den politischen Wirren im Jemen Kapital für einen religiösen Konflikt zu ziehen. Die sunnitische Miliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich inzwischen zu den Angriffen.

Aufgrund der Anschläge hat die USA ihre letzten Einsatzkräfte aus dem Land abgezogen. Das vermeldete der US-Sender CNN. Es handle sich um ein Truppenkontingent, das Al-Kaida und andere radikal-islamische Gruppen bekämpft habe. Bereits im Februar hatten die USA wie auch andere Staaten ihre Botschaften geschlossen.

Vereinte Nationen beraten über Konflikt

Der UN-Sicherheitsrat wird heute an einer Sondersitzung über die sich zuspitzende Lage im Jemen beraten. Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi hatte das Gremium eingefordert, mit allen Mitteln zu intervenieren, um die Aggression in seinem Land zu stoppen.

Er appelliere an den Sicherheitsrat, seiner Verantwortung gerecht zu werden, hiess es in einem Brief Hadis. Hadi wirft schiitischen Huthi-Rebellen vor, einen Staatsstreich angezettelt zu haben.