Burmesischer Frühling treibt erst zaghafte Knospen

Die Menschen in Burma hegten die Hoffnung auf eine politische Öffnung ihres Landes. Doch nun häufen sich die Fälle von Gewalt und sozialer Unterdrückung wieder. Yanghee Lee, UNO-Sonderberichterstatterin, berichtet SRF von einem Land, das viel Potential, aber nach wie vor auch grosse Probleme hat.

Tanzende Burmesinnen.

Bildlegende: Haben heute ein wenig mehr Möglichkeiten: Frauen in Burma. Keystone

Es ist fast unmöglich, sich vorzustellen, dass jemand Yanghee Lee abgrundtief hasst. Die südkoreanische Professorin ist eine elegante Erscheinung und vor allem eine stets freundliche. Selbst Unangenehmes, Erschütterndes erzählt sie in trockenem Ton und mit einem Lächeln. Ganz kann sie trotzdem nicht verbergen, dass ihr der jüngste Besuch als UNO-Sonderberichterstatterin in Burma sehr nahe ging. Sie wurde von radikalen Buddhisten aufs Gröbste verunglimpft.

EIne Frau mit Schirm in Burma.

Bildlegende: Zeichen einer Aufbruchstimmung: Eine Burmesin hat Blumen gekauft. Keystone

Vor allem sei sie traurig, sagt Yanghee Lee, gerade weil sie selber aus einem buddhistisch geprägten Land komme. Ashin Wirathu, ein fanatischer und erschreckend einflussreicher buddhistischer Mönch hat die UNO-Menschenrechtsexpertin als Hure bezeichnet.

«Glauben Sie nicht», beschimpfte er sie vor seinen Jüngern, «sie seien eine respektable Person, bloss weil sie ein UNO-Amt bekleiden. Bieten sie doch ihren Hintern den Schwarzen an.» Der klerikale Pöbel um Wirathu jubelte.

Ethnien und Religionen müssten versöhnt werden

Yanghee Lee bemüht sich um nüchterne Worte. Dieser Mann habe eine lange von Gewalt geprägte Vergangenheit. Das wüssten alle. Aber seine Anhängerschaft sei halt enorm gross. Es gebe in Burmas buddhistischer Geistlichkeit manche Extremisten. Was sie besonders erschüttert, ist aber, dass weder andere Mönche, noch die Regierung sich von den Schmähungen distanzierten.

Vor wenigen Tagen wurde Lee gar mit Gewalt gedroht. Man müsse dieser unmöglichen Frau eine Lektion erteilen. Als Hauptgrund vermutet sie ihr Engagement für gleiche Rechte für die muslimischen Rohingya in Burma, die heute Menschen zweiter Klasse seien.

Ein Mann verkauft in einem Township nahe Yangon Spielzeug, aber auch Waffen.

Bildlegende: Der Alltag in Burma ist allerdings nach wie vor durch Zeichen der Gewalt geprägt. Reuters

Yanghee Lee sieht Burma als Land mit grossem Potenzial, denn die meisten Menschen lehnten Gewalt ab. Und das Land verfüge über enorme Ressourcen. Es könnte wirklich erfolgreich und wohlhabend sein. Doch dazu müsse es gelingen, Ethnien und Religionen zu versöhnen – werde das nicht unverzüglich angepackt, greife die Gewalt, wie derzeit der Fall, immer weiter um sich.

Freie Wahlen sind ungewiss

Gewiss, es gebe Fortschritte im lange abgeschotteten Land. Anders als ihre Vorgänger durfte Yanghee Lee wenigstens ins Land reisen und recherchieren. Sie wurde von der Regierung zumindest teilweise unterstützt und geschützt. Aber sie sagt unverblümt, wenn auch mit einem Lächeln. Es gebe momentan mehr Rückschritte als Fortschritte

Noch immer stehe das Militär im Zentrum der Macht, ernenne einen Viertel der Abgeordneten, verfüge de facto bei allen Schlüsselentscheidungen über ein Vetorecht. Auf die Frage, ob denn im Herbst tatsächlich, wie geplant, freie Wahlen stattfänden und ob Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi doch noch als Präsidentin antreten dürfe, meint sie voller Zweifel: «Ich bin nicht sicher.»

Ist also Burmas Frühling bereits wieder vorbei? Nein, jedenfalls wolle sie das nicht glauben, sagt die UNO-Berichterstatterin entschieden.