Stützpunkt in Afrika «China ist an fremden Konflikten nicht interessiert»

Die erste Militärbasis in Übersee bedeute nicht, dass sich China nun überall einmischen werde, sagt China-Korrespondent Martin Aldrovandi.

Junger Mann in weissem Hemd.

Bildlegende: Martin Aldrovandi ist China-Korrespondent von Radio SRF. Er lebt in Schanghai. SRF

SRF News: Wieso baut China seinen ersten militärischen Stützpunkt in Übersee ausgerechnet in Afrika?

Martin Aldrovandi: Peking will seine Interessen in Afrika schützen, das sind vor allem wirtschaftliche. Es geht aber auch um den Schutz der Handelswege, denn in der Region sind immer wieder Piraten aktiv. Zudem soll der Militärstützpunkt in Dschibuti laut offiziellen Angaben eine Basis für humanitäre Hilfe und Friedensmissionen in der Region werden. Deshalb spricht Peking auch von einer «Logistik-Basis» und nicht von einem Militärstützpunkt.

Wie gross soll dieser Stützpunkt in Dschibuti werden?

Darüber gibt es keine offiziellen Angaben. Es gibt unbestätigte Berichte, wonach die Basis etwa 0,3 Quadratkilometer gross sein soll und dort bis zu 400 Soldaten stationiert werden. In Dschibuti verfügen übrigens auch andere Länder über Militärstützpunkte, so etwa die USA, Frankreich oder Japan.

Zwei grosse Schiffe verlassen einen Hafen.

Bildlegende: Chinesische Schiffe stechen in See. Ziel: Dschibuti. Keystone

Bedeutet diese erste Militärbasis Chinas in Übersee, dass Peking auch militärisch zur Weltmacht werden will?

China beteuert stets, dass es das nicht will. Das ist wohl auch im Fall des ersten Übersee-Stützpunkts so. In der eigenen Region ist China sehr wohl eine Grossmacht, doch weltweit ist es das sicher nicht. Peking verfolgt eine Politik des Nicht-Einmischens. Die Militärbasis in Afrika hat eher damit zu tun, die wirtschaftlichen Interessen in Afrika – wo sich China in den letzten Jahren immer stärker engagiert hat – zu schützen. In militärische Konflikte will sich China dagegen möglichst nicht einmischen.

«  China war in den letzten Jahrhunderten vor allem mit sich selbst beschäftigt. »

Diese Politik hat eine lange historische Tradition: Der letzte grosse Admiral Chinas stammt aus der Zeit der Ming-Dynastie. Zheng He unternahm Anfang des 15. Jahrhunderts mit grossen Flotten Expeditionen in den Pazifik und den Indischen Ozean. Doch seither gab es keine grösseren staatlichen Marine-Expeditionen mehr. China kehrte sich während Jahrhunderten gegen innen und war auch im 20. Jahrhundert mit eigenen Problemen wie Bürgerkrieg, Zweitem Weltkrieg oder inneren Unruhen beschäftigt. Deshalb ist China an fremden Konflikten nicht interessiert. Einzig, wenn es selber betroffen ist, etwa bei den Grenzstreitigkeiten mit Indien oder beim Inselstreit im Südchinesischen Meer, zeigt es auch militärisch die Zähne. Diese Einstellung wird sich in naher Zukunft wohl nicht ändern.

Das Gespräch führte Joël Hafner.

Bildlegende:Dschibuti liegt am Horn von Afrika. SRF