Cyber-Upgrade für US-Spione

Washington krempelt seinen wohl bekanntesten Späher-Dienst massiv um. Insbesondere die geheime Informationsbeschaffung der CIA mittels Hochtechnologie erhält einen noch grösseren Stellenwert. Man reagiere auf das «Tempo der Veränderungen» in der Welt komplexer Datennetze.

US-Militär vor Computerbildschirm

Bildlegende: Neue Einsatzzentren sollen bestehende CIA-Abteilungen zusammenführen und besser vernetzen. Reuters

Die CIA steht vor einem der grössten Umbauten ihrer Geschichte. Beim US-Geheimdienst werde ein neues Direktorat «Digitale Innovation» für Cybertechnologie geschaffen, kündigte CIA-Chef John Brennan an.

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Die Abteilung solle dafür Sorge tragen, dass die Aktivitäten im digitalen Bereich in allen Einsatzbereichen des Geheimdienstes eine zentrale Rolle einnähmen. Im Rahmen der Neuorganisation sollen zudem zehn Einsatzzentren entstehen, welche die einzelnen Abteilungen des Geheimdienstes enger zusammenführen und vernetzen sollen.

«Mutige Schritte nötig»

Der Bedarf für eine «vollständige und uneingeschränkte» Vernetzung der Fähigkeiten der CIA sei so gross wie nie, sagte Brennan in seiner Mitteilung an die Mitarbeiter. Nötig seien «mutige Schritte hin zu einer besser integrierten, kohärenten und verlässlichen Ausführung» der Geheimdiensttätigkeiten.

Nach US-Medienberichten könnten die umfassenden Reformpläne Brennans tausende CIA-Mitarbeiter betreffen. Die Reform zielt nach Ansicht von Experten auch darauf, traditionelle Rivalitäten zwischen Abteilungen zu beenden und deren Informationsaustausch zu verbessern.

Der Terror aus dem Cyberraum

Die Verbesserung der Cybersicherheit gehört angesichts der seit Jahren steigenden Zahl gefährlicher Angriffe auf Computersysteme zu den zentralen Anliegen der US-Regierung. Zuletzt sorgte ein Hackereinbruch bei der Filmfirma Sony für Aufregung, bei dem sensible Daten an die Öffentlichkeit gelangten. Die US-Regierung machte Nordkorea für die Attacke verantwortlich, Pjöngjang wies dies zurück.

Im vergangenen Monat äusserte der Nationale Geheimdienstdirektor der USA, James Clapper, die Einschätzung, dass Angriffe ausländischer Kräfte aus dem Cyberraum eine grössere Gefahr für die nationale Sicherheit darstellten als terroristische Anschläge.

Digitales Umfeld verstehen

Die 1947 gegründete CIA ist bislang in vier Direktorate unterteilt. Das neue digitale Direktorat werde nun die gleiche Bedeutung haben wie die alteingesessenen, sagte Brennan.

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Was darf der Weltpolizist USA?

11 min, aus 10vor10 vom 11.12.2014

Durch die fortschreitende Digitalisierung werde es für die Behörde immer schwieriger, ihre Aufgaben zu erfüllen. «Daher müssen wir als Dienst sicherstellen, dass wir alle Aspekte des digitalen Umfeldes verstehen können.»

Traditionell ist in den USA der Nachrichtendienst NSA für modernste Hochtechnologie zuständig. Ein Insider sagte jedoch, aus Sicht der CIA sei der Umbau nötig geworden, um mit dem «Tempo der Veränderungen» auf diesem Gebiet Schritt halten zu können.

CIA-Spion in Russland

Ein Ex-Polizist ist wegen Spionage für die CIA zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde des Versuches schuldig befunden, geheime Dokumente des russischen Innenministeriums zu übermitteln. Gemäss Anklage wurde er erwischt, wie er Dokumente in einem Versteck deponierte. Es sollen ein CIA-Dankesbrief und 37'000 Euro in bar gefunden worden sein.