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International Davutoglu besucht Merkel: «Wir verlangen Solidarität»

Heute finden in Berlin die ersten deutsch-türkischen Regierungskonsultationen statt. Kritische Worte für den Umgang der türkischen Regierung mit Oppositionellen wird Kanzlerin Merkel wohl kaum finden. Denn das Topthema ist die Flüchtlingspolitik.

Legende: Video «Davutoglu: «Wir betteln nicht um Geld bei der EU»» abspielen. Laufzeit 1:13 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 22.01.2016.

In der Flüchtlingspolitik spielt die Türkei eine Schlüsselrolle für Deutschland und für die EU. Im vergangenen Jahr kamen mehr als eine Million Flüchtlinge nach Europa, die meisten von ihnen kamen über die Türkei.

Im Aktionsplan, den Ankara und Brüssel im November beschlossen haben, verpflichtet sich die Türkei, Flüchtlinge nicht länger unkontrolliert nach Europa ziehen zu lassen und besser zu versorgen. Im Gegenzug zahlt die EU drei Milliarden Euro. Dieses Geld ist jedoch noch nicht geflossen. EU-Vizekommissionschef Frans Timmermans monierte, die Türkei tue nicht genug, um die Flüchtlingszahlen zu verringern.

Türkei habe Massnahmen umgesetzt

Der Türkei gehe es nicht einfach ums Geld, sagte der Türkische Premierminister Ahmet Davutoglu am Weltwirtschaftsforum in Davos, einen Tag vor seinem Besuch in Berlin: «Wir verlangen Solidarität.» Während in der EU weiter diskutiert werde, habe die Türkei versprochene Massnahmen bereits umgesetzt. Es würden Arbeitsvisa für syrische Flüchtlinge ausgestellt und man habe die Visumspflicht für Syrer aus Drittstaaten eingeführt. Diese Kritik an die EU wird Davutoglu wohl auch an Kanzlerin Angela Merkel richten.

Wohl keine kritischen Worte Merkels

Ob Merkel ihrerseits auch kritische Punkte ansprechen wird, ist offen. Deutschland hat sich zur Unterdrückung der Opposition in der Türkei, zur mangelnden Pressefreiheit und zu der erneuten Eskalation im Kurdenkonflikt, wie die meisten anderen EU-Staaten, auffallend still verhalten. Zu sehr sind sie in der Flüchtlingsfrage auf die Kooperation der Türkei angewiesen.

13 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Die Türkei nimmt zwar gerne die Milliarden der EU - es dürften auch noch ein bisschen mehr sein - aber v.a. kämpfen die Türken für einen visafreien Zutritt für alle türkischen Bürger zum Schengenraum. Das geht nicht nur die EU an, sondern ebenso die Schweiz.
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  • Kommentar von Walter Balmer (W. Balmer)
    Solange Frau Merkel nicht auf die Idee kommt, mit Europa zusammen die Türkei als unsicheres Ferienland zu deklarieren, solange wird die Türkei Forderungen an Europa stellen. Wenn es laut den Medien für Flüchtlinge in der Türkei nicht sicher ist, muss dies auch für die "Geiz ist geil" reisenden Touristen gelten. Die Russen haben es vorgemacht. Aber Europa (Merkel) scheint hier die Cleverness abzugehen.
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  • Kommentar von Fredchen Schoch (Verschwörer)
    Wieso kann man dieses Geld nicht dem UNHCR abgeben.Da beim UNHCR in den letzen Jahren zuwenig Geld vorhanden war,geplant oder nicht,machten sich ja viele Einwanderer auf den weg nach Europa..Es darf doch nicht sein das die Türkei Geld fordert für Flüchtlingsbetreuung von Menschen die vom IS,Freie Syrische Armee und Al-Nusra fliehen,wenn ja bekannt ist das genau diese Terrorschergen von Erdogan mitfinanziert werden.Die lage in Flüchtlingscamps in Libanon werden immer unmenschlicher..
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