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Historischer Besuch «Den Dämon vertreiben»: Japans Premier in Pearl Harbor

Legende: Video Japans Premier Abe besucht Pearl Harbor abspielen. Laufzeit 1:59 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 27.12.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Japans Präsident Abe wird heute Dienstag gemeinsam mit US-Präsident Obama der gefallenen US-Soldaten in Pearl Harbor gedenken.
  • Bei dem japanischen Überraschungsangriff am 7. Dezember 1941 waren etwa 2400 Amerikaner getötet worden.
  • Tokio und Washington wollen ihr Bündnis stärken, nicht zuletzt, um China in Asien besser in die Schranken weisen zu können.
  • Japans Premier versucht den Weg auch frei zu machen für gute Beziehungen zum kommenden US-Präsidenten Trump.

Vor einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama in Pearl Harbor ist der japanische Premierminister Shinzo Abe auf Hawaii eingetroffen. «Der Schrecken des Krieges sollte sich niemals wiederholen», sagte Abe vor seiner Abreise in Tokio.

Gemeinsames Gedenken an US-Opfer

Der japanische Regierungschef und der US-Präsident wollen gemeinsam der Opfer des japanischen Angriffes auf die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 gedenken. Damals waren 2400 US-Amerikaner ums Leben gekommen. Der Angriff hatte zum Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg geführt.

Brennendes Kriegsschiff mit Schlagseite
Legende: Nach einer gewaltigen Explosion war die Arizona beim japanischen Angriff im Dezember 1941 gesunken. Reuters

Die beiden Staatsmänner wollen sich heute Dienstag zu Gesprächen treffen, bevor sie das Denkmal des in Pearl Harbor versenkten Kriegsschiffes «USS Arizona» besuchen.

Japans aussenpolitisches Projekt

Das Treffen mit dem US-Präsidenten gehört, nach Einschätzung des Japan-Korrespondenten Martin Fritz, zum «aussenpolitischen Projekt Abes», mit dem er auch «ein Schlussstrich unter die Vergangenheit» ziehen wolle.

Sein Land solle «vor allem in Asien nicht mehr ständig als Täter und Angreifer im Zweiten Weltkrieg dastehen», fügt Japan-Experte Fritz hinzu. Und sowohl Tokio als auch Washington wollten ihr Bündnis stärken, um gemeinsam «China in Asien besser in die Schranken weisen zu können».

«Dämon Pearl Harbor vertreiben»

Darüber hinaus wolle Tokio das Geschehen in Pearl Harbor mehr und mehr in den Hintergrund treten lassen. Der «letzte gemeinsame Dämon zwischen den beiden Ländern», als den ein US-Experte Pearl Harbor bezeichnet hatte, soll mit der Visite Abes auf Hawaii «vertrieben werden», fügt Japan-Kenner Fritz hinzu.

Letztlich gehe es dem japanischen Regierungschef bei seinem Besuch in Pearl Harbor auch darum, «den Weg frei zu machen für gute Beziehungen zum kommenden US-Präsidenten Donald Trump», ergänzt der Journalist in Tokio.

Keine Entschuldigung Abes zu erwarten

Abe ist bereits der dritte japanische Regierungschef, der Pearl Harbor besucht. Aber es ist das erste Mal, dass ein japanischer Ministerpräsident Pearl Harbor besucht und dabei auch das Mahnmal für die 1177 US-Soldaten aufsucht, die während des Angriffs auf der «USS Arizona» getötet worden waren.

Eine Entschuldigung Abes für den ohne Kriegserklärung ausgeführten Angriff wird nicht erwartet, betont Fritz. Ebenso wie sich Obama vor wenigen Monaten bei seinem Besuch in Hiroshima nicht für den Abwurf der ersten Atombomben über Japan entschuldigt hatte.

Die Feindschaft zwischen Japan und den Vereinigten Staaten ist indes überwunden. Sie gelten inzwischen als enge Verbündete in der Pazifik-Region, die durch Interessen Chinas und die Provokationen Nordkoreas vor Herausforderungen steht.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Pearl Harbor war für die (Kriegs)industrie der USA ein willkommener Anlass, um offiziell im 2. WK mit zu wirken. Manche sind der Meinung, man ließ den Angriff bewusst zu. Für die USA war es ein verschmerzbarer Kolateralschaden, der propagandistisch ausgeschlachtet wurde. Wie andere Kommentatoren schrieben, haben die Japaner in Asien weit schlimmere Verbrechen verübt. Die Motivationen waren ähnlich wie bei NS-Deutschland ethnisch begründet. Ziele war mehr Lebensraum und Rohstoffe.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Jaja, getreu der kindischen Devise: "Wie Du mir (nicht), so ich Dii (nicht)r", hat sich auch der japanische Premier für die Opfer von Pearl Harbor nicht entschuldigt, so wie dies Obama für die 150''000 Hiroshima-Opfer unbegreiflicherweise beim Besuch in Japan nicht getan hatte. Warum liess es dir Stolz der beiden Bosse nicht zu, sich mindestens zu entschuldigen, geschweige denn, eine Entschädigung der Opfer zu bezahlen, wie dies die gute Schweiz z. b. bei Asbest- und Verdingopfern tut'
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Japan hat alle Gruende sich fuer seine faschistische Vergangenheit zu entschuldigen. Dennoch fragt man sich, warum Obama nicht nach Vietnam oder Kambodscha reist, um sich fuer die toten Zivilisten zu entschuldigen. Auch die Japaner haben viel mehr Verbrechen in ostasien begangen, als im kriegsrechtlich ganz legitimen Angriff auf Pearl Harbor. Kurz, es geht wohl mehr um die Gegenwart als tatsaechlich um die Vergangenheit.
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