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Proteste gegen Trump «Der Lack an Trump wird abblättern»

Der Protestforscher Dieter Rucht glaubt, dass der Protest in den USA gegen Trump politische Wirkung entfalten wird.

Legende: Audio «Mehr als ein Strohfeuer» abspielen. Laufzeit 5:48 Minuten.
5:48 min, aus SRF 4 News aktuell vom 08.02.2017.

SRF News: Weshalb glauben Sie, dass sich die Proteste in den USA gegen Präsident Trump mehr sind als ein Strohfeuer?

Dieter Rucht: Das ist vor allem in der Person von Donald Trump begründet. Er tritt als Egomane auf, quasi als absolutistischer Monarch. Deshalb bündelt sich die ganze Kritik, die sich unter anderen Umständen auf verschiedene Ministerien und Behörden verteilen würde, auf seine Person.

Bei der «Occupy»-Bewegung gab es auch einen gemeinsamen Feind – die Wall Street. Trotzdem ist die Bewegung versandet ...

Bei «Occupy» wurden öffentliche Plätze über Tage, Wochen oder Monate besetzt. Das machen nur wenige Leute mit. Hinzu kommt, dass «Occupy» teilweise auch wegen internen Problemen niedergegangen ist. So wollten die Aktivisten keine Repräsentationsstrukturen und sie lehnten Bündnisse mit etablierteren Protestorganisationen ab.

Bei Trump und der Kritik an ihm ist die Situation anders: Hinter den Protesten steht eine ganze Bandbreite an ressourcenstarken zivilgesellschaftlichen Organisationen. Sie sind in vielen Politik-Bereichen aktiv, wie etwa im Frauen- oder Umweltbereich. Zudem wird es vermutlich zu einem Bündnis mit der parlamentarischen Opposition, dem Kernbereich der Demokratischen Partei, kommen. Ausserdem ist auch eine Reihe von Gruppierungen, die von Künstlern bis hin zu den wichtigsten Unternehmern der IT-Branche – Stichwort Apple, Google oder Facebook – reicht, gegen Trump. Der US-Präsident hat also nicht nur ein paar Leute auf der Strasse gegen sich, sondern er hat mit einem breiten Widerstand an vielen Fronten zu rechnen.

Protestierende Menschen stehen im Gegenlicht vor dem One World Trade Center.
Legende: Protestierende Menschen in New York. Keystone

Besteht dabei nicht die Gefahr, dass sich die Kritiker verzetteln und keinen gemeinsamen Nenner finden?

Wenn alle diese Gruppen eine einheitliche Politik definieren müssten, bestünde diese Gefahr in der Tat. Doch das müssen sie gar nicht. Auf absehbare Zeit genügt es, sich gegen spezifische Vorhaben Präsident Trumps zu wenden. Der grosse gemeinsame Nenner ist dabei die Kritik an Trump, an seinem Auftreten und an seinem Politikstil. Dabei wird die fachliche Kritik jeweils von der thematisch-spezifisch betroffenen Gruppen vorgetragen.

Die ganze Kritik wird auf Trump als Person gebündelt.

Führen die Proteste all dieser verschiedenen Gruppierungen die USA nicht in einen Zustand ständiger Konflikte?

Für die nächste Zukunft ist dies tatsächlich absehbar. Die bereits stark polarisierten USA werden sich weiter polarisieren. Dies auch deshalb, weil sich ein Teil der Noch-Anhängerschaft Trumps enttäuscht abwandern oder sich resigniert zurückziehen wird. Moderatere Unterstützer, die zunächst Hoffnung in ihn gesetzt hatten, werden sich also von Trump abwenden. Auf Seite des Präsidenten bleibt dann ein deutlich radikalisierteres und härteres Lager übrig, das Trump weiter unterstützen wird.

Die Chancen für eine starke Anti-Trump-Bewegung sind sehr gut.

Ist es nicht etwas Wunschdenken, davon auszugehen, dass die Unterstützung für Trump weiter abnehmen wird?

Tatsächlich besteht die Gefahr, dass man sich selber zunächst einmal Mut zuspricht. Doch unter den beschriebenen Umständen sind die zusammengenommenen Chancen – in der Fachwissenschaft heisst das Gelegenheitsstrukturen – für eine starke Anti-Trump-Bewegung sehr gross.

Falls es so kommt: Welche politische Wirkung werden die Proteste entfalten können?

Der reine Strassenprotest wird kaum etwas bewirken. Doch Trump wird an vielen Stellen gebremst und entzaubert werden. Seine Selbstpräsentation als Macher und dynamische Kraft, die das Establishment in den USA aushebelt, wird er längerfristig nicht aufrechterhalten können. Der Lack wird abblättern.

Das Gespräch führte Monika Glauser.

Dieter Rucht

Dieter Rucht

Der deutsche Soziologe Dieter Rucht war bis zu seiner Emeritierung 2011 Professor am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin. Seit 2012 ist er Vorstandsvorsitzender des Vereins für Protest- und Bewegungsforschung.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Gadient (Roland Gadient)
    Von Studierten und Besserwisser halte ich nicht viel, das sind die grössten Volksverführer. Die Putin und Trumphasser zeigen es was sie unter Demokratie verstehen, nach dem Prinzip wer nicht uns ist, ist gegen uns und der muss eliminiert werden. Diesmal wird es nicht gelingen, auch nicht mit der dubiosen Gestalt Soros , das hat er auch in der Ukraine probiert und wird dort scheitern, wie dazumal ein Propagandaminister vor 70 Jahren das Volk belogen hat. Aber sicher nicht Trump, er hat recht.
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    1. Antwort von Peter Holzer (Peter Holzer)
      Gadient: Sie dürfen natürlich von wem auch immer halten was sie wollen. Aber wenn sie hier einfach gegenteilige Prognosen zu denen von Herrn Rucht stellen, kann dies ja genau so als Besserwisserei abgetan werden oder? Trump muss man nicht hassen, ich denke es reicht wenn man ihm zuhört um sich eine Meinung zu bilden. Ich höre seine Interviews, seine Aussagen, seine Wortwahl und ziehe daraus meine Schlüsse.
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  • Kommentar von Armin Spreter (aspre)
    Eines der ganz wenigen Beispiele, wo die alte Volksweisheit "neue Besen kehren gut" schlicht versagt hat.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Hat nicht schon der Göring von eisernen Besen gesprochen und viel später der Sarkozy vom Kärcher?
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Trump hat mit einem breiten Widerstand von linksideologistischen Gegnern der Demokratie und der freien Meinungsäusserung zu tun. Noch bei keinem neuen Präsidenten, nicht einmal bei Dabelju gab es derart gewaltige Protestaktionen wie gegen Trump. Aber Trump wird stark genug sein, um all diese scharfen Schüsse zu überleben. Schliesslich wurde er demokratisch gewählt. Er wird sein Temperament noch zähmen müssen, aber er wird nicht untergehen,
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    1. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Der Widerstand hat nichts mit linksideologisch zutun, sondern mit gesundem Menschenverstand. Immer mehr seiner Wähler begreifen das Sie mit dem vermeintlich kleineren Übel, dass grössere gewählt haben!!
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Erstens gibt es in den USA sozusagen keine Basis der Demokratiegegner, zweitens müssen Sie linksideologien mit dem Mikroskop suchen und drittens bauen die Proteste ja regelrecht auf die freie Meinungsäusserung. Vermutlich verstehen nicht einmal Sie selbst wie Sie darauf kommen das seien Gegner der freien Meinungsäusserung. Jeder Satz in Ihrem Post ist also falsch.
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