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International Die entführten Mädchen werden vom Staat Nigeria im Stich gelassen

Die Islamistengruppe Boko Haram hat sich zu der Entführung von mehr als 230 Schülerinnen in Nigeria bekannt. Boko Haram-Chef Abubakar Shekau kündigte deren «Verkauf», «Versklavung» und Zwangsverheiratung an. Die Menschen in Nigeria sind empört.

«Ich habe eure Mädchen entführt», sagte Boko Haram-Chef Abubakar Shekau in einem Video, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. «Ich werde sie auf dem Markt verkaufen, so Gott will.» In der 57 Minuten langen Aufnahme sprach der Boko Haram-Chef von den 276 Schülerinnen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, die vor drei Wochen aus ihrer Schule in Chibok im Nordosten des Landes verschleppt worden waren. Von den Geiseln konnten bislang 53 Mädchen fliehen. Häufig werden Geiseln von den Islamisten als Sexsklavinnen missbraucht.

Die Angehörigen der Mädchen und die Bevölkerung in Nigeria seien wütend, sagt die Journalistin Kathrin Gänsler. Gänsler lebt in der nigerianischen Stadt Lagos. «Die Menschen sind nicht erst seit dieser Videobotschaft empört. Gerüchte, dass Boko Haram diese Mädchen verkaufen will, gab es schon vor zehn Tagen.»

Gerüchte existierten schon

Laut den Gerüchten seien einige der Entführten über die Grenze zum Tschad und nach Kamerun für jeweils zehn Dollar zwangsverheiratet worden, sagt Gänsler. Das sei schlecht nachprüfbar, ausserdem sei der Preis sehr tief. «Aus der Sicht der Gruppe könnte man für die Mädchen sehr viel mehr verlangen.»

Einerseits demonstriere Boko Haram mit dieser Aktion Macht, andererseits könne Boko Haram damit die Bevölkerung gegen die Regierung aufhetzen, sagt Gänsler. «Die Regierung hat diese Entführung am Anfang ignoriert. Zehn Tage lang ist fast nichts passiert, um nach diesen Mädchen zu suchen.»

Das mache die Bevölkerung genauso wütend wie die Entführung selbst, so Gänsler. Am Anfang habe es sehr viele Spekulationen geben. «Es war überhaupt nicht klar, wie viele Mädchen entführt worden sind.» Und, so habe die Bevölkerung den Eindruck, dass etwas nicht ernstgenommen werde, wenn es im Bundesstaat Borno passiere.

Gefangen in einem Waldgebiet

Es gelte nun aber als wahrscheinlich, dass sie sich in einem Waldgebiet im Bundesstaat Borno gefangen gehalten werden. Dieser Bundesstaat liegt im äussersten Nordosten von Nigeria. Boko Haram hat dort seine Wurzeln. «Man muss sich bewusst sein, dass die Gruppe nun die Mädchen bei sich hat. Das heisst, dass ein Militäreinsatz in diesem Waldgebiet sehr schwierig wird», sagt Gänsler. Auch sei das nigerianische Militär nicht dazu ausgebildet, Terrorismus zu bekämpfen.

Gänsler sagt: «Am Mittwoch findet in Abuja das World Economic Forum on Africa statt. Das Thema wird wahrscheinlich am Rande dieser Konferenz behandelt. Es könnte da durchaus mehr Druck oder eine bessere Zusammenarbeit entstehen.»

13 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Bei nur 10$ pro Person wäre es schon fast interessant, wenn das VBS die 2780$ in die Hand nimmt, diese Mädchen abkauft, hier zu hervorragenden Soldatinnen ausbildet und dann in 1 - 2 Jahren heim schickt um gegen diese Menschenhändler zu kämpfen.
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  • Kommentar von Th. Widmer, Basel
    Die Islamistengruppe Boko Haram missbraucht die Mädchen und setzt die als Sexsklaven ein? Geht es noch gut? Was für ein Glaben haben die Islamisten den, dass es sie im Namen Ala oder Gott Kindermissbrauchen dürfen? Es macht mich sehr trauig und es tut mir unendlich leid was diese Mädchen angetan wird und nur einmal mehr durch Islamisten Extrimisten oder Terroristen wie ich die Nennen würde. Hier sollte Intl. die Menschenrechte für die aufgehoben werden und kurzen Prozess gemacht werden..
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Widmer - wenn Sie sich mal mit der erniedrigenden Rolle der Frau im Islam befassen, werden Sie verstehen, warum sich die Boko Haram derart frauenverachtend aufführt. Das hat alles tiefe Wurzeln uind spiegelt sich auch in der islamischen Rechtssprechung nieder, wo Frauen bei Heirat, Scheidung, Erbrecht, Justiz, etc. massiv benachteiligt werden. Der Prophet Mohammed hatte eine extreme Hass/Liebe auf Frauen und behauptete, dass sie "die Mehrheit der Bewohner der Hölle bilden."
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  • Kommentar von R.G., Solothurn
    Dies ist bloss die Spitze des Eisbergs. Christenverfolgung geschieht täglich und die Welt nimmt kaum Notiz davon. Wir stecken in einer unglaublichen Passivität fest – solange es uns gut geht, schauen wir weg. Die Früchte des Humanismus wirken lähmend.
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    1. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      @R.G.: wie kommen Sie auf die Idee, bei den entführten Schülerinnen handle es sich um Christinnen? Boko Haram ist gegen jegliche Bildung, auch diejenige von Musliminnen - Und es ist ganz bestimmt nicht der Humanismus der "uns wegschauen lässt".
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Würz - Ihre islamophile Naivität ist wirklich herzig. Falls sie es verpasst haben sollten: Boko Haram hat vor ein paar Wochen ca. 300 christlichen Schülerinnen entführt, weil man sich in Nord-Nigeria im Jihad gegen alles nicht-islamische befindet. Das Verschleppen und Zwangskonvertieren von nicht-muslimischen Mädchen hat im Islam eine lange Tradition und findet fast überall in der islamischen Welt statt. Kann man alles wissen, wenn man will, aber eben.....
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    3. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      @Herr Christen: im Norden Nigerias leben hauptsächlich Muslime. Können Sie mir eine Quelle nennen die von christlichen Schülerinnen spricht?
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