Die grössten Probleme Afghanistans

Afghanistan wird nach der Stichwahl für das Präsidentenamt einen historischen Machtwechsel erleben. Doch die gigantischen Probleme des Landes bleiben.

Ein Mann, der vor einer Betonmauer sitzt und sein Gesicht in den Händen vergräbt. Er scheint zu weinen.

Bildlegende: Afghanistan gehört noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt. Reuters

  • Die Sicherheitslage: Die Gewalt in Afghanistan dauert inzwischen seit 35 Jahren an, ein Ende ist nicht abzusehen. Die Taliban haben angekündigt, dass sie ihren Kampf fortsetzen werden. Aus ihrer Sicht ist auch der künftige Präsident nur ein Regierungschef von Washingtons Gnaden. Friedensgespräche mit der Regierung lehnen die Aufständischen bislang kategorisch ab.
  • Kriminalität und Korruption: Eng verwoben mit den Taliban ist die organisierte Kriminalität, die das Land destabilisiert. Besonders das Drogengeschäft blüht: Afghanistan ist weiterhin der weltgrösste Produzent von Rohopium, dem Grundstoff für Heroin. Kriminalität und Korruption begünstigen sich gegenseitig. Afghanistan ist eines der korruptesten Länder der Welt, was wiederum Gift für die wirtschaftliche Entwicklung ist.
  • Die wirtschaftliche Lage: Afghanistan ist weiterhin eines der ärmsten Länder der Welt. Zwar ist die Wirtschaft in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, aber von einem extrem niedrigen Niveau aus – und das Wachstum hat inzwischen stark nachgelassen. Die wirtschaftliche Lage wird sich mit dem fortschreitenden Abzug der ausländischen Soldaten weiter verschärfen. Die Truppen haben Arbeitsplätze für Tausende Afghanen geboten.
  • Der internationale Militäreinsatz: Der Nato-Kampfeinsatz läuft Ende des Jahres aus. Ein Sicherheitsabkommen mit den USA hat die afghanische Seite bislang nicht unterzeichnet. Es ist Basis für einen geplanten Nato-Folgeeinsatz zur Unterstützung und Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte. US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, dass auch im Falle eines Folgeeinsatzes fast alle amerikanischen Soldaten bis Ende 2016 abgezogen werden sollen. Ein internationaler Militäreinsatz ohne die mächtigen USA ist unrealistisch.
  • Die internationale Unterstützung: Zwar hat die Internationale Gemeinschaft Afghanistan Unterstützung bis 2024 zugesichert. Ob alle Zusagen umgesetzt werden und wie die Hilfe konkret ausgestaltet werden soll, ist aber nicht immer klar. Befürchtet wird, dass mit dem Abzug der ausländischen Truppen die Aufmerksamkeit für Afghanistan und die Bereitschaft für internationale Unterstützung sinkt. Nicht nur im zivilen Bereich ist das Land von ausländischer Hilfe abhängig, auch die afghanischen Sicherheitskräfte sind darauf angewiesen.