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International «Die Schwarzmeerflotte wird von Putin bloss vorgeschoben»

Russland rechtfertigt seine Aktionen auf der Krim damit, es müsse dort seine Bürger schützen. «Das ist nur ein Vorwand, mit dem Präsident Putin sein korrputes Regime legitimiert», sagt der in Kiew lehrende Politologe Andreas Umland.

Mehrere Dutzend bewaffnete Soldaten in grünen Uniformen sammeln sich in der Ferne um einen Truppentransporter.
Legende: Mutmassliche russische Soldaten auf der ukrainischen Krim-Halbinsel. Reuters

SRF: Will Russland tatsächlich, dass sich die Krim anschliesst?

Andreas Umland: Russland wohl nicht unbedingt. Für Präsident Putin allerdings ist dies ein wichtiger Faktor. Er muss das korrupte Regime, das er in Russland hat, rechtfertigen. Das geschieht durch solche aussenpolitischen Abenteuer.

Es geht also vor allem um russische Innenpolitik und weniger um die Schwarzmeerflotte, die auf der Krim stationiert ist?

Es geht tatsächlich um die Innenpolitik und die Legitimationsgrundlage für Putins autoritäres Regime. Dieses ist ja auch ökonomisch nicht mehr so erfolgreich, wie das noch Anfang des letzten Jahrzehnts der Fall war. Die Schwarzmeerflotte ist eines der Probleme, die vorgeschoben werden. Ähnlich fragwürdig ist die von Moskau ins Spiel gebrachte Unterdrückung der ethnischen Russen oder rechtsextremeTendenzen in der Ukraine.

Die Ukraine würde einen Krieg gegen Russland verlieren.

Die Krim kam erst 1954 zur damaligen ukrainischen Sowjetrepublik. Würde die Ukraine die Krim trotzdem einfach so gehen lassen?

Sie müsste dies wohl geschehen lassen, weil sie keine Mittel dagegen hat. Die Ukraine hat zwar eine Armee und könnte einen Krieg gegen Russland führen. Doch sie will diesen Krieg nicht führen und würde einen solchen auch verlieren.

Würde die Ukraine von der EU und USA denn keine Unterstützung erhalten?

Militärisch mit Sicherheit nicht. Für die nächste Zeit wird vielmehr die Frage sein, inwieweit der Westen bereit ist, mit Sanktionen gegen diese Sezession und den Anschluss der Krim an die russische Föderation vorzugehen.

Können Sanktionen denn einen Anschluss der Krim an Russland noch verhindern?

Bis zum Referendum bleiben zehn Tage. Nur falls die EU ein Sanktionspaket schnürt, das in der russischen Elite tatsächlich Verunsicherung hervorruft, könnte die Abspaltung der Krim möglicherweise noch verhindert werden. Aber ich zweifle daran, dass die EU bereit und in der Lage dazu ist, so schnell zu reagieren.

Auch im Osten der Ukraine leben viele Russen. Ist auch dort der Anschluss an Russland ein Thema?

Das Thema wird dort von sogenannten Touristen aus Russland geschürt. Das sind bezahlte Aufwiegler, die über die offene Grenze aus Russland kommen. Sie heizen die teils vorhandenen separatistischen Tendenzen an. Trotzdem wird eine Abspaltung für das ukrainische Festland wohl kein Thema sein. Wahrscheinlich wird es im Osten der Ukraine weiterhin Unruhen geben – geschürt von Russland. Aber an eine Abspaltung glaube ich nicht.

Wieso nicht?

Die politischen Kräfteverhältnisse und historischen Rechtfertigungen für eine Abspaltung sind im Osten der Ukraine anders. Die Krim ist tatsächlich ein Sonderfall, weil dort die ethnischen Russen mit 60 Prozent der Bevölkerung eine Mehrheit bilden. Das ist in der Ost-Ukraine nicht der Fall. Die Abspaltung dieses Gebietes wäre ein immenser Skandal – Russland würde noch viel stärker isoliert.

Die Krim dürfte sich also von der Ukraine abspalten und Russland zuwenden. Wird es im Gegenzug zu einer raschen Annäherung der restlichen Ukraine an Europa kommen?

Das ist wahrscheinlich. Es herrscht nun eine grosse Aufmerksamkeit des Westens und der EU für die Ukraine. Zudem gibt es in Kiew eine pro-europäische Regierung. Deswegen erwarte ich schnelle Fortschritte bei der europäischen Integration der Ukraine.

Das Interview führte Lukas Mäder.

Zur Person

Zur Person

Der Politologe Andreas Umland lehrt derzeit an der Universität Kiew. Er ist Doktor der Geschichte und Spezialist für russische Politik.

Krim stimmt ab

Am 16. März sollen die Bewohner der Krim nach dem Willen des Regionalparlaments über eine Abspaltung von der Ukraine abstimmen. Falls sie sich dafür entscheiden, ist dies rechtlich kaum ein Problem. Der Völkerrechtler Michael Bohte verweist auf den Fall Kosovo. Entsprechend solle die EU den Willen der Krim ebenfalls akzeptieren, sagt er.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Elena Althaus, Bern
    Was sucht Ukraine im Krim? Und wieso Amerika und UE sich so daran interessieren, dass Krim samt seine Bevölkerung nicht Ihr Wunsch erfüllen dürften und sich den Russland anschliessen "dürften"? Ich habe Kusine und zwei Neffen im Sewastopol. Sie haben mir am Telefon bestätigt, dass die Bevölkerung der Stadt hat dem Putin persönlich mehreren Briefe geschrieben und baten ihn um Hilfe und um Schutz! Die Menschen haben es genug gesehen und genug gehabt mit so zusagen "ukrainischen Regierung".
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  • Kommentar von maria pfister, st.gallen
    Warum, wenn Putin, dann sofort Regime? Was für Regime? Russland ist demokratisches Land. So kann man auch sagen: Merkel Regime, Obama Regime, usw.
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  • Kommentar von Maria Pfister, St. Gallen
    Herr Umland lehrt an der Uni Kiew? Alles klar: die Faschisten (= neue "Regierung" in Kiew) haben sein Gehirn bereits gewaschen. Russland macht alles richtig. Krim stimmt ab - demokratische und legitime Entscheidung. Russische Truppen sorgen in Krim für Stabilität und Frieden. Schauen Sie was Leute in Krim auf ihren Plakaten schreiben: DANKE Russland! DANKE Putin. Westen führt einen Informationskrieg: falsche Meldungen, Halbwahrheiten, einfach mal Lügen. Gibt es überhaupt journalistische Ethik?
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    1. Antwort von Althaus Elena, Bern
      Vielen Dank, Fr. Pfister. Sie haben es wirklich so geschrien, wie dies die Menschen auf den Halbinsel sehen! Ich schlisse mich voll Ihrer Meinung! Ich würde sogar noch selber, wenn es zu Konflikt kommen sollte (was ich nicht denke) das Geld spenden und mit allen Mittel die Menschen im Krim unterstützen, dass sie endlich nicht mehr unter dieser Regierung sind, die selber was nicht wohin ist richtig zu lenken und befreunden sich gerne mit dem, der mehr "bezahlt".Ich respektiere Putin jetzt wie nie
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