«Die WM-Vergabe an Katar war zutiefst illegal»

Im kommenden April wird der Europarat sich mit der Vergabe der WM an Katar befassen. Im Plenum wird es dann um einen Entschliessungsantrag gehen, der heute verabschiedet wurde und klare Worte findet: Die Vergabe an das Emirat müsse rückgängig gemacht werden.

Geplantes Lusail Iconic Stadium in Katar (Modell)

Bildlegende: Geplantes Lusail Iconic Stadium in Katar Keystone / Fifa

Ein Ausschuss des Europarats hat den Weltfussballverband FIFA aufgefordert, dem Emirat Katar die Austragung der Weltmeisterschaft im Jahr 2022 zu entziehen. Der Vergabeprozess an das Emirat sei «zutiefst illegal» gewesen, heisst es in einer Entschliessung aus Strassburg. Nach den Enthüllungen über diese «völlig vergiftete Entscheidung» komme die FIFA nicht darum herum, erneut über den Austragungsort abzustimmen.

Die Abgeordneten bedauerten zugleich, dass der Untersuchungsbericht des Ethik-Komitees der FIFA über die WM-Vergabe an Katar, der «extrem dubiose Praktiken» zu Tage gebracht habe, nicht vollständig veröffentlicht wurde. Zugleich bemängelten sie, der Verband habe die Vergabe an Katar trotz dieser Untersuchung «ohne weiteres» bestätigt.

Schmiergelder in Millionenhöhe

Der britische Labour-Abgeordnete Michael Connarty – der Verfasser der Entschliessung – sprach von einer «Farce» und einem Versuch, die «Affäre zu ersticken». Connarty hat nach eigenen Angaben Einsicht in Dokumente erhalten, die von der britischen Zeitung «Sunday Times» auszugsweise veröffentlicht worden waren.

Diese Dokumente belegen nach Angaben des Briten, dass der schwerreiche Katarer und frühere Fussballfunktionär Mohammed bin Hammam grosse Summen an Schmiergeldern gezahlt hatte, um die Unterstützung afrikanischer Fussballverbände für sein Land zu erkaufen. Angeblich sollen Bestechungsgelder in Höhe von 3,7 Millionen Euro geflossen sein.

Einladung an Blatter

Die Entschliessung wird nun dem Plenum der Versammlung vorgelegt, die darüber voraussichtlich während ihrer Frühjahrssitzung im April abstimmen wird. Sie ist rechtlich nicht bindend, soll jedoch den Druck auf die FIFA verstärken. Zu der Debatte im Plenum hat auch Fifa-Präsident Joseph Blatter eine Einladung erhalten. Jedoch wird nicht damit gerechnet, dass er wirklich erscheint.