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International «Die Wurzeln des Übels werden nicht angepackt»

Der Machtkampf zwischen den Taliban und der pakistanischen Regierung tobt seit Jahren. Für die Extremisten gilt Pakistan im Kampf gegen den Terrorismus als Verbündeter des Westens. Trotz Milliardenhilfe scheint es ein aussichtsloser Kampf zu sein. Einschätzungen von Nahost-Experte Ulrich Tilgner.

Legende: Video «Einschätzungen von Ulrich Tilgner» abspielen. Laufzeit 2:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.12.2014.

«Im Kampf gegen den Terror haben die USA die pakistanische Armee mit fast unerschöpflichen Mitteln hochgerüstet», sagt Ulrich Tilgner, Experte für den Mittleren Osten. «Besiegt wurden die Islamisten aber nicht.» Der Drohnenkrieg habe den Terrorismus gar zusätzlich angeheizt, so Tilgner.

Doch trotz Milliardenhilfe aus den USA scheint der Kampf gegen die Taliban aussichtslos zu sein. Immer wieder schockieren radikalislamische Gruppierungen mit Terroranschlägen. Tilgner schätzt, dass in Pakistan rund 50 verschiedene Splittergruppen existieren.

Grenzen verschwimmen

Am Massaker an der Schule in Peshawar waren laut Tilgner Extremisten aus Waziristan, also aus Stammesgebieten nahe der afghanischen Grenze beteiligt. Eine Gruppe namens Tehrik-i-Taliban Pakistan habe sich zu dem Anschlag bekannt, Bewiesen sei dies allerdings nicht. «Es gibt sehr viele Taliban-Gruppen und die Grenzen zu kriminellen Organisationen, zu Stammesmilizen verschwimmen. Und das ist das grosse Problem in diesem Gebiet», so Tilgner.

Noch im Frühjahr hätten die Taliban mit der pakistanischen Regierung verhandelt. «Diese Verhandlungen sind gescheitert und es kam zu einer Armee-Offensive.» Nun seien die Taliban offenbar unter grossem Druck. «Sie suchen sich weiche Ziele wie eine solche Schule – da kennen sie keine Gnade. Sie können damit etwas erreichen, das sieht man am internationalen Aufruhr», so Tilgner.

Politische Lösungen gefragt

«Die Wurzeln des Übels liegen in den politischen Unklarheiten in den autonomen Gebieten.» Dort herrsche ein grosses Wirrwarr. So würden dort unter anderem Taliban ausgebildet, die dann später in Afghanistan kämpften – alles mit Unterstützung der Armee.

Die milliardenschwere Militärhilfe aus den USA versande in dieser Region. «Sie fruchtet nicht, solange man politisch den terroristischen Sumpf in dieser Region nicht trockenlegt.»

23 Kommentare

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  • Kommentar von martin kappeler, Bern
    @Gaasser: Vielleicht, sinsd Sie ,Jenischer, wie ich und ich pflichte Ihnen voll und umfänglich zu, mit Ihrer argumentation!
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  • Kommentar von Christa wüstner, Reinach
    Ich halte Tilgner für einen sehr besonnenen Journalisten. Er gibt auch seine Meinung ab, man kann viel aus seinen Begründungen entnehmen. tilgner greift nicht an, er versucht mit seinen Einschätzungen uns zum Nachdenken aufzufordern. Natürlich man muss nicht mit jeder Meinung einverstanden sein, aber vielleicht hilft es die eigene Meinung zu überdenken , nicht zu ändern aber auch seine Einschätzung zu überdenken
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    1. Antwort von martin kappeler, Bern
      Ich bin absolut Ihrer Meinung und Irrer Hltung. Die Kommentare und Ausserungen von Ulrich Tigner, sind represantiv und warheitsgetreu deshalb sehe ich mich nicht aufgefohrdert eine andere Quelle zu suchen!
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Waziristan war nie unter der vollständigen Kontrolle einer Kolonialmacht (GB) od. einer Staatsmacht (Pakistan) Das Selbe galt u. gilt auch für Afghanistan. Es geht im Grunde darum ob u. wie die Stämme in diesem Gebiet unter staatliche Kontrolle gebracht werden können od. nicht. Die Aufstände u. Kriege in diesem Gebiet waren immer sehr grausam und wohl kaum zu gewinnen. Es hilft auch nichts wenn U. Tilgner u. andere Journalisten der Einfachheit halber alles mit Taliban u. Terrorismus erklärt.
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