Präsidentenwahl in Österreich «Dies ist eine Richtungswahl»

Was Heinz Fischer tut, tut man normalerweise nicht. Der ehemalige Bundespräsident von Österreich bezieht im Wahlkampf um seine Nachfolge klar Stellung.

Audio «Österreichs Ex-Präsident zur Wahl.» abspielen

Österreichs Ex-Präsident zur Wahl.

2:34 min, aus SRF 4 News aktuell vom 01.12.2016

Die Aussagen des früheren österreichischen Präsidenten in Kürze

  • Bei dieser Wahl gehe es um eine Richtungswahl, um Österreichs Zukunft. Diese Zukunft könne nur Van der Bellen heissen, macht der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer klar.
  • Der Wahlkampf sei selten so aggressiv gewesen, so Fischer. Trotzdem ist er zuversichtlich, dass sich die Stimmung wieder beruhigt. Man wisse, dass man wieder miteinander arbeiten muss.

78 Jahre ist er jetzt alt, Heinz Fischer, aber noch nicht im Ruhestand. Zurzeit liest er über das österreichische politische System an der Universität Innsbruck: über die Rolle des österreichischen Präsidenten etwa oder über die Veränderungen in der Parteienlandschaft.

Für ihn, der als Präsident auf Ausgleich bedacht war, sind diese Veränderungen inzwischen so stark, dass es am Sonntag zu einem Bruch kommen könnte: «Dies ist eine Richtungswahl, ob man mehr Nationalismus haben will, oder auf europäische Zusammenarbeit setzt. Das sind schon recht wesentliche Unterschiede und daher hab auch ich keinen Zweifel gelassen, welchem der beiden Kandidaten ich den Vorzug gebe: Van der Bellen», sagt der ehemalige Bundespräsident im Gespräch mit SRF.

Die beiden Kandidaten, der Grüne Alexander Van der Bellen und der Rechtsaussen Norbert Hofer, könnten unterschiedlicher nicht sein. Dies zeige sich überall: ob es um die EU-Mitgliedschaft gehe, den Umgang mit Flüchtlingen, oder die Frage, wie ein Präsident seine Macht einsetzen soll.

Da erstaune es ihn, dass sowohl Österreichs Sozialdemokraten als auch die Konservativen – die beide keinen Kandidaten in die Stichwahl brachten – ihrer Anhängerschaft niemanden zur Wahl empfehlen. «Aus irgendeinem Grund, der wahrscheinlich damit zu tun hat, dass bei vergangenen Wahlen die Regierungspartei jeweils einem Kandidaten der anderen Seite gegenüberstand, hat sich die Praxis eingespielt, dass man keine Wahlempfehlung ausspricht. Es könnte aber auch gut sein, dass jemand sagt: ‹Ich lass mir doch von den Parteien nicht vorschreiben, wen ich wählen soll›. So würde eine Empfehlung gar eine gegensätzliche Reaktion auslösen.»

Beruhigung nach dem Wahlkampf

Selten sei ein Wahlkampf so aggressiv gewesen wie dieses Mal, so Heinz-Fischer. Aber er würde dies nicht überbewerten. Wie er sein Land kenne, werde man sich auch wieder beruhigen. «Wahlkämpfe sind natürlich immer hitzige Zeiten. Zeiten fokussierter Unintelligenz. Es ist unerfreulich, dass dabei sehr viel Aggressivität frei wird. Aber es wird nach dem Wahlkampf auch anders ausschauen als vorher und man wird auch wissen, dass man wieder gemeinsam im politischen Spektrum tätig sein muss».

«  Wahlkämpfe sind natürlich immer hitzige Zeiten. Zeiten fokussierter Unintelligenz. »

Kommt hinzu, dass alle froh sind, wenn dieser Marathon mit dem erstem Wahlgang, aufgehobener Stichwahl, dann verschobener Stichwahl und nun erneuter Wahl am Sonntag endlich vorbei ist. Denn, müde sind sie alle: die Kandidaten, deren Unterstützer und das Wahlvolk.

Zur Person

Der Sozialdemokrat Heinz Fischer war von 2004 bis 2016 österreichischer Bundespräsident. Zuvor war er bereits Minister und jahrzehntelang im Parlament. Seit dem Ende seiner Amtszeit werden die Amtsgeschäfte interimistisch von den drei Nationalratspräsidenten geführt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Heinz Fischer war 12 Jahre Bundespräsident von Österreich.

    «Diese Wahl ist ein Richtungswechsel»

    Aus Echo der Zeit vom 1.12.2016

    Nach diversen Hindernissen wählt Österreich am Sonntag einen neuen Bundespräsidenten: den Grünen Alexander van der Bellen oder Norbert Hofer von der FPÖ. Kein Kandidat der beiden langjährigen Regierungsparteien SPÖ und ÖVP schaffte es in die Stichwahl.

    Was sagt Alt-Bundespräsident Heinz Fischer dazu? Das Gespräch.

    Joe Schelbert

  • Fehlerhafte Wahlcouverts haben u.a.zur Verschiebung der Wahl geführt.

    Österreich: Des Wahlkampfs und des Wählens müde

    Aus Rendez-vous vom 29.11.2016

    Die fast unendliche Geschichte: Der längste Wahlkampf aller Zeiten in Österreich endet diese Woche - nach 11 Monaten! Der neue Präsident soll nun im vierten Anlauf gewählt werden. Endlich. Das sagen sich alle im Land. «Endlich», sagen sich Kandidaten, Helfer, Publikum, denn alle sind müde.

    Joe Schelbert

  • Schmutziger Wahlkampf in Österreich

    Aus 10vor10 vom 25.11.2016

    Eigentlich stand Alexander Van der Bellen als neuer österreichischer Bundespräsident schon fest, doch die unterlegene FPÖ und ihr Kandidat Norbert Hofer legten Beschwerde ein. Pannen und ein bissiger Wahlkampf folgten.