Doch keine Freilassung der Geiseln durch Boko Haram

Über 200 Schülerinnen befinden sich seit April in den Händen der Islamistenmiliz Boko Haram. Zunächst sprach die nigerianische Führung von einer Freilassung. Ein Sprecher der nigerianischen Sicherheitskräfte dementierte nun aber diese Angaben. Eine Einigung rücke jedoch näher.

Eine Mutter zeigt das Bild ihrer entführten Tochter.

Bildlegende: Boko Haram hat viele Familien in Nigeria ins Unglück gestürzt. Hier eine Mutter mit dem Foto ihrer entführten Tochter. Keystone

Es klang zu gut, um wahr zu sein: Die islamischen Fundamentalisten von Boko Haram sollen eine Waffenruhe und die Freilassung der 219 vor einem halben Jahr entführten Schülerinnen zugesagt haben. Das erklärte ein enger Mitarbeiter von Präsident Goodluck Jonathan der Nachrichtenagentur AFP.

Ein Sprecher der nigerianischen Sicherheitskräfte hat die Angaben nun jedoch dementiert. «Zu diesem Aspekt gab es keine Einigung, aber sie rückt näher und näher», sagte Mike Omeri vom Nationalen Informationszentrum am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Omeri bestätigte jedoch die Ankündigung einer Waffenruhe durch Boko Haram. Die nigerianische Regierung habe daher ihrerseits eine Waffenruhe verkündet.

Druck auf Boko Haram

SRF-Korrespondent Patrik Wülser hatte nach dem ersten Verhandlungserfolg bereits seine Zweifel angemeldet. «Vorherige Ankündigungen wurden jeweils innerhalb von 24 Stunden von Boko Haram negiert.» Auch diesmal fehle eine Bestätigung. Man könne also gespannt sein.

Dennoch: «Es gibt leichten Optimismus», so Wülser weiter. «Die Verhandlungen sollen im Tschad stattgefunden haben. Kamerun soll auch beteiligt gewesen sein. Boko Haram hat immer mehr Einfluss auf die beiden Nachbarländer. Es könnte deshalb sein, dass der Tschad und Kamerun Druck auf Nigeria ausgeübt und zum Erfolg dieser Verhandlungen beigetragen haben.»

Druck auf Nigerias Regierung

Die zeitgleiche Ankündigung eines Waffenstillstandes und einer Freilassung der Schülerinnen waren auch für Wülser überraschend. «Ich denke der Druck auf Nigerias Regierung ist sehr gross», erklärt der Afrika-Korrespondent. Seit 2009 kamen im Norden des Landes 10‘000 Menschen bei Anschlägen ums Leben.

«Präsident Jonathan wurde stets Schwäche vorgeworfen», so Wülser. «Nächstes Jahr stehen in Nigeria Wahlen an. Jonathan braucht irgendeinen Erfolg. Sollten diese Mädchen nächste Woche tatsächlich freigelassen werden, wäre das einer.»

In diesem Fall, so Wülser weiter, wäre es dann spannend zu erfahren, was der Preis war: Geld, eine Beteiligung von Boko Haram an den Öleinnahmen oder ein Gefangenenaustausch.

#Bringbackourgirls

Boko Haram hatten im April 276 Schülerinnen entführt. Einige konnten fliehen, von den anderen fehlte bislang jede Spur. Die Massenentführung hatte weltweit für Bestürzung gesorgt. Zahlreiche Prominente beteiligten sich an eine Internetkampagne mit dem Titel #BringBackOurGirls (Bringt unsere Mädchen zurück).

Ihre Eltern warfen der Regierung vor, sich nicht ernsthaft für die Freilassung ihrer Kinder einzusetzen. Präsident Jonathan Goodluck hatte sich erst hundert Tage nach der Verschleppung zum ersten Mal mit den Angehörigen getroffen.

Boko Haram kämpft seit Jahren mit Gewalt für einen islamischen Gottesstaat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias.