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International Donald Trump knickt ein

Also nun doch: Der US-Präsidentschaftskandidat Trump sichert seinen Parteikollegen John McCain und Paul Ryan seine Unterstützung zu. Zuvor hatte er sie noch verweigert – und auch weitere Fauxpas begangen, was ihm eine miserable Wahlkampfwoche bescherte.

Legende: Video «Trump unterstützt McCain und Ryan (englisch)» abspielen. Laufzeit 0:53 Minuten.
Vom 06.08.2016.

Es war die wohl schwierigste Wahlkampfwoche für Donald Trump. Nachdem der republikanische Präsidentschaftskandidat die Eltern eines Kriegsopfers beleidigt hatte, wandten sich mehrere prominente Republikaner von ihm ab. Zudem versagte Trump zwei hohen Parteikollegen seine Unterstützung. Das will er nun offenbar wiedergutmachen.

In einer Rede am Freitagabend (Ortszeit) stellte sich Trump hinter den Speaker des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, und den Senator von Arizona, John McCain. Beide stehen zur Wiederwahl.

Arm in Arm werden wir die Nation vom Obama-Clinton-Desaster retten.
Autor: Donald TrumpPräsidentschaftskandidat

Noch vor wenigen Tagen hatte Trump gesagt, dass er noch nicht so weit sei, die Parteikollegen zu unterstützen – eine offensichtliche Revanche dafür, dass sich Ryan selber zuvor nur zögerlich hinter Trump gestellt und McCain den Immobilienmogul wiederholt scharf kritisiert hatte.

Viele Unterschiede, aber ein gemeinsames Ziel

«Arm in Arm werden wir die Nation vom Obama-Clinton-Desaster retten», sagte Trump nun in Green Bay im US-Bundesstaat Wisconsin. Trotz mancher Meinungsverschiedenheiten gebe es ein gemeinsames Ziel: Hillary Clinton, seine demokratische Rivalin, bei der Wahl im November zu besiegen.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat versuchte damit offensichtlich, nach Tagen neuer Kontroversen um ihn und absackender Umfragewerte wieder Fuss zu fassen.

Wie Trump die Kriegsveteranen gegen sich aufbrachte

Die Serie negativer Schlagzeilen hatte am vergangenen Wochenende an der National Convention der Demokraten in Philadelphia begonnen. Neben vielen prominenten Persönlichkeiten hielten dort auch Ghazala und Khizr Khan, die Eltern eines im Irak-Krieg gefallenen muslimischen Soldaten, eine bewegende Rede. In dieser hat sich Khizr Khan an Donald Trump gerichtet und ihm vorgeworfen gegen Muslime wie seinen Sohn zu hetzen, obwohl er selber nichts und niemanden für Amerika geopfert habe.

Das hatte auch bei Republikanern Kritik ausgelöst, und nach seiner Weigerung, Ryan und McCain zu unterstützen, nahm der Unmut über ihn so zu, dass Beobachter von einem «Bürgerkrieg» bei den Konservativen sprachen.

Trump beging daraufhin den fatalen Fehler, sich Tage später in einem Fernsehinterview abfällig über die Khans zu äussern.

Mit diesen Angriffen gegen die Eltern eines Kriegsopfers stellte er sich nicht nur bei der Allgemeinbevölkerung sondern auch bei den meist konservativen US-Veteranen ins Abseits.

Die amerikanische Kriegsveteranenorganisation VFW erklärte in einem Statement, Donald Trump habe mit seinen Beschimpfungen gegen die Angehörigen eines getöteten Soldaten eine Grenze überschritten. Diese Meinung teilt auch der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain.

Unbelehrbar?

Doch warum tut er das? Warum scheint sich Donald Trump allen Regeln eines erfolgreichen Wahlkampfes entgegenzusetzen?

Einer seiner langjährigen Weggefährten hat Erklärungen. Tony Schwartz, der Autor des Trump-Bestsellers «The Art of the Deal» hatte Trump während 18 Monaten begleitet und legt nun alles daran, dessen Sieg zu verhindern. Schwartz sagt: «Donald Trump hat keine Ideologie. Er ist nicht eine Person mit bestimmten Ansichten oder Überzeugungen. Es geht ihm nur darum, dass er selber am Ende Erfolg haben wird.»

Eine andere Erklärung liefert Ari Fleischer. Er war unter George W. Bush der Pressesprecher des Weissen Hauses und meint: «Was mit Donald Trump passiert, habe ich bei vielen Milliardären gesehen: Wenn man ihnen sagt, was sie machen sollen, dann tun sie genau das Gegenteil. Nur um zu beweisen, dass niemand ihnen sagen kann, was sie tun sollen.»

Dass Donald Trump seinen eigenen unbeirrten Kurs fährt, hat er zur Genüge bewiesen. Ob er mit seiner Art und Weise im US-Präsidentschaftswahlkampf gewinnen wird, scheint aber nach seinen jüngsten Entgleisungen zusehends unwahrscheinlicher – trotz Bemühungen um Schadensbegrenzung.

36 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Für die beiden ist es wohl eher ein Nachteil, wenn der Pausenclown Trump "Arm in Arm" mit ihnen gehen will.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Die Kritik der "Globalisierer" ist auch hier die gleiche wie das Geschrei vor dem BREXIT war. Die Globalisierer sind die "Mächtigsten" die "Reichsten" +die "Einflussreichsten" Politiker, Wirtschaftsbosse +Kartell-Mächtigen". Leider gibt es auch in der Schweiz Unterstützer dieser gierigen Rechthaber.Am offensichtlichsten ist unsere Presse (vor allem das extreme SRF) das uns, das Volk, in den Griff bekommen will. Es ist wie beim BREXIT, die Mächtigen wollen nicht, dass jemand "eigenständig" wird!
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  • Kommentar von Sue Fischer (Deutsch Lehrerin)
    Immer diese "Verschwörungstheorien" über das ach so teuflische SRF. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein mit Vernunft begabter Homo Sapiens ernsthaft glaubt, Trump werde Präsident. Auch in den USA gibt es genügend Menschen welche das Mass nicht verloren haben und keinem Populismus der niedrigsten Stufe hinterherlaufen. Ein kleines Buschfeuer mit viel Rauch um Nichts.
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