El Salvador: Bazookas statt Bildung

Immer wieder verschwinden im kleinen mittelamerikanischen Land El Salvador Kriegswaffen. Vor Jahren konnten tausende von Granaten nicht gefunden werden. Jetzt fehlen Kriegswaffen, die zerstört werden sollten. Abnehmer sollen Jugendbanden sein. Der Präsident fordert Aufklärung.

Präsident Cerén redet

Bildlegende: Fordert schnelle Aufklärung über den Verbleib der Kriegswaffen: Präsident Cerén. Keystone

Im Skandal um verschwundene Kriegswaffen hat der Präsident El Salvadors, Salvador Sánchez Cerén, rasche Aufklärung gefordert. Die Generalstaatsanwaltschaft solle die Ermittlungen gegen Verteidigungsminister David Munguía Payés und andere ranghohe Militärs zügig vorantreiben, sagte der Staatschef.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden sind Hunderte zur Vernichtung vorgesehene Waffen verschwunden. Die Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass sie an die mächtigen Jugendbanden des Landes verkauft wurden. Bereits vor drei Jahren konnte das Verteidigungsministerium den Verbleib von mindestens 7000 Granaten nicht erklären.

Die Jugend-Gangs von El Salvador

Die Gangs kontrollieren weite Teile von El Salvador und sind zum Teil schwer bewaffnet. Nach einer gewissen Entspannung seit einer Waffenruhe 2012 hat die Gewalt seit Jahresbeginn wieder deutlich zugenommen. Im Mai wurden pro Tag durchschnittlich fast 13 Menschen getötet.

Man schätzt die Zahl der Jugendbanden-Mitglieder (der sogenannten «Maras») auf rund 60'000. Zählt man noch noch ihre Familien dazu, kommt man auf mindestens 500'000 Menschen, die von kriminellen Geschäften leben, schätzen Beobachter. Eine halbe Million von insgesamt nur knapp sechs Millionen Einwohnern. Zu den schlimmsten Zeiten – sie sind etwa drei Jahre her – lag die Mordrate bei 67 pro Jahr für je 100'000 Einwohner. In Deutschland liegt sie bei 0,9.

Die Verbrecher von heute haben es mit einer Polizei zu tun, die nicht ermittelt, und mit Richtern, die sich Freisprüche gerne abkaufen lassen, berichtete die Zeitschrift «Le Monde Diplomatique». Nur zwei Prozent aller Gewalttaten führten zu einer Verurteilung.

Private Sicherheitsdienste florieren

Im Schatten dieser allgemeinen Straffreiheit floriert die private Sicherheitsindustrie. Etwa fünf Prozent des Bruttinlandprodukts werden für private Sicherheit ausgegeben - mehr als doppelt soviel wie für das öffentliche Gesundheitswesen. «Je grösser die Hysterie im Land, desto besser läuft dieses Geschäft», so das Blatt weiter.

Es gebe 274 registrierte Schutz- und Sicherheitsfirmen, viele gehören ehemaligen Militärs. Sie verkaufen angeblich Sicherheit und hätten «rein wirtschaftlich das Interesse, dass es unsicher bleibt in El Salvador». 28'000 Männer hätten sie unter Waffen, die Polizei zählt nur knapp 23'000 – inklusive des reinen Verwaltungspersonals.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Mitglieder der Jugendbanden «Maras».

    El Salvador: Jeden Tag sieben Tote weniger

    Aus Echo der Zeit vom 5.7.2013

    Das zentralamerikanische Land El Salvador gilt als gefährliches Land, vor allem wegen den kriminellen Jugendbanden, den sogenannten «Maras». Seit über einem Jahr herrscht zwischen den Banden ein Waffenstillstand, den Staat und Kirche eingefädelt haben und unterstützen.

    Seither ist vieles besser geworden. Aber längst nicht alles.

    Franco Battel