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Entscheid in Melbourne Missbrauchsprozess gegen Kurienkardinal wird eröffnet

Legende: Audio Pell ist in Australien sehr umstritten abspielen. Laufzeit 01:04 Minuten.
01:04 min, aus HeuteMorgen vom 01.05.2018.
  • Der australische Kurienkardinal George Pell muss sich wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht verantworten.
  • Das hat ein Amtsgericht in Melbourne entschieden.
  • Der 76-Jährige, der sich als Finanzchef des Vatikans beurlauben liess, galt lange Zeit als inoffizielle Nummer drei des Kirchenstaates.

Der bisherige Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell, muss sich wegen Missbrauchsvorwürfen einem Prozess stellen. Die australische Justiz entschied am Dienstag in Melbourne nach monatelangen Vorprüfungen, dass gegen den 76-Jährigen vor Gericht ein Hauptverfahren eröffnet wird.

Inoffizielle Nummer drei im Kirchenstaat

Der Kurienkardinal ist damit weltweit der bislang ranghöchste katholische Geistliche, der wegen solcher Vorwürfe angeklagt wird. Pell selbst streitet alles ab.

Als Finanzchef war der Vertraute von Papst Franziskus bis vergangenes Jahr die inoffizielle Nummer drei des Kirchenstaats. Gegen ihn gibt es seit längerer Zeit Vorwürfe, sich als junger Pfarrer und später auch als Erzbischof in seiner Heimat an Jungen vergangen zu haben. Er wies dies stets zurück, liess sich aber als Finanzchef beurlauben.

Mit dem jetzigen Gerichtsentscheid ist äusserst unwahrscheinlich, dass Pell jemals auf seinen Posten im Vatikan zurückkehrt. Der Prozess – möglicherweise werden es auch mehrere Verfahren – könnte sich sehr in die Länge ziehen. Auf seinen Posten als Finanzchef des Kirchenstaats dürfte er kaum noch zurückkehren können.

Pell im Beisein eines Polizisten.
Legende: Vor dem Gerichtsbeschluss in Melbourne: Gegen Pell wird das Hauptverfahren eröffnet. Keystone

Ausreichende Hinweise

Zur Bekanntgabe der Entscheidung musste der Kardinal persönlich vor dem Amtsgericht Melbourne erscheinen - eine Stadt, in der er früher Erzbischof war.

Nach Auffassung von Richterin Belinda Wallington gibt es in mehreren Fällen ausreichend Hinweise darauf, damit die Vorwürfe von einer höheren Instanz geprüft werden. Bei anderen Vorwürfen sah das Gericht nicht genügend Substanz, um sie weiterzuverfolgen. Pell selbst äusserte sich vor Gericht erstmals auch selbst. Er bezeichnete sich als «nicht schuldig».

Vorwürfe liegen länger zurück

Die australischen Behörden haben sich bislang in der Öffentlichkeit noch nicht näher dazu geäussert, was genau dem Kardinal vorgeworfen wird. Offiziell heisst es nur, es gehe um länger zurückliegende Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs. Die Beschwerden reichen in Pells Zeit als Priester in seiner Heimatgemeinde Ballarat (1976-1980) und als Erzbischof von Melbourne (1996-2001) zurück.

Pell wird nach Presseberichten unter anderem zu Last gelegt, sich 1978 in einem Kino an einem Jungen vergangen zu haben. Zudem gibt es Vorwürfe, dass er zwei Jungen in einem Pool sexuell belästigt habe.

Von Papst Benedikt berufen

Berufen worden war Pell noch vom früheren deutschen Papst Benedikt. Der jetzige Papst Franziskus hat immer wieder bekräftigt, in Sachen Missbrauch ein «Null-Toleranz-Prinzip» zu verfolgen. Doch auch unter dem Argentinier sieht sich die katholische Kirche immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, Fälle von Kindesmissbrauch zu vertuschen.

Australien gehört zu den Ländern, die mit der Aufarbeitung von solchen Vorwürfen längst begonnen haben. Eine Kommission brachte ans Licht, dass zwischen 1950 und 2015 Zehntausende Kinder Opfer sexueller Gewalt wurden – oft in Einrichtungen der Kirche, aber auch in Schulen, Sportvereinen oder bei den Pfadfindern.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    So viele Priester etc, die Kinder missbrauchten - und so viele Fälle, wo die Katholische Kirche wegsah oder die Fälle verschwieg und die Schuldigen einfach versetzte. Und diese Leute wollen uns Moral etc predigen. Wie können unmoralische und gewissenlose Menschen Moral predigen? Alle diese Leute haben schreckliche Verbrechen begangen, gehören von der Kanzel verbannt und bestraft dh ins Gefängnis gesteckt. Auch die Vorgesetzten, die alles verschwiegen haben, gehören bestraft. Kirche hin oder her
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  • Kommentar von Luca Meier (Luca Meier)
    Ich bin erschrocken über die Kommentare hier. Der Kardinal wurde schon verurteilt, dabei hat der Prozess noch gar nicht begonnen. Und von mehreren gleich die ganze Kirche. Die allermeisten Fälle geschehen ja in der Familie. Das sind Grossväter, Väter, Onkel usw., die nicht zölibatär leben. Nach den Familien folgen die Sportvereine, Schulen und Kindergärten... Jeder Fall ist einer zu viel, und die Verantwortlichen müssen hart bestraft werden. Aber bitte erst nach dem Urteil. Dankeschön.
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  • Kommentar von Karl Paul (Karl Paul)
    Die Kirche ist auf Kinder angewiesen. Wäre Kirche ab 18, gäbe es keine Religionen.
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    1. Antwort von Luca Meier (Luca Meier)
      Das stimmt nicht. In den ersten 400 Jahren hat man Kinder überhaupt nicht getauft, nur die Erwachsenen. Trotzdem wuchs die Kirche schnell. Schätzungsweise waren zu Beginn des 4. Jh. bereits 10 Prozent im Römischen Reich Christen.
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