Gespräche im Weissen Haus Erdogan beisst bei Trump auf Granit

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Wüste Szenen vor der türkischen Botschaft

0:49 min, aus Tagesschau am Mittag vom 17.5.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Erdogan sprach das Thema, dass die USA Kurden bewaffnen wollen, nicht so scharf an wie angekündigt. Auch in Sachen Gülen-Auslieferung kam er bei Trump nicht weiter.
  • Der Fokus lag auf den Gemeinsamkeiten. Eine engere Geheimdienstzusammenarbeit wurde vereinbart. Trump genehmigte auch verstärkte Luftangriffe der Türkei im Irak.
  • Bei Protesten gegen Erdogans Politik vor der türkischen Botschaft in der Hauptstadt Washington wurden neun Personen verletzt, eine davon ist in kritischem Zustand.

Die Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Donald Trump haben nach ihrem Treffen die Bedeutung guter Beziehungen zwischen den beiden Staaten betont. Das Verhältnis zwischen der Türkei und den USA ist aber alles andere als gut.

Weil Trump die syrische Kurdenmiliz mit schweren Waffen aufrüsten will, sieht die Türkei ihre Sicherheit bedroht. Erdogan habe das Problem zwar angesprochen, sagt der langjährige Türkei- und heutige USA-Korrespondent Thomas Seibert. Seine Rhetorik sei aber nicht so scharf gewesen wie im Vorfeld angekündigt. Allerdings: «Wie hart es hinter den Kulissen zur Sache ging, wissen wir nicht.»

Kleine Zugeständnisse an Ankara

Trump soll Erdogan einen verstärkten Austausch von Informationen über die Bewegungen der PKK-Einheiten im Irak angeboten haben. «Die USA verfügen über erhebliche Ressourcen auf dem Gebiet», weiss Seibert. Ausserdem habe er der Türkei die Erlaubnis gegeben, verstärkt Luftangriffe auf die PKK zu fliegen.

Verletzte vor türkischer Botschaft

Am Rande des ersten Treffens zwischen Trump und Erdogan kam es zu Zusammenstössen in Washington. Wie Zeugen berichteten, griffen Sicherheitsleute Erdogans vor der Residenz des türkischen Botschafters Demonstranten an.
Die Polizei in der Hauptstadt stellte zwar rasch wieder Ordnung her. Nach Angaben von Rettungskräften wurden jedoch neun Menschen verletzt. Sie wurden in umliegende Spitäler gebracht. Einer der Verletzten befand sich in kritischem Zustand.

Ein weiteres Ziel, das Erdogan bei seinem Besuch erreichen wollte, war, dass die USA den Prediger Fetullah Gülen an die Türkei ausliefern. Erdogan wirft seinem ehemaligen Weggefährten, der in den Vereinigten Staaten im Exil lebt, vor, der Strippenzieher hinter dem versuchten Putsch vom letzten Sommer zu sein.

In dem Punkt sei Erdogan überhaupt nicht vorwärts gekommen, erklärt der Korrespondent. «Trump hat dazu auch wenig zu sagen, denn dieses Auslieferungsverfahren wird am Ende von einem Gerichtsurteil abhängen.»

Keine Bewegung im Fall Gülen

Die Beweismittel, die Ankara bisher gegen Gülen vorgelegt habe, seien nicht ausreichend, gab die US-Justiz der Türkei zu verstehen. «Die Türken sind darüber einigermassen entrüstet und wollen im Gegenzug auch keine amerikanischen Auslieferungsanträge mehr beantworten», so Seibert.

Die Türkei sei aber darauf angewiesen, dass das Auslieferungsverfahren überhaupt in Gang gesetzt werde. «Selbst das hat die Trump-Regierung bisher nicht gemacht.» Das sei kein Erfolg für Erdogan.

Besuch bei Trump «ausschlachten»

Als Erfolg lasse sich aber werten, dass Erdogan in seiner Regierungskapazität als gestärkter Präsident nun auch international anerkannt werde. Nachdem er im März eine umstrittene Verfassungsreform, die ihm mehr Macht zugesteht, per Referendum durchgesetzt hatte, war Trump der einzige westliche Machthaber, der ihm dazu gratulierte.

«Jetzt hat Trump ihn mit allem Pomp im Weissen Haus empfangen. Das verleiht ihm eine gewisse Legitimation, die er im Moment ganz gut brauchen kann», sagt Seibert. «Erdogan wird versuchen, den Besuch so gut es geht auszuschlachten.»

Thomas Seibert

Thomas Seibert

Der Journalist Thomas Seibert ist USA-Korrespondent des «Berliner Tagesspiegels». Zuvor berichtete er während 20 Jahren für verschiedene Zeitungen und Radiosender aus der Türkei.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Antrittsbesuch von Erdogan bei Trump

    Aus Tagesschau vom 16.5.2017

    Wenige Tage vor der ersten Auslandsreise von Donald Trump empfängt der US-Präsident seinen türkischen Kollegen Recep Erdogan. Bei den Gesprächen wird es vor allem um die schwierige Situation im Bürgerkriegsland Syrien gehen. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Peter Düggeli aus Washington.