Erneut Frauen in Nigeria entführt

Im Norden Nigerias sind erneut zahlreiche Menschen getötet und entführt worden. Unbekannte sollen in mehreren Dörfern etwa 60 Frauen und Kinder entführt haben. Die Behörden vermuten, dass auch diese Täter zur islamistischen Terrorgruppe Boko Haram gehören.

Eine Person hält ein Plakat hoch.

Bildlegende: Bereits bei der ersten Entführung Mitte April war die Empörung weltweit gross. Keystone

Im Norden Nigerias haben Islamisten erneut rund 60 Frauen und Mädchen verschleppt. Die Entführungen aus mehreren Dörfern im Bundesstaat Borno sollen sich in der vergangenen Woche ereignet haben.

Das berichtete die Zeitung «Premium Times» unter Berufung auf örtliche Sicherheitskräfte. Unter den Geiseln sollen sich nach Zeugenangaben auch kleine Mädchen und Babys befinden.

Entführer sind vermutlich wieder die Boko Haram

Viele Bewohner hätten versucht zu fliehen. Mindestens vier von ihnen seien von den Angreifern erschossen worden. Es sollen auch 31 Männer gekidnappt worden sein. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gibt es vorläufig nicht.

Es wird vermutet, dass die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hinter der Tat steckt. Sie verübt seit Jahren immer wieder schwere Anschläge mit mittlerweile Tausenden Toten.

Die Extremisten hatten Mitte April über 200 Schülerinnen aus dem Ort Chibok in der gleichen Region entführt. Von ihnen fehlt trotz intensiver Suche auch mit internationaler Hilfe bisher jede Spur. Die Boko Haram hatte gedroht, die meist christlichen Mädchen als Sklavinnen zu verkaufen.

Über 70 Islamisten getötet

Unterdessen wurde bekannt, dass das nigerianische Militär bei einem Luftangriff im Norden mehr als 70 mutmassliche Boko-Haram-Mitglieder getötet hat. Unter den Opfern sollen auch zahlreiche Männer gewesen sein, die am vergangenen Wochenende ein Dorf in der Nähe von Chibok überfallen und zahlreiche Menschen getötet hatten. Ein Militärsprecher sagte der Nachrichtenagentur dpa, bei dem Angriff seien auch mehrere Fahrzeuge der Extremisten zerstört worden.

«Es handelte sich um eine Überraschungsattacke. Dies ist Teil unserer neuen Strategie», erklärte der Sprecher. Die Regierung wirkte lange hilflos im Kampf gegen die Terroristen, die seit 2009 mit blutiger Gewalt vorgehen. Präsident Goodluck Jonathan steht zunehmend in der Kritik. Die Boko Haram will im Norden des Landes einen islamistischen Gottesstaat aufbauen.